CBDC: Digitales Zentralbankgeld – Wann kommt der E-Euro?

Das digitale Zentralbankgeld, kurz CBDC, könnte unser Zahlungsverhalten revolutionieren. Doch bis ein potentieller E-Euro eingeführt wird, könnten noch viele Jahre vergehen. Andere Länder wie China preschen jedoch schon mal vor und testen eine staatlich regulierte Konkurrenz zu Bitcoin, Ripple und Facebooks Währung Diem.

Keine Sorge, wenn du noch nie etwas von CBDC gehört hast. Noch wird hierzulande rein theoretisch darüber berichtet. In Zukunft dürfte der Begriff aber in aller Munde sein. Das digitale Zentralbankgeld könnte irgendwann Bargeld ersetzen und anderen digitalen Bezahlformen oder Kryptowährungen den Rang ablaufen. Doch dazu müssen die Zentralbanken wie die EZB den digitalen Euro erst einmal flächendeckend einführen. Und das könnte sich noch Jahre hinziehen.

Was ist CBDC?

CBDC steht für Central Bank Digital Currency, zu Deutsch digitales Zentralbankgeld und gilt als staatliche Alternative zu privaten Digitalwährungen. Zentralbanken geben normalerweise Bargeld in der offiziell gültigen Währung aus. Analog dazu würde ein digitaler Euro im Tausch gegen Bargeld ausgegeben werden und wäre somit genauso offizielles Zahlungsmittel. Ein digitaler Euro wäre also exakt so viel wert wie eine Ein-Euro-Münze und müsste von Händlern gleichwertig akzeptiert werden.

Bezahlt man mit dem E-Euro, würden hier im Gegensatz zu herkömmlichen bargeldlosen Transaktionen keine Drittanbieter zwischengeschaltet sein. Das ist sowohl bei Kartenzahlungen mit Visa- oder Mastercard bzw. ihren Girocard-Pendants der Fall, als auch bei App-Zahlungen per Google Pay oder Apple Pay.

Technisch könnte CBDC über eine Datenbank laufen oder ähnlich wie andere Kryptowährungen auf Blockchain-Basis funktionieren. Anders als beispielsweise bei Bitcoins müsste hier aber kein Mining stattfinden. Das Zentralbankgeld wäre dann ein staatlich organisierter und regulierter Konkurrent zu privaten Digitalwährungen wie Bitcoin, Ripple oder Ethereum.

Erste Tests in China laufen bereits

Der Konjunktiv ist hier leider nötig: Bisher gibt es noch keine CBDC. Einige Länder indes haben schon Tests laufen oder treffen erste Vorbereitungen. Wenig überraschend: China hat bereits Pilottests mit der E-Währung DCEP laufen. Dort können ausgewählte Kund:innen mit dem E-Yuan ohne Bankkonto in Geschäften bezahlen. Die Bezahlung läuft mittels NFC. Auch in Schweden, wo man bereits jetzt nur noch selten mit Bargeld bezahlt, laufen Vorbereitungen für die Einführung einer sogenannten E-Krona.

Vorteile eines E-Euros

Gerade in Deutschland, dem Land des Bargelds, dürfte die Skepsis gegenüber einer digitalen Währung besonders groß sein. Doch auch bei der Europäischen Zentralbank arbeitet man bereits an einem Konzept, das auch Deutschland betrifft. Bisher steht aber lediglich fest, dass es einen E-Euro geben wird. Wie er funktioniert, das wird eine Kommission in den kommenden Jahren erarbeiten.

Ein E-Euro hätte durchaus Vorteile: Da das Geld von offiziellen Stellen herausgegeben wird und identisch zum regulären Eurowert ist, schwankt die Währung nicht in dem Maße, wie es beispielsweise derzeit beim Kryptohandel mit Bitcoin passiert. Auch gilt die Digitalwährung als fälschungssicher, gefeit vor Steuerhinterziehung und sie ist gegen Diebstahl oder Verlust geschützt. Mit der EZB als Herausgeberin ist zudem eine etwaige Bankenpleite der Hausbank unerheblich. Auch der Faktor Zeit ist nicht zu unterschätzen, da Transaktionen auch im internationalen Rahmen durch die Digitalwährung wesentlich schneller durchgeführt werden könnten. Zuletzt gilt unter Befürworter:innen auch die Offenheit des Systems als Vorteil: Sollte der digitale Euro ähnlich wie in China auch ohne Bankkonto funktionieren, würde das vielen Menschen Zugang zum Zahlungsverkehr verschaffen, denen es bisher verwehrt wurde. Diese Leute wären dann nicht mehr von Banken abhängig.

Laut Umfragen ist EU-Bürger:innen vor allem die Sicherheit ihrer Daten ein großes Anliegen. Bei einer staatlich organisierten E-Währung könnten Bedenken, die man gegenüber Zahlungsdienstleistern wie Apple oder Google mit ihren jeweiligen Bezahl-Apps hegt, ausgeräumt werden. Da die Bezahlungen direkt über die Zentralbank laufen, würden Drittfirmen keine Informationen zur zahlenden Person erhalten, wie es derzeit bei App- aber auch bei Kartenzahlungen der Fall ist.

Kritik am digitalen Währungssystem

Doch kein Vorteil ohne Nachteil. Zahlen Kund:innen mit einer digitalen Währung statt Bargeld, kann man das natürlich leichter verfolgen. Zwar besteht technisch die Möglichkeit, Zahlungen vollkommen anonym laufen zu lassen. Allerdings bleibt die Gefahr, dass Staaten sich die Option offenhalten, Zahlungen im Falle von kriminellen Machenschaften offenlegen zu können. Hier müssten gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Auch sogenannte Bank Runs wären eine Gefahr. Kund:innen könnten hierbei ihre Einlagen von der Hausbank abziehen und zur EZB transferieren. Das wiederum würde den betreffenden Banken liquide Mittel entziehen. Um dem entgegenzuwirken, könnten die Guthaben auf den Konten aber begrenzt werden. Die Europäische Zentralbank hat dazu schon verlauten lassen, die angelegten Gelder auf maximal 3.000 Euro zu beschränken. Auch Negativzinsen auf Guthaben sind möglich. Die Message ist klar: Das Geld soll zum Ausgeben genutzt werden und nicht zum Horten.

Technischer Hintergrund zur CBDC

Die technische Umsetzung ist zu komplex, um sie hier im Detail zu behandeln. Das überlassen wir den Profis. Interessierst du dich dafür, ist die Stellungnahme des Bundesministeriums für Finanzen (PDF) für dich sicher interessant.

Wann kommt die Central Bank Digital Currency?

Bis der E-Euro Wirklichkeit wird, werden noch viele Jahre ins Land gehen. Auch wenn die technische Umsetzung einer digitalen Währung relativ schnell umsetzbar ist, würde die Organisation aller Rahmenbedingungen innerhalb der EU lange dauern. Doch es herrscht auch Druck: Immer mehr private Anbieter launchen eigene Digitalwährungen. Auch Facebooks Diem steht schon in den Startlöchern. Die EU muss zusehen, dass sie nicht abgedrängt wird. Denn sobald sich eine Währung durchgesetzt hat, könnte es für den E-Euro schwer werden. Die Frage ist daher nicht, ob die Währung kommt, sondern wann.

Podcast-Tipp: Zukunft der Digitalwährungen

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FAQ

Das Thema ist sehr komplex und noch sind viele Fragen offen. Wir haben dir hier noch ein paar wichtige Aspekte zum Thema gesammelt, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Wird durch den E-Euro das Bargeld abgeschafft?

Nein, es ist nicht geplant, das Bargeld abzuschaffen. Dennoch zeichnet sich die Tendenz ab, dass immer mehr Menschen bargeldlos zahlen möchten. Vor allem bei jungen Leuten werden bargeldlose Transaktionen immer wichtiger.

Wie bezahlt man mit der CBDC?

Das ist derzeit noch nicht sicher. Denkbar wäre es, dass Kund:innen direkt bei der EZB Konten haben. Das könnte in der Praxis aber sehr kompliziert sein. Möglich wäre es, die Zahlungen über eine eigens entwickelte App oder andere Zahlungsdienstleister laufen zu lassen. Inwieweit auch andere Banken eine Rolle spielen könnten, ist ebenfalls noch offen. Der Bezahlvorgang selbst wäre dann sehr ähnlich zu anderen bargeldlosen Zahlungen per App bzw. kontaktloser Zahlung oder könnte in Form einer Online-Überweisung ablaufen.

Wie unterscheidet sich die Währung von Bitcoin und Co.?

Im Gegensatz zu Währungen, die nicht vom Staat ausgegeben werden, unterliegt ein digitaler Euro den gleichen Regularien wie Bargeld. Es kann beispielsweise nicht durch Mining entstehen, sondern durch die normale Geldschöpfung. Der Wert ist dabei immer identisch zum aktuellen Eurowert, ist also sehr viel schwankungsärmer als zum Beispiel ein Bitcoin. Die Technik hinter einer digitalen Währung könnte aber der von Kryptowährungen nahekommen. Die genaue Umsetzung ist aber derzeit noch vollkommen offen.

Wie viel ist der E-Euro wert?

Die digitale Eurowährung wäre durch die Herausgabe der EZB immer genauso hoch wie der Euro in Bargeld. Er würde also normalen Schwankungen unterliegen, wie es bei Devisen üblich ist.

Kann ich das digitale Zentralbankgeld auf mein Girokonto überweisen?

Wie genau du in Zukunft den E-Euro besitzt, ist ebenfalls noch vollkommen offen. Es gibt viele denkbare Szenarien: Von einem separaten Konto oder Wallet direkt bei der Zentralbank, hin zu eigenen Konten, die über eine Drittbank laufen, komplett ohne Konto oder per spezieller App. In China finden Zahlungen mit dem E-Yuan beispielsweise komplett ohne Konto statt.

Video: Der E-Yuan in China

Julia bewegt sich seit 2011 im Umfeld Finanzen. Als Expertin für Verbraucherthemen wie Girokonto, Kreditkarte und Depot hat die studierte Germanistin und Amerikanistin immer einen Tipp auf Lager.

E-Währung: Gut oder schlecht?

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