Gläserne Kundschaft: ING analysiert Kontodaten

Wenn du ein Konto bei der ING hast, könnte es sein, dass deine Bank dich bald bittet, etwas genauer auf deine Konten schauen zu dürfen. Die größte deutsche Direktbank bittet sukzessive alle Kundinnen und Kunden um die Einwilligungen, Umsätze und weitere Kontodaten analysieren zu dürfen.

Wieviel Geld gibst du für Urlaub aus? Was kostet deine Haftpflichtversicherung? Du hast ein neues Fahrrad gekauft. Willst du nicht eine Fahrradversicherung abschließen? Deine Kontodaten verraten vieles. Die ING möchte diese Kontodaten nun mit dem Ziel analysieren, hieraus passgenaue Angebote für dich abzuleiten.

Konto-Analyse für gezielte Werbung

Seit Kurzem fordert die größte deutsche Onlinebank ausgewählte Kundinnen und Kunden nach dem Konto-Login auf, die notwendige Einwilligung zur Analyse ihrer Umsätze zu geben, wie finanz-szene.de berichtet. Im Gegenzug für dieses „Opt-in“ will die ING den Kundinnen und Kunden weniger, dafür aber relevantere Werbung anbieten. „Kaufen Sie zum Beispiel ein Fahrrad, können wir Ihnen eine günstige Fahrradversicherung empfehlen – wenn wir Ihre Daten analysieren dürfen“, heißt es auf der entsprechenden Zielseite des Online- und Mobile-Bankings.

ING versichert: Sensible Bereiche würden nicht ausgewertet

Auf Nachfrage von testsieger-konto.de bestätigte die ING: „Wir bitten sukzessive alle unsere Kunden und Kundinnen um die entsprechenden Einwilligungen. Dies ist freiwillig und es entsteht auch keinerlei Benachteiligung, wenn keine Zustimmung erteilt wird.“ Des Weiteren werde bei der Datenanalyse darauf geachtet, dass sensible Bereiche, etwa politische Meinungen, gesundheitsbezogene Informationen, religiöse oder sexuelle Daten, nicht ausgewertet würden. Außerdem heißt es in der Antwort, dass keine Daten an Dritte weitergegeben würden.

Tipp der Redaktion: Datenfreigabe genau abwägen

Je genauer du dein Ausgabenverhalten verstehst, desto souveräner kannst du Konsumentscheidungen treffen. Banken und Apps, die deine Zahlungsströme analysieren, können dabei helfen. Wenn du allerdings in die Auswertung aller Transaktionen einwilligst, legst du damit möglicherweise mehr Dinge offen, als dir lieb sind. So könnte sich dein Konsumverhalten etwa negativ auf deine Kreditwürdigkeit auswirken oder Zahlungen an Ärzte und Apotheker dir den Zugang zu Versicherungen erschweren. Du solltest also genau abwägen, was dir deine Daten wert sind. Vergleiche die Konten verschiedener Anbieter. Unser Girokonten-Vergleich hilft dir dabei:

Wunsch nach selbstbestimmter Datennutzung

Die ING kommt mit der Neuerung nach eigenen Angaben vor allem dem gestiegenen Wunsch der Kundinnen und Kunden nach, selbstbestimmt über die Nutzung ihrer Daten bestimmen zu können. „Gleichzeitig können wir dabei unsere eigenen Services sowie Angebote verbessern und Kunden passgenauere Angebote unterbreiten“, erklärte eine Sprecherin.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.
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