DAX: Das Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft

Der DAX ist der bekannteste und wichtigste deutsche Aktienindex. Er bildet die Aktienkurse der 40 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen ab. Damit ist er Barometer und Leitindex für den deutschen Kapitalmarkt. Unter anderem sind Konzerne wie Adidas, Daimler, E.ON oder Siemens im DAX gelistet.

Was ist der DAX?

DAX ist die Abkürzung für Deutscher Aktienindex. Anfangs war er nur einer von vielen Aktienindizes. Mittlerweile hat er sich aber als der wichtigste Index auf dem deutschen Kapitalmarkt etabliert und ist sowohl von nationaler als auch internationaler Bedeutung. Er repräsentiert mit den 40 Unternehmen, die in ihm vertreten sind, rund 94 Prozent der Marktkapitalisierung aller deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften – man spricht deshalb auch vom DAX 40. Der DAX-Wert wird mithilfe des elektronischen Handelssystems Xetra ermittelt.

Performance- und Kursindex: Darin liegt der Unterschied

Der DAX wird sowohl als Performance- als auch als Kurs-Index veröffentlicht. In der Regel ist der Performanceindex gemeint, wenn man vom DAX spricht.

Performanceindex: Die ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen, die im DAX notiert sind, werden rechnerisch wieder investiert.

Kursindex: Die Dividenden werden nicht berücksichtigt.

Weitere DAX-Indizes: Die DAX-Familie

Der DAX repräsentiert die 40 wertvollsten deutschen Unternehmen und steht damit für den Wert des deutschen Kapitalmarktes an sich. Es gibt aber nicht nur den DAX, sondern verschiedene andere Aktienindizes, die Teilbereiche des deutschen Markts abbilden. Hier eine Übersicht.

MDAX (seit 1996): Bildet die 50 größten mittelständischen Unternehmen ab. Das sind die Unternehmen, die hinsichtlich Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz auf die 40 Unternehmen folgen, die im DAX gelistet sind. Bekannte Unternehmen: Airbus, Commerzbank oder Zalando.

SDAX (seit 1999): Bildet die 70 kleineren Unternehmen (man nennt sie Small Caps) ab, die dem MDAX hinsichtlich Handelsvolumen und Marktkapitalisierung folgen. Bekannte Unternehmen: Borussia Dortmund, RTL Group oder Wüstenrot und Württembergische.

Was der DAX mit der Bundesliga zu tun hat

DAX, MDAX und SDAX kann man sich ein wenig so vorstellen wie die Bundesliga. Man kann auf-, aber auch absteigen. Wächst das Unternehmen, kann es beispielsweise vom MDAX in den DAX aufsteigen, drängt dafür aber ein anderes Unternehmen aus dem DAX. Das steigt dann in den MDAX ab.

TecDAX (seit 2003): Bildet die 30 größten Technologieunternehmen ab. Das sind Unternehmen, die hauptsächlich Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten. Bekannte Unternehmen: Infineon, SAP oder Telefonica Deutschland.

ÖkoDAX (seit 2007): Bildet bis zu zehn Unternehmen ab, die ausschließlich der Branche der erneuerbaren Energien zuzuordnen sind. Sie sind jeweils zu 10 Prozent, also gleichwertig, im Index vertreten. Bekannte Unternehmen: Nordex SE, Phönix Solar oder Solarworld.

Unternehmen, die im TecDAX oder im ÖkoDAX vertreten sind, können gleichzeitig im DAX, MDAX oder SDAX gelistet sein. Das ist beispielsweise bei Infineon oder SAP der Fall.

Video: Der Dax kurz erklärt

Anmerkung zum Video: Das Video ist vor der Dax-Reform entstanden. Zum Verständnis des deutschen Leitindexes ist trotzdem nach wie vor sehr hilfreich.

H2 Unternehmen im Dax: Auswahlkriterien und Gewichtung

Ein DAX-Unternehmen muss verschiedene Kriterien erfüllen. Damit es in den wichtigsten Aktienindex Deutschlands aufgenommen werden kann, muss es

  • im Prime Standard (privatrechtlich organisiertes, gesetzlich reguliertes Börsensegment der Frankfurter Wertpapierbörse) gelistet sein,
  • fortlaufend in Xetra gehandelt werden,
  • mindestens einen Streubesitz von 10 Prozent aufweisen,
  • einen Sitz in Deutschland oder
  • den Schwerpunkt seines Handelsumsatzes an Aktien in Frankfurt und einen Sitz in der EU haben.

Verschärfung der Kriterien seit Dezember 2020

Seit Dezember 2020 müssen Unternehmen vor Aufnahme in den DAX zusätzlich eine positive Bilanz vorweisen können. Welche Neuerungen außerdem beschlossen wurden, liest du hier.

So sind die Unternehmen im DAX gewichtet

Im DAX werden alle Unternehmen unterschiedlich gewichtet. Das bedeutet, dass manche im DAX gelisteten Unternehmen mehr Einfluss auf die Kursentwicklung des Indexes haben als andere. Wie viel Gewicht sie haben, entscheidet ihre Streubesitz-Marktkapitalisierung. Damit wird der Gesamtwert der frei handelbaren Aktien des jeweiligen Unternehmens (Free Float) wiedergegeben.

Es geht also nicht darum, wie hoch der Börsenwert eines Unternehmens ist, und auch sein Gesamtkapital spielt für die Gewichtung keine Rolle. Aktien, die sich im Festbesitz etwa von Großinvestoren befinden, werden für die Gewichtung des Unternehmens ebenfalls nicht berücksichtigt.

Die Streubesitz-Marktkapitalisierung und damit die Gewichtung der DAX-Unternehmen ändert sich ständig. Das hängt erstens mit den schwankenden Aktienkursen zusammen: Sinkt der Aktienkurs eines Unternehmens, sinkt auch seine Streubesitz-Marktkapitalisierung und damit sein Einfluss auf den DAX-Kurs. Einmal im Quartal erfasst die Deutsche Börse außerdem den Streubesitz-Anteil der DAX-Unternehmen. Hat er sich geändert, wird die Gewichtung entsprechend angepasst.

Über 30 Jahre DAX-Geschichte: Entstehung, Höchststände und Entwicklung

Der DAX wurde am 1. Juli 1988 als Ergänzung zu bereits etablierten Börsenindizes eingeführt, konnte 2018 also sein 30-jähriges Bestehen feiern. Er setzt den Index der Börsen-Zeitung fort, der bereits im Jahr 1959 etabliert wurde. Als sein Erfinder gilt Frank Mella, ein Redakteur der Börsen-Zeitung. Ursprünglich wurde die Basis des Indexes auf 1000 Punkte festgelegt. Tatsächlich startete er mit 1163,52 Punkten an der Börse. Seitdem kann der wichtigste deutsche Aktienindex auf einige Höhen und Tiefen zurückblicken. Drei markante Einschnitte haben wir dir herausgepickt:

Dotcom-Blase 2000: Im März 2000 platzte die Spekulationsblase. Der zuvor entfachte Boom der New Economy bzw. des Neuen Marktes führte vielfach zu Überbewertungen vieler Startups, die damals aus dem Boden schossen. Als klar wurde, dass die meisten Unternehmen die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten, die in sie gesetzt wurden, zogen sich die Großinvestoren aus dem Markt zurück. Die Kurse brachen ein. Um ihre Verluste möglichst gering zu halten, verkauften daraufhin auch immer mehr Kleinanleger ihre Aktien – aus den Kurseinbrüchen wurden Kursstürze. Folge für den DAX: ein Einbruch von 72,7 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Höchststand 2018: Im Juni 2014 schloss der DAX erstmals fünfstellig, nämlich mit 10.008,63 Punkten. Schon zwei Handelstage zuvor sprang der Index kurzzeitig über die 10.000-Punkte-Marke. In der Folge kam es zu immer neuen Höchstständen. Am 23. Januar 2018 erreichte der DAX mit 13.559,60 Punkten sein bisheriges Allzeithoch.

Corona-Pandemie 2020: Die Corona-Pandemie und die damit verbundene Angst vor möglichen wirtschaftlichen Folgen sorgte am 12. März 2020 für den höchsten Tagesverlust des DAX. Er verlor 1277,55 Punkte. Insgesamt brach der Kurs im März im Vergleich zum Vormonat um über 40 Prozent ein – der historisch größte Rückgang des DAX innerhalb einer solch kurzen Zeitspanne.

Wie du in den DAX investieren kannst: DAX-ETFs

Ein DAX-ETF bildet den deutschen Leitindex im Idealfall 1:1 ab. Mit einem DAX-ETF investierst du also indirekt in alle Unternehmen, die im DAX gelistet sind und profitierst bestenfalls von deren Kursgewinnen oder Dividenden. So gut, so einfach. Allerdings gibt es nicht nur einen ETF auf den deutschen Leitindex, sondern eine Vielzahl. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Abbildungsart, der Ausschüttungsmethode und der Kosten. Außerdem können verschiedene Anbieter hinter den ETFs stehen. Zu den bekanntesten gehören, iShares, Lyxor oder Vanguard.

Tipp: Portfolio so breit wie möglich streuen

Einen DAX-ETF im Portfolio zu haben, ist ein guter Anfang. Für eine gute Rendite und ein möglichst geringes Risiko solltest du dich aber nicht allein auf die deutsche Wirtschaft verlassen, sondern weltweit investieren. Eine sinnvolle Ergänzung deines Portfolios könnte zum Beispiel ein ETF auf den MSCI World sein, in dem derzeit 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern gelistet sind.

Welcher DAX-ETF ist der beste?

Um herauszufinden, welcher DAX-ETF am besten zu dir passt, solltest du dir über deine Anlageziele klar werden. Möchtest du dir beispielsweise langfristig ein Vermögen aufbauen, dann solltest du eher einen thesaurierenden ETF wählen. Bei dieser Art werden alle Gewinne und Dividenden wieder in den ETF investiert. Auch ein ETF-Sparplan auf den DAX könnte in diesem Fall sinnvoll für dich sein. Willst du dagegen dein regelmäßiges Einkommen aufstocken, eignet sich ein ausschüttender ETF vermutlich besser für dich.

Jetzt Depot eröffnen und in ETFs investieren!

Wenn du in einen DAX-ETF investieren möchtest, brauchst du ein Depot bei einem Online-Broker oder einer Bank. Um das passende Depot für dich zu finden, lohnt sich ein Blick in unseren Vergleich. Dort findest du viele beliebte Anbieter und ihre Konditionen auf einen Blick.

DAX-Reform – Neuregelung seit Dezember 2020 bzw. September 2021

Der DAX wurde im September 2021 reformiert und umgebaut. Erstens hat die Deutsche Börse als Reaktion auf den Wirecard-Bilanzskandal im Juni 2020 die Kriterien für DAX-Unternehmen verschärft.

Seit September 2021 gehören dem DAX zweitens nicht mehr nur die 30, sondern die 40 wichtigsten deutschen Unternehmen an (DAX 40). Damit bildet der deutsche Leitindex künftig statt 80 rund 94 Prozent der Marktkapitalisierung ab und kann damit seinem Ruf als Barometer für den deutschen Kapitalmarkt noch gerechter werden. Wir haben hier ausführlich dazu berichtet.

Saskia ist promovierte Germanistin und arbeitet seit 2017 im Finanzbereich. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wertpapierdepot sowie bei Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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