Lobbyskandal und Pleite-Kommunen: Greensill-Crash weitet sich aus

Die Insolvenz des Finanzdienstleisters Greensill Capital weitet sich immer weiter aus: in Großbritannien zu einem veritablen Lobbyskandal mit Verwicklungen bis weit in ehemalige britische Regierungskreise hinein. In Deutschland sind neben tausenden Privatanlegern auch zahlreiche Städte und Gemeinden betroffen.

Führende britische Beamte und Politiker haben für den Finanzdienstleister Greensill Capital Lobbyarbeit geleistet. Im Mittelpunkt steht bisher der frühere Premierminister David Cameron. Cameron hatte im Frühling 2020 als Lobbyist für Greensill bei Finanzminister Rishi Sunak um Unterstützung geworben. Der Regierungschef der Jahre 2010-2016 hat mittlerweile Fehler eingeräumt, will aber keine Regeln gebrochen haben.

Die Greensill-Gruppe wurde 2011 vom australischen Ex-Banker Lex Greensill gegründet und spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Lieferketten. Mitte März musste der Finanzdienstleister Insolvenz anmelden. Davon sind auch mehrere Dutzend Kommunen in Deutschland betroffen, die beim deutschen Ableger des Unternehmens, der Bremer Greensill-Bank, Geld angelegt hatten.

Privatanleger überwiegend entschädigt

In Deutschland wurden inzwischen mehr als 21.000 der etwa 22.000 gegenüber dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken berechtigten Greensill-Kunden entschädig. Für Gebietskörperschaften greift der Einlagensicherungsfonds seit Oktober 2017 jedoch nicht mehr. Daher stehen dutzende Kommunen jetzt vor einem großen Problem: Die Gemeinde Oberschleißheim etwa hat beim Greensill-Crash fünf Millionen Euro verloren, nahezu ihre gesamten Ersparnisse, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Seit 2019 hatte das Rathaus demnach über zwei Drittel seiner Rücklagen in einer Geldanlage konzentriert, um dort 0,45 Prozent Zinsen abzugreifen. Die Gemeinde hat nun zunächst die Neubaupläne für ein Hallenbad begraben müssen. Ende 2021 wird Oberschleißheim wohl komplett ohne Anlagevermögen dastehen.

Bundesweit sollen etwa 50 deutsche Kommunen Gelder bei dem Institut im Feuer haben und fürchten nun um ihre Einlagen bei der Greensill Bank. Mit dem Insolvenzantrag schrumpft die Hoffnung, die Millionensummen wiederzusehen.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.

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