Wertpapierarten: Sicherheit, Rendite & Risiko im Vergleich

Speziell Einsteiger:innen sind oft unsicher, welche der verschiedenen Wertpapierarten für sie geeignet sind. So unübersichtlich die Möglichkeiten auf den ersten Blick auch wirken, sie haben doch einen entscheidenden Vorteil: Du findest immer das passende Wertpapier, ganz gleich, ob deine höchste Priorität Sicherheit oder Rendite ist, ob du langfristig anlegst oder abwechslungsreich. Wir zeigen dir die gängigsten Wertpapierarten.

Artenvielfalt: Wertpapiere im Überblick

Vor allem Anfänger:innen sollten sich auf die Klassiker beschränken. Diese sind meist einfach zu durchschauen und der Handel erfordert keine jahrelange Erfahrung. Dennoch ist es wichtig, sich mit der Investition auseinanderzusetzen. Denn nur wenn du wirklich weißt, wie du investierst, kannst du eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen. Daher solltest du dich zunächst fragen, was dir am wichtigsten ist: Sicherheit oder Rendite? Grundsätzlich ist eine Kombination aus beidem möglich; dennoch haben spekulativere Anlageformen meist auch höhere Ertragschancen.

Anlagen für Sicherheitsbewusste

ETFs

ETFs, wie Exchange Traded Funds kurz genannt werden, sind eine Unterkategorie von Fonds, die über die letzten Jahre immer populärer wurde. Die Besonderheit: Sie bilden einen bestimmten Index nach, etwa den deutschen Aktienindex DAX oder den Weltaktienindex MSCI World. Das bedeutet, der betreffende Index wird kopiert: Mit einem ETF investierst du also in die Wertpapiere aus dem Index. Damit entfällt die Notwendigkeit eines Fondsmanagements. ETFs sind daher günstiger als aktiv verwaltete Fonds. ETFs kannst du bei jedem gängigen Broker handeln.

Anleihen

Bei der Anleihe handelt es sich um ein fest verzinstes Wertpapier, das beispielsweise von Unternehmen oder Staaten vergeben wird. Mit dem Kauf einer Anleihe leihst du dem entsprechenden Herausgeber, dem sogenannten Emittenten, Geld und wirst damit zu dessen Gläubiger. Der Emittent ist verpflichtet, die Anleihe zurückzukaufen. Zusätzlich erhältst du regelmäßige Zinszahlungen. Es gibt verschiedene Arten von Anleihen:

  • Unternehmensanleihen: Herausgeber ist ein Unternehmen
  • Staatsanleihen: Emittent ist ein Staat

Fonds

Bei Fonds handelt es sich um eine Bündelung mehrerer Einzeltitel, beispielsweise Aktien oder Anleihen. Kaufst du Anteile an einem bestimmten Fonds, investierst du automatisch in mehrere Wertpapiere, ohne sie einzeln erwerben zu müssen. Ihr Vorteil: Investmentfonds werden professionell gemanagt. Das bedeutet, du musst dich nicht selbst um die Zusammenstellung kümmern. Der Fondsmanager erledigt den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Hierfür wird in aller Regel eine Verwaltungsgebühr berechnet.
Bei Fonds gibt es zahlreiche verschiedene Arten. Die jeweilige Anlageklasse nimmt auch Einfluss auf Risiko und Renditechance des jeweiligen Fonds. Bekannte Fonds-Kategorien sind:

  • Aktienfonds: Investition in Aktien
  • Rentenfonds: Investition in verzinste Wertpapiere
  • Immobilienfonds: Investition in Immobilien
  • Geldmarktfonds: Investition in Geldmarkttitel und liquide Wertpapiere
  • Dachfonds: Investition in andere Fonds
  • Mischfonds: Investition in mehrere Anlageklassen

Wertpapiere für renditeorientierte Anlageziele

Aktien

Aktien sind die wohl bekanntesten Wertpapiere. Es handelt sich dabei um verbriefte Anteile an Unternehmen. Sie ermöglichen es also, in ein bestimmtes Unternehmen zu investieren, indem du an der Börse Anteile in Form von Aktien kaufst. Als Aktionär:in kannst du an Hauptversammlungen teilnehmen und hast bei wichtigen Entscheidungen oft auch ein Mitspracherecht. Außerdem wirst du bei einigen Unternehmen mit Dividenden an Gewinnen beteiligt. In erster Linie profitierst du durch einen Verkauf deiner Aktien nach einem Kursanstieg. Verkaufst du unter dem ursprünglichen Wert, fährst du Verluste ein.

Spekulative Wertpapiere

Achtung:

Die folgenden Wertpapierarten eignen sich nicht für dich, wenn du neu im Thema bist. Sie sind auch nicht nötig für eine ausgewogene Börsenstrategie. Natürlich steckt in ihnen ein großes Gewinnpotential – aber eben auch die Möglichkeit, sehr viel Geld zu verlieren, im schlimmsten Fall deinen Gesamteinsatz. Das sollte dir bewusst sein, wenn du eines der Produkte tradest.

Zertifikate sind eine spezielle Form von Anleihen. Rechtlich ist das Zertifikat eine Schuldverschreibung. Rückzahlung und Verzinsung unterliegen bestimmten, vorab festgelegten Bedingungen. Du kannst die Wertpapiere entweder direkt über den Herausgeber oder über die Börse handeln.
Zertifikate gehören zur Kategorie der Derivate. Sie beziehen sich in der Regel auf einen bestimmten Basiswert. Das kann eine Aktie, ein Index oder ein Rohstoff sein. Beim Kauf eines Zertifikats setzt du auf die Kursentwicklung dieses Basiswerts. Die Besonderheit: Du kannst auch dann profitieren, wenn andere Geld verlieren – und zwar indem du auf fallende Kurse setzt. Die Welt der Zertifikate ist nahezu unüberschaubar – es gibt eine Reihe von Unterkategorien. Dazu gehören beispielsweise Partizipationszertifikate, Bonus-Zertifikate oder Knock-Out-Zertifikate.

Bevor du investierst, bedenke jedoch, dass es sich hier um eine riskante und oft wenig transparente Anlage handelt. Zertifikate sind deshalb nur für erfahrene Trader:innen geeignet. Meldet die herausgebende Bank des Zertifikats Insolvenz an, ist es zudem möglich, dass du deinen kompletten Einsatz verlierst.

Optionsscheine sind verbriefte Optionen und eine weitere Unterkategorie von Zertifikaten, gehören also zur Familie der Derivate. Auch sie zählen zu hochspekulativen Geldanlagen und eignen sich nur für Fortgeschrittene und Börsen-Profis. Wie Zertifikate basieren Optionsscheine auf einem bestimmten Basiswert. Mit dem Optionsschein sicherst du dir das Recht, eine vereinbarte Menge des Basiswerts innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Je nach Art des Optionsscheins kannst du auf steigende oder fallende Kurse wetten. Das Wertpapier kann nur an der Börse gehandelt werden.

Der Future ist ebenso wie das Zertifikat und der Optionsschein ein derivatives Finanzinstrument. Es handelt sich dabei, wie der Name vermuten lässt, um ein Termingeschäft in der Zukunft. Du einigst dich beim Kauf mit deinem Handelspartner darauf, ein bestimmtes Produkt in einer vereinbarten Menge später zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der große Unterschied zu Zertifikat und Optionsschein liegt darin, dass du dich mit dem Future zur Abnahme bzw. Lieferung des Basiswertes verpflichtest – ganz gleich, ob du es kaufst oder verkaufst. Im Gegensatz zu anderen Derivaten hat keiner der Vertragspartner ein Wahlrecht – deshalb spricht man auch von einem unbedingten Termingeschäft.

CFDs, kurz für Contracts for Difference (Differenzkontrakte), sind Derivate. Sie sind hochspekulativ. Anleger:innen sind nicht direkt an einem Unternehmen beteiligt wie bei Aktien, sondern an der Kursentwicklung. Meist werden CFDs „Over the counter“, also außerbörslich gehandelt. Das Verlustrisiko für Kleinanleger:innen ist aufgrund des eingesetzten Hebels (Margins) sehr hoch.

Beim Devisenkauf handelt man mit Währungen. Du findest ihn auch unter dem Begriff Forexhandel. Man handelt dabei ein Währungspaar. Die beiden Währungen, beispielsweise Euro und Dollar, werden in Relation gesetzt. Dann spekuliert man darauf, dass eine Währung steigen oder fallen wird. Je nachdem, wie sich die Währungskurse entwickeln, machst du Gewinn oder Verlust. Der Devisenhandel findet außerbörslich statt. Auch hier handelt es sich um ein hochspekulatives Produkt, das sich nur für Risikobewusste eignet.

Streuung ist wichtig

Natürlich musst du dich nicht auf eine einzige Wertpapierart festlegen. Eine ausgewogene Anlagestrategie besteht aus einem Mix vieler verschiedener Wertpapiere. Wie stark du was gewichtest, hängt von deinem Sicherheitswunsch ab. Grundsätzlich solltest du nie zu viel Geld in ein Wertpapier setzen, sondern das Risiko streuen. Zusätzlich kannst du Teile des Geldes auch in andere Anlagen, wie Festgeld oder Tagesgeld, stecken.  

Universelle Eigenschaften von Wertpapieren

Die verschiedenen Arten von Wertpapieren haben bestimmte Eigenschaften gemein. Sie bestimmen den Charakter eines Wertpapiers:

  • Handelbarkeit: Man versteht darunter die Übertragung von Eigentumsrechten. Laut Gesetz müssen alle Wertpapiere handelsfähig sein. Voraussetzung dafür ist die Verkehrsfähigkeit.
  • Verkehrsfähigkeit: Sie beschreibt die Übertragbarkeit eines Wertpapiers. Wie einfach kann der Eigentümer oder die Eigentümerin wechseln? Je unkomplizierter, desto verkehrsfähiger wird ein Wertpapier eingestuft.
  • Verbriefung von Rechten: Alle Wertpapiere verbriefen ein bestimmtes Recht. Aktionär:innen haben beispielsweise ein Stimm- und Vermögensrecht.
  • Leistungsanspruch: Die Eigentümer:innen eines Wertpapiers können gegen Vorlage der eigenen Urkunde die verbriefte Leistung beanspruchen und beispielsweise bei der Aktionärsversammlung von seinem oder ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.
  • Verlust: Was geschieht bei Verlust eines bestimmten Wertpapieres? Je nach Art des Wertpapiers müssen bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um das verbriefte Recht geltend machen zu können.

Richtiges Depot finden

Ist dir jetzt klar, welche Wertpapiere sich für dich eignen, geht es an die Depotsuche. Klopfe geeignete Kandidaten darauf ab, ob du die gewünschte Wertpapierart dort handeln kannst und wie groß die Auswahl ist. Interessierst du dich besonders für eine spezielle Art von Wertpapieren, sollte der Handel mit diesen besonders günstig sein. Für jeden Kauf zahlst du nämlich Ordergebühren, die nur in seltenen Ausnahmen wegfallen. Auch langfristig gibt es Sparpotential: Je günstiger das Depot, desto niedriger sind die laufenden Kosten.

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