Super League bricht zusammen: Kommt der JP Morgan-Deal noch zustande?

Am Sonntag gegründet, am Mittwoch kurz vor dem Aus? Vergangene Nacht erklärten alle sechs Premier-League-Clubs ihren Rückzug aus dem umstrittenen Projekt von Real Madrids Präsident Florentino Pérez. Pérez kündigt nach massiver Kritik nun eine Umgestaltung an. Was diese Entwicklung für den Deal mit JP Morgan bedeutet, ist noch unklar.

In der Nacht zum Montag veröffentlichten 12 europäische Spitzenclubs, darunter Manchester United, der FC Liverpool, Real Madrid und Inter Mailand, gemeinsam ihre Pläne zur Gründung einer Super League. Die US-Investmentbank JP Morgen Chase sollte das Projekt mit 3,5 Milliarden Euro hauptfinanzieren.

JP Morgan als Hauptfinanzier

Dass gerade JP Morgan als Geldgeber dieser elitären Idee fungieren soll, dürfte niemanden überraschen, der sich ein wenig im europäischen Fußball auskennt. Seit Jahren bestehen enge Beziehungen zwischen der Bank und Pérez: Es ist hinlänglich bekannt, dass Real Madrids Präsident bestens mit dem spanischen Bau- und Immobilienboss Borja Prado vernetzt ist. Dessen Sohn wiederum arbeitete in der Vergangenheit als Banker bei JP Morgan.

Die Finanzierung der Super League wäre außerdem nicht das erste Projekt der US-Investmentbank. Als 2019 das Bernabéu-Stadion, das Heimstadion von Real Madrid, umgebaut und modernisiert wurde, trat JP Morgan als Hauptsponsor auf und gab zusammen mit der Bank of America 575 Millionen Euro.

Liga ohne Wettbewerb

Direkt nach Veröffentlichung der Pläne hagelte es von allen Seiten massive Kritik, denn: Die Super League ist als Liga ohne Wettbewerb konzipiert, deren Mitglieder dauerhaft zur Teilnahme an der elitären Liga berechtigt wären, und zwar völlig unabhängig davon, wie sie in der Vorsaison in der jeweiligen Liga ihres Landes abgeschnitten hätten. Die Super-League-Clubs würden damit dem traditionellen europäischen Fußball den Rücken kehren.

Kritik sogar auf politischer Ebene

Die Kritik erreichte schnell sogar die politische Ebene. Der englische Präsident Boris Johnson schrieb auf Twitter, die Pläne seien „schädlich“ für den europäischen Fußball und auch Frankreichs Präsident stellte sich offiziell gegen die Super League. Grund genug offenbar für viele Gründungsmitglieder, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Medienberichten zufolge soll es auch schon personelle Konsequenzen gegeben haben: ManU-Geschäftsführer Ed Woodward, neben Pérez und Juve-Präsident Agnelli einer der Strippenzieher hinter dem Milliardenprojekt, tritt Ende des Jahres von seinem Amt zurück. Ob es einen direkten Zusammenhang mit der Super League gibt, ist allerdings nicht hundertprozentig klar.

Auch nach der massiven Kritik und dem Ausstieg der Premier-League-Clubs hält Pérez an seinem Projekt fest. Seine Begründung: „Wir schlagen einen neuen europäischen Wettbewerb vor, weil das bestehende System nicht funktioniert. Unser Vorschlag zielt darauf ab, […] Ressourcen und Stabilität für die gesamte Fußballpyramide zu schaffen […].“ Gleichzeitig kündigte er allerdings an, die Super League „angesichts der aktuellen Umstände […] umzugestalten.“

Anleger:innen zeigen sich unbeeindruckt

Der JP-Morgan-Deal ist demnach noch nicht vom Tisch. Die Anleger:innen zeigen sich bisher jedenfalls recht unbeeindruckt vom Engagement der Bank in dem elitären Fußballprojekt. Ihr Aktienkurs ist in den letzten Tagen nur leicht zurückgegangen, heute steht er sogar leicht im Plus.

Saskia ist promovierte Germanistin und arbeitet seit 2017 im Finanzbereich. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wertpapierdepot sowie bei Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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