Mitarbeiteraktien: Als Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg teilhaben

Viele, vor allem größere Unternehmen bieten ihrer Belegschaft Unternehmensanteile an. Das heißt, du als Mitarbeiter:in kannst die Aktien des eigenen Unternehmens kaufen und erhältst so – neben deinem Arbeitslohn – die Möglichkeit, zusätzlich vom Unternehmenserfolg zu profitieren. Du hast dann die gleichen Rechte wie andere Aktionäre. Dabei erhält die Belegschaft die Aktien teilweise sogar vergünstigt oder kostenlos. Solche Mitarbeiteraktien bieten viele Vorteile, dennoch solltest du als Angestellte:r einige Grundregeln beachten, damit das günstige Investment nicht zu einem Misserfolg wird. Vor allem im Hinblick auf Steuern solltest du bei Belegschaftsaktien ein paar Dinge beachten.

Was macht Mitarbeiteraktien aus?

Mitarbeiteraktien sind Unternehmensanteile, die als Wertpapier an die Beschäftigten des betreffenden Unternehmens ausgegeben werden. Hierin unterscheiden sie sich von üblichen Aktien. Das Unternehmen betreibt ein spezielles Mitarbeiteraktienprogramm, um der Belegschaft die Möglichkeit zu geben, stärker am Firmenerfolg teilzuhaben. So gibt zum Beispiel auch der Autobauer Daimler Belegschaftsaktien zu vergünstigten Konditionen aus. Die ersten Inhaber einer solchen Mitarbeiteraktie sind also immer ein Mitglied der Unternehmensbelegschaft, in diesem Fall von Daimler. Mitarbeiteraktien werden aber mit dem Verkauf, etwa an einer Börse, zu regulären Aktien. Davor gehen allerdings meist einige Jahre ins Land, denn erst wenn die Aktie für eine gewisse Zeit im Besitz der Beschäftigten war, dürfen diese sie weiterverkaufen.

Pro
  • Du bekommst die Aktien oft vergünstigt
  • Du bist am Erfolg deines Unternehmens beteiligt
  • Deine Loyalität zur Firma kann wachsen
  • Mit einem eigenen Depot kannst du auch andere Wertpapiere kaufen
  • Die Gewinne sind bis zu einem gewissen Wert steuerfrei
Kontra
  • Es gibt eine Mindest-Haltedauer
  • Der Erfolg des Aktienkurses ist nicht garantiert
  • Dein Job und deine Geldanlage hängt von einem einzelnen Unternehmen ab

Aktienprogramme: Drei Aktien bezahlen, vier erhalten

Es gibt keine allgemein verbindliche Form, in der Aktien für die Angestellten zur Verfügung gestellt werden. Jedes Unternehmen kann sein eigenes Aktienprogramm auflegen und Anreize schaffen, damit das eigene Team in das Unternehmen investiert. Manche Unternehmen verkaufen ihre Aktien ganz einfach zum regulären Marktpreis an die Belegschaft, andere Unternehmen bieten Vergünstigungen oder verschenken Aktien sogar. So vielfältig die jeweiligen Programme auch sind, es lassen sich einige Gemeinsamkeiten formulieren, die bei den meisten Unternehmen auftauchen:

  • Kostenlose Aktie obendrauf: Viele Unternehmen verkaufen nicht einfach nur ihre Aktien an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zum aktuellen Marktpreis. Vielmehr nutzen sie bestimmte Bonusprogramme, um bei der Belegschaft zusätzliche Anreize für den Kauf zu schaffen. Weit verbreitet sind zum Beispiel Bonusaktien. Diese erhalten diejenigen, die eine bestimmte Anzahl an Aktien gekauft haben. Gängig ist hier etwa, dass die Angestellten beim Kauf von drei Aktien eine vierte kostenlos bekommen.
  • Rabatte: Belegschaftsaktien können aber auch bezuschusst oder mit Rabatten versehen werden. In solchen Fällen erhalten die Mitarbeiter:innen Aktien mit einem Rabatt, müssen also nicht den vollen Preis zahlen. Oder sie bekommen vom Arbeitgeber einen finanziellen Zuschuss. Auch dann zahlen sie weniger für die Wertpapiere. Allein hieraus ergibt sich bereits ein Vorteil gegenüber dem regulären Kauf der Aktien an einem Börsenplatz.

Gratisaktien komplett risikofrei

Manche Unternehmen geben Gratisaktien für Mitarbeiter aus. Solche Gratisaktien sind dann noch nicht einmal an die Bedingung geknüpft, dass man zuvor weitere Aktien des Unternehmens gekauft hat. In diesem Fall hat das Team also kein Risiko mit der Aktie, denn  sie mussten ja kein Geld investieren, um die Aktien zu erhalten. Selbst ein Kursverlust wäre dann verschmerzbar.

Bonus bedeutet meist auch Sperrfrist

Eine solche Mitarbeiterbeteiligung über Aktien ist jedoch in den meisten Fällen an zusätzliche Bedingungen gebunden, die in der Regel die Haltedauer betreffen. Wenn du Aktien deines Arbeitgebers über das Mitarbeiterprogramm kaufst, musst du diese für eine bestimmte Zeit lang behalten und darfst sie nicht sofort wieder verkaufen. Das nennt sich Sperrfrist. Diese Regelung gilt vor allem dann, wenn Angestellte über Zuschüsse oder Rabatte vergünstigt an die Aktien gekommen sind. Auch Bonus- bzw. Gratisaktien sind in den meisten Fällen von Sperrfristen betroffen. Bei allen Beteiligungen sind Fristen von ein bis vier Jahren üblich.

Versteuerung und Freigrenze

Bei der Besteuerung von Mitarbeiteraktien musst du auf zwei verschiedene Zusammenhänge achten. Zum einen betrifft das den Erhalt der Aktien selbst. Denn Mitarbeiteraktien gelten – sofern sie vergünstigt angeboten werden – als geldwerter Vorteil und müssen damit nach dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Zum anderen darfst du auch nicht die Abgeltungssteuer vergessen.

Geldwerter Vorteil: Freigrenze von 360 Euro im Jahr

Hast du deine Aktien vergünstigt gekauft, ist das ein geldwerter Vorteil. Hier gibt es eine gesetzliche Freigrenze von derzeit 360 Euro im Jahr. Wer also vergünstigte Aktien erhält, muss diese nicht versteuern, solange der Gesamtwert der Ersparnis die 360 Euro nicht übersteigt. Das gilt auch für Gratisaktien. Die Mitarbeiter:innen dürfen also pro Person kostenlose Aktien im Wert von 360 Euro erhalten, ohne dass sie diese versteuern müssen. Manche Unternehmen orientieren sich bei der Ausgabe von Gratisaktien an der gängigen Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen. Das heißt, sie geben jährlich nur so viele Gratisaktien pro Person aus, dass der Vermögenswert unterhalb der Freigrenze bleibt. In diesem Fall ist die gesamte Mitarbeiterbeteiligung steuerfrei. Erst wenn diese Freigrenze überschritten wird, müssen Zuschüsse, Rabatte und Gratisaktien versteuert werden.

Geldwerter Vorteil im Rechenbeispiel

Bei Gratisaktien ist die Rechnung einfach. Aber was ist, wenn der Arbeitgeber Aktienkäufe lediglich bezuschusst? Ein kleines Rechenbeispiel verdeutlicht den Zusammenhang. Angenommen, ein Arbeitgeber bezuschusst den Kauf von Mitarbeiteraktien mit 25 Prozent. Dann könnten die Angestellten pro Person Aktien des eigenen Unternehmens für insgesamt 1.440 Euro kaufen. Denn der Zuschuss, den der Arbeitgeber dabei gewährt und der als geldwerter Vorteil gilt, beläuft sich in dem Fall auf genau 360 Euro (25 % von 1.440 Euro). Der oder die Angestellte hat dann zwar für 1.440 Euro Aktien gekauft, ihr finanzieller Vorteil beläuft sich jedoch lediglich auf die 360 Euro des Zuschusses.

Achtung: Gewinne unterliegen zusätzlich der Abgeltungssteuer

Neben der Versteuerung geldwerter Vorteile unterliegen Mitarbeiteraktien aber auch der Abgeltungssteuer. Diese wird für Gewinne aus Kapitalvermögen und anderen Anlagen erhoben. Die Steuer fällt bei allen Wertpapierklassen an, auch bei Belegschaftsaktien. Doch der bloße Besitz ist noch nicht steuerlich relevant. Die Abgeltungssteuer fällt nur dann an, wenn du mit den Aktien auch Gewinne erzielst. Das ist zum Beispiel bei der Auszahlung einer Dividende der Fall oder wenn du deine Aktien irgendwann verkaufst und damit einen Veräußerungsgewinn erzielst. Die Abgeltungssteuer beträgt in Deutschland 25 Prozent (hinzu kommt der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer). Das bedeutet, 25 Prozent des erzielten Gewinns werden als Abgeltungssteuer an das zuständige Finanzamt abgeführt.

Freistellungsauftrag einrichten

Willst du den Sparerfreibetrag nutzen, solltest du einen Freistellungsauftrag für dein Depot einrichten. Auf diese Weise führt der Broker oder die Bank die Steuern nicht automatisch an das Finanzamt ab. Der nicht zu versteuernde Gewinn wird dann in voller Höhe dem Verrechnungskonto des Depots gutgeschrieben.

Ratgeber: Gewinne aus Aktien versteuern

Alles, was du sonst noch zum Thema Aktien und Steuern wissen musst, erfährst du im Ratgeber.

Ein eigenes Depot hat viele Vorteile

In vielen Fällen arbeiten die Unternehmen mit Banken und Brokern zusammen, bei denen die Angestellten dann ein Wertpapierdepot eröffnen können, um ihre gekauften Aktien zu verwahren. Oft können die Mitarbeiteraktien sogar kostenfrei über die Firma verwahrt werden. Das Depot wird dann aber in der Regel auch nur für die Aktienbeteiligung der Angestellten genutzt. Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, dass du bei einer Bank oder einem Broker deiner Wahl ein normales Wertpapierdepot eröffnest. Das ist in der Regel spätestens dann nötig, wenn du die Aktien verkaufen möchtest.

Ein weiterer Vorteil eines unabhängigen Depots ist, dass du ein breites Portfolio an vielen anderen Wertpapieren und Anlageformen hast. Denn auf diese Weise kannst du das Depot nicht nur zur Verwahrung der Mitarbeiteraktien verwenden, sondern auch zum Kauf weiterer Investments und Sparanlagen, wie zum Beispiel ETF-Sparplänen. Und das ist aus Gründen der Kapitalabsicherung dringend angeraten. Wenn du an der Börse investierst, solltest du deine Anlagen deshalb breit streuen und nicht nur auf Einzelaktien setzen. Fonds oder ETFs, die weltweit in Unternehmen investieren, eignen sich besonders gut, um dein Depot abzusichern.

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Tipp: Portfolio um Sparpläne erweitern

Du hast noch Bedenken, in Aktien zu investieren? Ein Sparplan ist ein guter Weg, um langfristig Vermögen aufzubauen. Börsengehandelte Sparpläne erzielen aktuell die höchsten Renditen. Dazu zählen auch ETF-Sparpläne. Dieser zeichnet sich außerdem durch hohe Sicherheit zusätzlich aus.

Setze nicht nur auf Belegschaftsaktien

Arbeitest du bei einem Unternehmen mit eigenem Aktienprogramm, solltest du immer hinterfragen, ob du dich auch in Zukunft mit der Firma identifizieren kannst und ihr treu bleiben wirst. Als Insider kannst du selbst am besten einschätzen, wie du die Zukunft des Unternehmens siehst. Dann kann der Kauf von Mitarbeiteraktien zum Vorzugspreis ein günstiger Einstieg in einen Markt mit hohen Renditechancen sein.

Vorsicht ist dennoch geboten. Als Belegschaftsaktionär:in solltest du deine Geldanlage nicht nur einseitig auf die Aktien eines einzelnen Unternehmens ausrichten. Dabei entsteht ein zu hohes Risiko, denn der Wert der Geldanlage steht und fällt mit dem Börsenkurs der Aktie. Die Aktieninvestition sollte unbedingt durch weitere, breit streuende Anlagen abgesichert werden. Nur Belegschaftsaktien allein sind keine sichere Anlage, da du nur auf ein einziges Pferd setzt. Im Fall einer Firmenpleite oder eines rasanten Kursabstiegs verlierst du neben deinem Job möglicherweise all dein Geld. Ein günstiges Depot bei einem Online Broker ist der ideale Ausgangspunkt, um das eigene Portfolio zu erweitern.

FAQ: Mitarbeiteraktien

Belegschaftsaktien unterscheiden sich letztlich nur geringfügig von normalen Aktien. Dennoch gibt es ein paar Dinge zu beachten, die dir unser Text hoffentlich erläutern konnte. Hier noch ein paar weitere wichtige Fragen.

Lohnen sich Mitarbeiteraktien?

Das hängt von den Aktien selbst ab. Jede Aktie, auch die deiner eigenen Firma, unterliegt Kursschwankungen. Hast du einen guten Einblick in die Firma, kannst du womöglich besser abschätzen, wohin die Reise geht. Du solltest auf jeden Fall nicht nur auf Mitarbeiteraktien allein setzen, um dein Geld anzulegen.

Brauche ich ein Depot für Belegschaftsaktien?

Du brauchst nicht zwangsläufig ein eigenes Depot. Manche Unternehmen bieten an, dass du ein Depot über die Firma eröffnest, aber ein eigenes Depot lohnt sich mehr. Damit kannst du dann auch andere Wertpapiere kaufen.

Muss ich Aktiengewinne aus Mitarbeiteraktien versteuern?

Ja, du musst sie wie andere Gewinne versteuern. Neben der Abgeltungssteuer musst du auch beachten, dass du eventuell einen geldwerten Vorteil hast, wenn du die Aktien vergünstigt gekauft hast. Alles zum Thema findest du oben im Text.

Saskia arbeitet seit 2017 im Finanzbereich und hat dort auch ihr Volontariat absolviert. Ihre Schwerpunkte liegen vor allem bei den Themen Wertpapierdepot sowie Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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