Bauzinsen: Zerstören Wohnträume und ungenutztes Kapital

Das Neufinanzierungsvolumen bei privaten Immobilienkrediten ist im November auf den tiefsten Stand seit 2011 gefallen. Die heftige Abnahme zeigt, wie sich die erhöhten Bauzinsen, die gestiegenen Materialpreise und die allgemeine Unsicherheit auf den Immobilienmarkt auswirken. Die Folge sind zerstörte Wohnträume und ungenutztes Kapital.

Das Wichtigste in Kürze
  • Höhere Bauzinsen und gestiegene Materialpreise: Zahl der Anträge auf Baufinanzierung um 40 Prozent gesunken.
  • Kapital, das in Immobilien investiert werden sollte, liegt häufig ungenutzt und unverzinst auf dem Girokonto – trotz Wertverlust durch die Inflation.
  • Strategisches Vorgehen gefragt: Bausparen oder Anlage in Wertpapiere bei langfristiger Laufzeit, Tagesgeld bei kurzfristiger Laufzeit.

Bauzinsen in einem Jahr drastisch gestiegen

Ein Jahr ist es her, da lag der Bauzins für Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung noch unter einem Prozent. Und alle, die damals bauen oder kaufen wollten, waren gut beraten, sich die günstigen Konditionen für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern. Heute kostet ein vergleichbarer Kredit schon häufig einen Jahreszins von 3,9 Prozent – mitunter auch mehr.

Anträge auf Baufinanzierung massiv eingebrochen

Die Folge: Die Kosten für ein Bauvorhaben, das durch Darlehen finanziert wird, sind enorm gestiegen, die Anzahl der Anträge auf Baufinanzierung sind massiv eingebrochen. Im November lag deren Zahl nach Angaben der Beratungsgesellschaft Barkow Consulting fast 40 Prozent unter dem Wert für den gleichen Monat des Vorjahres.

Baukonzerne zögern und agieren vorsichtiger. Aber vor allem viele Privatpersonen haben ihren Traum vom Eigenheim auf Eis gelegt. Gestiegene Baukosten und Lieferprobleme machen den Hausbau aktuell zu einem kaum kalkulierbaren Abenteuer. Und eine Rückkehr zu den extrem günstigen Bedingungen von einst ist vorerst nicht in Sicht.

Ungenutztes Eigenkapital

Für viele bedeutet das aber auch: Das ersparte Eigenkapital liegt nun ungenutzt und unverzinst auf dem Girokonto. Und die Inflation frisst von Monat zu Monat den Wert des Ersparten. Auch wenn ein Inflationsausgleich ohne großes Risiko kaum möglich ist, kannst du dem Wertverlust entgegenwirken. Dazu ist allerdings strategisches Vorgehen gefragt.

1. Bausparen bei langfristigem Aufschub der Immobilie

Ist der Traum vom Eigenheim nur aufgeschoben und soll dieser in einigen Jahren sicher nachgeholt werden? Wenn du dein Kauf- bzw. Bauvorhaben in einigen Jahren sicherlich realisieren möchtest und dazu ein Darlehen benötigst, kannst du dir mit einem Bausparvertrag aktuell noch vergleichsweise günstige Darlehnszinsen über viele Jahre hinweg sichern – und dein Eigenkapital in dieser Zeit weiter ansparen. Guthabenzinsen gibt es in der Ansparphase allerdings kaum.

2. Wertpapier-Anlage zur Ertragssteigerung

Wenn du dein Kapital hingegen möglichst ertragreich anlegen willst, bist du mit einem Depotkonto und breit gestreuten Aktienfonds und ETFs gut aufgestellt. Auch diese Anlage sollte allerdings – insbesondere bei zwischenzeitlichen Einbrüchen der Wertpapiere – langfristig ausgerichtet sein.

3. Tagesgeld zum kurzfristigen Parken

Wenn du dein Geld hingegen nur kurzfristig parken möchtest, bist du aktuell mit einem Tagesgeldangebot am besten beraten. Dein Geld ist jederzeit verfügbar – sollten bessere Angebote kommen oder sich der Traum vom Eigenheim doch noch kurzfristig realisieren lassen. Höhere Zinsen gibt es beim Festgeld. Doch dann ist das Kapital für eine festgelegte Zeit gebunden und dein Handlungsspielraum eingeschränkt.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.

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