DAX-Reform: Der DAX wird umgebaut

Der Deutsche Aktienindex bildet bisher die Aktienkurse der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen ab. Nun hat die Deutsche Börse weitreichende Änderungen beschlossen, die seit Anfang Dezember gelten bzw. im September 2021 in Kraft treten werden.

Wie die Deutsche Börse bekannt gab, werden dem DAX ab September 2021 nicht mehr nur die 30, sondern die 40 wichtigsten deutschen Unternehmen angehören. Damit bildet der DAX künftig 94 statt wie bisher rund 80 Prozent des Wertes aller börsennotierten Unternehmen in Deutschland ab.

Strengere Kriterien für DAX-Unternehmen

Schon seit Anfang Dezember wurden die Kriterien für DAX-Unternehmen verschärft. Bisher mussten sie im Prime Standard gelistet und in Xetra handelbar sein. Außerdem war ein Streubesitz von zehn Prozent und ein Firmensitz in der EU Voraussetzung. Das reicht seit diesem Monat nicht mehr aus. Jetzt müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme in den Index zusätzlich ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in den letzten zwei Finanzberichten vorlegen.

Für bereits im DAX notierte Unternehmen gilt, dass sie ab März 2021 testierte Geschäfts- und vierteljährliche Quartalsberichte vorzulegen haben. Tun sie das nicht fristgerecht oder entsprechen die Zahlen nicht den Vorgaben, werden sie aus dem DAX ausgeschlossen. Außerdem müssen die Unternehmen einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat bilden. Diese Regelung soll eine saubere Bilanz und ein ebenso sauberes Risikomanagement sicherstellen.

Konsequenz aus Wirecard-Skandal

Hintergrund für die Reform ist erstens die Forderung führender Börsenexpert:innen und Investor:innen nach einer umfassenderen Abdeckung wichtiger Branchen der deutschen Wirtschaft durch den DAX. Außerdem ist sie eine direkte Reaktion auf den Bilanzskandal des ehemaligen DAX-Mitglieds Wirecard. Der Zahlungsabwickler hatte im Juni dieses Jahres eingeräumt, dass Treuhandkonten mit Beträgen von rund 1,9 Milliarden Euro nicht existierten und damit die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres sowie des ersten Jahresquartals 2020 fehlerhaft seien. Eine konsequentere und regelmäßige Prüfung der Unternehmenszahlen soll weitere Skandale dieser Art künftig verhindern.

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Reformen werden überwiegend kritisch gesehen

Welche Auswirkungen die DAX-Reformen auch für dich als Anleger:in tatsächlich haben werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer abzusehen. Schon jetzt wurde allerdings Kritik laut. Die Reformen gingen zwar in die richtige Richtung, aber nicht weit genug, denn: Der Wirecard-Skandal wäre auch mit den neuen Regeln nicht zu verhindern gewesen, so Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg. Tatsächlich hatte Wirecard regelmäßig hohe Gewinne ausgewiesen, hätte die Regeln – zwar nur auf den gefälschten Papieren – also locker erfüllt.

Kontrovers sehen Expert:innen außerdem, dass Nachhaltigkeitskriterien (ESG) nicht berücksichtigt werden. Deka-Experte Ingo Speich hätte das begrüßt. Allerdings hätte dies den Ausschluss des MDAX-Mitglieds Airbus zur Folge gehabt: Eine Tochterfirma des Flugzeugbauers wartet Trägerraketen für französische Atomwaffen. Nun gilt er als erfolgversprechendster Kandidat für den DAX 40. Richtig so, urteilt das Deutsche Aktieninstitut: Der DAX sollte die gesamte Wirtschaft des Landes erfassen und dürfe nicht mit Regeln überfrachtet werden.

Außerdem ist abzusehen, dass der MDAX unter der Aufstockung leiden wird. Er wird von 60 auf 50 der größten mittelständischen Unternehmen verkleinert und verliert damit nicht nur seine besten Zugpferde, sondern gleichzeitig rund ein Drittel seiner Marktkapitalisierung – der Deutsche Investor Relations Verband und das Deutsche Aktieninstitut sprechen von einer „Verzwergung“. Entsprechend unattraktiver könnte der MDAX für potentielle Investoren werden.

Saskia arbeitet seit 2017 im Finanzbereich und hat dort auch ihr Volontariat absolviert. Ihre Schwerpunkte liegen vor allem bei den Themen Wertpapierdepot sowie Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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