Quellensteuer: ausländische und deutsche Anlagen optimal versteuern

Kapitalerträge aus dem Aktien- und Wertpapierhandel müssen versteuert werden – das gilt für Gewinne im Inland ebenso wie für Erträge, die im Ausland erzielt wurden. In der Regel wird diese Aktien-Steuer in Form einer Quellensteuer eingezogen. Doch was genau steckt hinter dem Begriff „Quellensteuer“? In welcher Form wird die Steuer in Deutschland eingezogen und was passiert, wenn Sie als Anleger bereits eine ausländische Quellensteuer bezahlt haben? Können Sie in diesem Fall die Steuer zurückfordern?

Was ist eine Quellensteuer?

Ganz allgemein wird die Steuer auf Kapitalerträge als Quellensteuer bezeichnet. Sie ist keine Steuerart im eigentlichen Sinn, sondern der Obergriff für eine bestimmte Erhebungsform für Steuern. Der Begriff „Quellensteuer“ bedeutet:

  • Die Steuer wird direkt an der Entstehungsquelle erhoben. Das ist üblicherweise die depotführende Bank: Bei Gutschrift der erzielten Erträge zieht die Bank den Betrag für die Abgeltungssteuer also automatisch ab und führt ihn an das Finanzamt ab.
  • Die Steuer wird direkt in dem Land einbehalten, in dem die Gewinne erzielt wurden. Dieses Land wird als das so genannte Quellenland bezeichnet.

Quellensteuer in Deutschland

In Deutschland heißt die Quellensteuer auf Kapitalerträge Abgeltungssteuer. Sie gilt seit 2009 und löste das alte, komplizierte Steuersystem rund um die so genannte Spekulationssteuer ab. Ziel war eine Vereinfachung der Versteuerung von Aktiengewinnen: Seit Einführung der Abgeltungssteuer ist es für Sie als Anleger nicht mehr notwendig, die Anlage KAP der Steuererklärung auszufüllen und Ihre Gewinne dort anzugeben.

Dies gilt allerdings ausschließlich für inländische Anlagen. Komplizierter wird es bei Investments im Ausland: Auch Gewinne, die Sie im Ausland erzielen, werden versteuert. Die Frage ist nur, wie? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die hauptsächlich vom jeweiligen Quellenland abhängig sind.

Depot im In- oder Ausland?

Eine erste, entscheidende Frage für die korrekte Versteuerung von ausländischen Wertpapiergewinnen ist der Standort des Depots: Zuerst werden in dem Land Steuern abgezogen, in dem das Konto geführt und die Gewinne erzielt wurden. Haben Sie zum Beispiel ein britisches Konto, wird die entsprechende Quellensteuer Großbritannien zugeführt. Dies gilt für alle Länder, deren Einkommenssteuergesetz erstens vorsieht, dass Aktiengewinne versteuert werden müssen, und zweitens, dass dies in Form einer Quellensteuer passiert.

Versteuerung von Gewinnen auf ausländischen Konten

Wer jetzt aber glaubt, mit einem ausländischen Konto der deutschen Besteuerung zu entgehen, irrt. Denn jedes Einkommen ist steuerpflichtig, auch wenn es im Ausland erzielt wird. Deutsche Bürger sind daher verpflichtet, alle Arten von Gewinnen und Einkommen zu versteuern. Da bei einem Auslandskonto keine automatische Abgabe an die deutschen Behörden erfolgt, muss die Erfassung wie bereits vor der Einführung der Abgeltungssteuer in der Einkommenssteuererklärung erfolgen. Der Steuersatz ist dabei der gleiche wie bei der Direktabführung.

Tipp:

Doppelbesteuerung vermeiden!

Meistens sind auch im Land des Kontostandorts die Einnahmen quellensteuerpflichtig und es wurden bereits Steuern abgezogen. Um nicht zweimal Steuern zu zahlen, müssen Sie weitere Formulare und Anträge ausfüllen. Dies gilt oft auch, wenn aus dem Ausland Gewinne oder Dividendenerträge auf ein deutsches Konto fließen.

Deutsches Konto – internationale Anlagen

Auch wenn Sie ein deutsches Depotkonto haben und nicht intensiv im Ausland traden, kommt es dennoch häufig zu Doppelbesteuerung, weil Erträge aus dem Ausland auf Ihr Konto fließen. Erwerben Sie zum Beispiel Anteile von Firmen, die ihren Firmensitz im Ausland haben, kann es bereits bei der Dividendenausschüttung zu Problemen kommen. Je nach Land wird nämlich bereits zu diesem Zeitpunkt im Land der Firma das erste Mal Steuer abgezogen. Der Restbetrag geht auf das deutsche Konto ein und wird erneut besteuert, indem automatisch die Abgeltungssteuer abgezogen wird.

Quellensteuer: Ausland mit anderen Regelungen

Es gibt zahlreiche Staaten, die wie Deutschland eine Quellensteuer für Kapitalerträge haben, allerdings sind die Gesetze nicht einheitlich. Selbst in den Ländern der EU ist die Quellensteuer jeweils unterschiedlich gestaltet. Dies nicht nur in Bezug auf die Höhe, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie eingezogen wird und welche Anlagen überhaupt darunter fallen. Einige Staaten belegen Zinseinnahmen und Erträge aus Wertpapieranlagen mit unterschiedlichen Steuersätzen. Welcher Quellensteuersatz angewandt wird, hängt also von vielen Faktoren ab.

So holen Sie zu viel gezahlte Steuern zurück

Um eine zu große Steuerbelastung für die Anleger zu vermeiden, wurde das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (kurz DBA) geschlossen. Damit soll verhindert werden, dass Sie zweimal Steuern bei ausländischen Anlagen zahlen müssen. Dies geschieht zum einen dadurch, dass die Quellensteuer im Ausland auf die deutsche angerechnet wird, zum anderen haben Sie die Möglichkeit, zu viel gezahlte Steuern zurückzufordern.

Wurde im Ausland bereits Quellensteuer erhoben, wird dies von den Depotbanken in Deutschland berücksichtigt. Die Quellensteueranrechnung funktioniert aber nur bis zu einem Anteil von 15 %. Liegt der ausländische Quellensteuersatz höher als 15 % wird zunächst insgesamt ein höherer Anteil abgezogen, da nicht die komplette ausländische Quellensteuer verrechnet wird. So ergibt sich ingesamt ein höherer Steuersatz als die üblichen 25 % Abgeltungssteuer (plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag). Sollte dies der Fall sein, können Sie sich diese zu viel gezahlten Steuern zurückerstatten lassen. Dazu müssen Sie entsprechende Anträge in den Ländern stellen, in denen die ausländische Quellensteuer erhoben wurde.

Rückerstattungsanträge beim BZSt

Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) stellt die Formulare zur Verfügung, die Sie zur Rückerstattung der ausländischen Quellensteuer ausfüllen müssen. Sie finden Sie alphabetisch nach Ländern sortiert zum Download auf den Internetseiten des BZSt.

Sind Investitionen im Ausland zu bürokratisch?

Die Quellensteuer wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern auf Kapitalerträge wie Aktiengewinne oder Zinsen erhoben. Um einer Doppelbesteuerung zu entgehen, sollten Sie Ihre im Ausland erzielten Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben. Dabei gilt es allerdings genau zu prüfen, ob sich der bürokratische Aufwand lohnt, der damit einhergeht: Wieviel Geld erhalten Sie tatsächlich zurück? Im Zweifel ziehen Sie am besten einen Steuerberater hinzu, der Erfahrungen mit ausländischer Quellensteuerverrechnung hat.

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