Zurück zum Sparkonto? Eine Einschätzung

Corona-Krise, Krieg in Europa, steigende Inflation, Negativzinsen – lange haben wir nicht mehr in so unsicheren Zeiten gelebt. Das wirkt sich auch auf die Börsenkurse aus: Viele Kurse brechen ein oder befinden sich auf Talfahrt. Gleichzeitig steigen die Zinsen fürs Festgeld. Solltest du also wieder zum klassischen Sparbuch zurückkehren?

Alle Infos in Kürze:
  • Die Unsicherheit an den Börsen ist groß. Gleichzeitig steigen bei ausgewählten Banken die Zinsen.
  • Durch eine Festgeldanlage kannst du Negativzinsen auf deinem Girokonto vermeiden.
  • Investiere am besten in Wertpapiere und parke gleichzeitig einen Teil deiner Ersparnisse auf einem Festgeldkonto.

Viele Anleger:innen trauen sich aktuell nicht mehr so recht an die Börse. Die genannten Unsicherheiten sowie die Aussicht auf steigende Festgeld-Zinsen bringen einige dazu, sich auf die klassischen Sparmöglichkeiten von früher zu besinnen.

Und dass die Zinsen steigen werden, darin sind sich die Expert:innen mittlerweile einig. Die Frage ist nur, wann. Einige ausgewählte Banken – vor allem osteuropäische und baltische Institute – erhöhten kürzlich bereits die Zinsen bei Tages- und Festgeld. Nun ziehen auch erste deutsche Banken wie die Renault Bank nach.

EZB: Steigen die Zinsen im Juli?

Das kommt nicht von ungefähr: Noch vor Kurzem hieß es von Seiten der EZB, eine Leitzinserhöhung sei vermutlich im Herbst 2022 zu erwarten. Angesichts der hohen Inflationsrate von 7,4 Prozent im März, sowie der Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve und des damit einhergehenden Kursverlusts des Euro gegenüber dem US-Dollar wird die Zinserhöhung wohl früher als erwartet kommen.

Laut FAZ ließ der EZB-Vizepräsident Luis de Guindos verlauten, dass die EZB den Kauf neuer Anleihen im Juli beenden und noch im selben Monat die Zinsen erhöhen könnte. Bundesbankpräsident Joachim Nagel äußerte sich ähnlich.

Um die Börse kommst du nach wie vor nicht herum

Solltest du dein Geld jetzt also wieder auf dem klassischen Sparbuch parken? Ganz so einfach ist es leider nicht. Entscheidest du dich jetzt für eine Festgeld-Anlage, solltest du eine Laufzeit von einem oder höchstens zwei Jahren wählen. Denn: Die Zinsen auf Festgeld und Tagesgeld sind nach wie vor historisch niedrig. Beim Festgeld liegen sie im Schnitt zwischen 0,01 und 0,3 Prozent, beim Tagesgeld noch darunter – deutlich unter der derzeitigen Inflationsrate.

Tipp: Negativzinsen auf dem Girokonto vermeiden

Viele Banken erheben derzeit Negativzinsen. Und das oft genug schon ab vergleichsweise geringen Einlagesummen. Diesen Gebühren kannst du leicht entgehen. Eröffne einfach ein Festgeld- oder Tagesgeldkonto und teile deine Ersparnisse auf.

Trotz so mancher Kurskapriolen kommst du derzeit also nicht um eine Investition an der Börse herum, wenn du wirklich mit Gewinn aus deinen Anlagen herausgehen willst. Nach wie vor sind vor allem breit gestreute ETFs auf lange Sicht gesehen die renditestärkste Anlagemöglichkeit. Hättest du beispielsweise in den letzten 30 Jahren in ETFs auf den MSCI World investiert, hättest du eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent erzielt – gemessen an der aktuellen Inflationsrate immerhin noch ein Gewinn von 0,6 Prozent.

Saskia ist promovierte Germanistin und arbeitet seit 2017 im Finanzbereich. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wertpapierdepot sowie bei Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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