Bayern München: Aktie bald auch für Fans?

Der FC Bayern München e. V. zählt nicht nur aus sportlicher Sicht sondern auch wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Fußballvereinen weltweit. In der Saison 2018/19 setzte der Verein laut einer Mitteilung auf seiner Homepage 750,4 Millionen Euro um und konnte am Ende des Geschäftsjahres 2019 einen Gewinn von 75,3 Millionen Euro verzeichnen. Einen nicht geringen Anteil an diesem Erfolg scheint die Professionalisierung der Vereinsstrukturen zu haben. Dafür wurde die Profiabteilung aus dem eigentlichen Verein ausgegliedert und zu einer Aktiengesellschaft, der FC Bayern München AG, umgewandelt. Doch wie genau ist diese AG organisiert? Und kann man FC Bayern Aktien wie andere Fußballaktien kaufen?

Sind FC Bayern Aktien an der Börse handelbar?

Im Gegensatz beispielsweise zu den Aktien der Borussia Dortmund GmbH & Co. KgAa sind Bayern München Aktien nicht an der Börse handelbar. Für Privatanleger ist es also nicht möglich, FC Bayern Aktien zu kaufen. Lediglich die schon genannten, ausgewählten Großinvestoren Adidas, Allianz SE und Audi durften Anteile an der AG erwerben. Wird die Profiabteilung eines Fußballvereins ausgegliedert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, bedeutet das also nicht automatisch, dass das Unternehmen auch börsennotiert und zum Handel zugelassen ist.

Können Fans die Bayern-Aktie bald kaufen?

Derzeit ist nicht abzusehen, dass der FC Bayern die Organisationsstruktur seiner AG ändert. Es wird also für die Fans vermutlich auch in näherer Zukunft nicht möglich sein, eine Bayern München Aktie an der Börse zu erwerben.

Aktien der drei Großinvestoren des FCB, Adidas, Audi und Allianz SE, sind allerdings sehr wohl zu haben. Welches Depot sinnvoll ist, wenn Sie vor allem Aktien handeln wollen, finden Sie über unseren Vergleichsrechner heraus.

So ist die FC Bayern München AG organisiert

Im Jahr 2001 gliederte der FC Bayern München e.V. seine Profiabteilung aus und gründete die FC Bayern München AG. Ziel der Ausgliederung war unter anderem, den Bau der Allianz Arena zu finanzieren. Gemäß der 50+1-Regel ist der FC Bayern München e.V. der Hauptaktionär der AG, besitzt also die meisten Anteile (75 Prozent). Weitere Aktionäre sind die Unternehmen Audi , Adidas und Allianz SE mit Anteilen von je 8,33 Prozent. Seit der Umwandlung der Profiabteilung in eine AG ist Karl-Heinz Rummenigge Vorstandsvorsitzender. Herbert Hainer fungiert seit November als Aufsichtsratsvorsitzender und löste damit Uli Hoeneß ab.

Alle Macht dem Verein: 50+1-Regel

Nach der 50+1-Regel muss der Verein immer mindestens 50 Prozent der Stimmrechte plus einen weiteren Anteil seiner AG besitzen. Er ist also verpflichtet, die Stimmmehrheit zu halten. Damit soll verhindert werden, dass die Kontrolle über die Profimannschaft vollständig an Großunternehmer oder andere Kapitalgeber abgegeben wird und der sportliche Erfolg hinter den wirtschaftlichen tritt.

Geschäftsfeld „Fußball“ bringt den meisten Umsatz

Die FC Bayern AG ist in zwei Geschäftsfelder untergliedert:

  • 1. Fußball: Dieses Geschäftsfeld umfasst erstens den Bereich „Sportveranstaltung, Vermarktung und Sponsoring, hinter dem sich die Unterhaltung und Vermarktung der Fußballmannschaften verbirgt. Zweitens gehört die Marke des FC Bayern dazu, also der Bereich „Merchandising und Lizenzen“.
  • 2. Allianz Arena: Das Geschäftsfeld Allianz Arena besteht aus drei Tochterunternehmen des FC Bayern: der Allianz Arena München Stadion GmbH, der Allianz Arena Payment GmbH und der Arena Stadion Beteiligungs GmbH & Co. KG abgedeckt.

Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern München e.V.; Aufsichtsratsvorsitzender FC Bayern München AG):

„Wir haben Leute, die sind bereit, für zehn Prozent der Aktien [des Vereins, a.d.R.] 200 Millionen zu geben. Ich würde sagen, der Marktwert ist zwei Milliarden plus.“

(Quelle: www.focus.de, März 2017, aufgerufen am 13.04.18)

Das Geschäftsfeld Allianz Arena erwirtschaftet nur einen geringen Teil des Gewinns im zweistelligen Millionenbereich, den die FC Bayern AG in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte. Für den meisten Gewinn sorgt das Geschäftsfeld Fußball.

So profitiert der FC Bayern von der Organisation seiner AG

Die Organisation der Profiabteilung des FC Bayern als AG sowie die Beschränkung auf ausgewählte Anteilseigner brachte und bringt bis heute verschiedene Vorteile für den Verein mit sich:

  • Kurz nach der Gründung kaufte Adidas für knapp 77 Millionen Euro 10 Prozent der AG-Anteile. Durch diese Investition konnte der Bau eines neuen Stadions realisiert werden, das 340 Millionen Euro teuere Prestigeobjekt Allianz-Arena, .
  • Die Anteilseigner bzw. Investoren sind langfristig an den Verein, genauer die AG, gebunden. Anders als die meisten Bundesligavereine, die sich unter Umständen jede Saison um neue Sponsoren bemühen müssen, kann der FC Bayern dauerhaft mit der Unterstützung von Adidas, Audi und Allianz SE rechnen. Das schafft nicht nur finanzielle sondern auch Planungssicherheit.
  • Die Beschränkung auf lediglich drei Anteilseigner ermöglicht eine einfachere Informations- und Handlungspolitik. Wenn Veränderungen beispielsweise in der AG-Struktur oder größere Investitionen geplant sind, muss der FCB sich nicht mit hunderten Aktieninhabern einig werden, sondern nur mit seinen Großinvestoren.
  • Da die Anteile von Adidas, Audi und Allianz SE zusammen nur 25 Prozent betragen, ist die FC Bayern München AG zusätzlich vor einer zu hohen Einflussnahme ihrer Investoren abgesichert.

Darum ist gerade Adidas Großinvestor

Adidas und der FC Bayern München e.V. pflegen seit Jahren eine intensive wirtschaftliche Beziehung: Der Sportartikelhersteller rüstet den Verein seit 1965 ununterbrochen mit Trikots, Fußballschuhen etc. aus. Entsprechend nahe lag es für den Verein, Adidas als ersten Großinvestor für seine AG zu gewinnen.

Die Probleme börsennotierter Fußball-AGs sind groß

Aktien von Fußballvereinen, deren AGs an der Börse notiert sind, deren Aktien Sie also an der Börse kaufen können, sind starken Kursschwankungen unterworfen. Viele fristen gar ein Dasein als Pennystocks, sind also weniger wert als einen Euro. Vermutlich ist das vor allem auf den nur schwer planbaren sportlichen Erfolg von Fußballclubs zurückzuführen.

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern München AG):

„Ich würde Ihnen raten, kaufen Sie sich keine Fußball-Aktien. Und wenn Sie welche haben: Schnell weg damit.“

(Quelle: www.stern.de, November 2002 [kurz nach der Gründung der FC Bayern AG], aufgerufen am 13.4.18)

Negativbeispiel: Die Kursschwankungen der BVB-Aktie

Das beste Beispiel für die starken Schwankungen von Fußballaktien ist die BVB-Aktie: Als der sportliche Erfolg zwei Jahre nach dem Börsengang der Borussia Dortmund GmbH &Co. KgAa ausblieb, verlor die Aktie rund 85 Prozent an Wert. Obwohl der BVB in den Folgejahren wieder deutlich erfolgreicher war, erholte sich der Kurs nur langsam von dem massiven Wertverlust.

Erfolgsmodell FC Bayern München AG?

Der sportliche wie finanzielle Erfolg spricht für sich: Der FC Bayern München gilt als einer der finanziell gesündesten und reichsten Fußballclubs weltweit. Allerdings scheint das Modell des FCB nicht allein auschlaggebend für diesen Erfolg zu sein. Beispielsweise ist der HSV mit seiner HSV Fußball AG ähnlich strukturiert wie die FC Bayern München AG, doch bleiben sowohl der sportliche als auch der finanzielle Erfolg seit Jahren aus.

Der Erfolg des FC Bayern kann also nicht allein an der Organisation seiner AG festgemacht werden. Neben anderen relevanten Punkten könnte beispielsweise die langjährige, außergewöhnlich gute sportliche Leistung der Profimannschaft schon vor der Gründung der FC Bayern München AG ein Garant für die Erfolgsgeschichte des Clubs sein.

Saskia arbeitet seit 2017 im Finanzbereich und hat dort auch ihr Volontariat absolviert. Ihre Schwerpunkte liegen vor allem bei den Themen Wertpapierdepot sowie Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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