Trotz Realzins-Rekord verlieren deutsche Sparer Milliarden

Frau mit Sparschwein

Deutsche Sparer*innen haben im zweiten Quartal real 3,9 Milliarden Euro verloren, pro Kopf sind das 46 Euro. Und das, obwohl der Realzins im zweiten Quartal laut comdirect Realzins-Radar auf minus 0,63 Prozent gestiegen ist – den besten Wert seit fast vier Jahren. Im gesamten ersten Halbjahr beläuft sich der Wertverlust durch den negativen Realzins sogar auf 12,9 Milliarden Euro.

Grafik der comdirect

Die Zinssätze für Tages- und Festgelder, Girokonten und Spareinlagen lagen von April bis Juni 2020 bei durchschnittlich 0,13 Prozent. Die Inflationsrate betrug im Quartalsdurchschnitt 0,76 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit dem dritten Quartal 2016. Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 0,63 Prozent.

Was ist der Realzins?

Der Realzins ist der tatsächliche Zins nach Abzug der Inflation – also der Zins, den die Sparer unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes erzielen.

„Aktuell ist die Inflation ausgesprochen niedrig. Aber aufgrund der Coronakrise fluten die Notenbanken die Märkte mit frischem Geld. Die Gefahr besteht, dass die Geldentwertung zunimmt. Das ist ungünstig für Sparer, denn die Zinsen werden in absehbarer Zeit nicht steigen – auch, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln“, sagt Frauke Hegemann, Vorstandsvorsitzende von comdirect.

Niedrige Zinsen führen zu Verlusten auf dem Sparbuch

Steigt die Inflation in der Niedrigzinsphase, werden auch die Verluste auf dem Sparbuch weiter steigen. „Einen Teil deines Vermögens solltest du auch in Wertpapieren investieren – zumindest, wenn du langfristig investieren willst“, so Bernhard Weinrich, Geschäftsführer bei testsieger-konto.de. „Neben der richtigen Anlagestrategie solltest du deine Depotbank sorgfältig auswählen, um dein Portfolio optimal aufstellen zu können und Kosten zu sparen.“ Unser Depotkonto-Vergleich hilft dir, den Anbieter zu finden, der zu dir passt und wenig kostet.

Bei Aktien und ETFs kann es immer wieder zu Wertschwankungen kommen. Gerade die Coronakrise hat aber gezeigt, dass auf Kursverluste schnell auch wieder Kurserholungen folgen können. „Niemand hat damit gerechnet, dass die Aktienmärkte bereits nach so kurzer Zeit wieder im Plus sind“, sagt Hegemann. „Wie die zukünftige Entwicklung an den Börsen aussieht, kann keiner vorhersagen. Mit Konjunkturpaketen soll die Wirtschaft jedoch wieder angekurbelt werden. Und eins ist sicher: Auf dem Sparbuch werden die Verluste weiter wachsen.“

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.
Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
>