Rebalancing: Zurück zum Status Quo deiner Anlage

Rebalancing ist eine Anlagestrategie, die vorrangig der Risikominimierung dient. Ungleichgewichte im Portfolio, die sich mit der Zeit aufgrund verschiedener Renditen einstellen, sollen so ausgeglichen werden. Wir zeigen dir, wie es funktioniert, wann es sich lohnt und wieso Robo-Advisor das ganz von sich aus machen.

Die Aktienmärkte gehen durch die Decke, Festgeld eher in den Keller, und Anleihen hängen irgendwo dazwischen fest, knapp über Bodenniveau: In etwa so stellt sich die Lage für Anleger:innen in den vergangenen Jahren dar. Sichere Renditen aus Zinsen zu erlangen, ist kaum möglich. Mit Aktien und anderen Wertpapieren sind hingegen gute Erträge möglich, aber eben nur in Verbindung mit einem höheren Risiko.

Das führt dazu, dass Anleger:innen mit gemischten Portfolios nach und nach ein Ungleichgewicht in ihre Investments bekommen. Die besser laufenden Anlagen nehmen einen immer größeren Platz im Portfolio ein. So schön die Zuwächse sind, erhöhen sie doch leider auch das Gesamtrisiko deiner Anlage. Denn gleichzeitig wächst ja auch der riskante Anteil deines Investments; konkret: Immer mehr Geld steckt in Aktien und anderen nicht festverzinsten Wertpapieren, immer weniger in Festgeld und Anleihen. Eine mögliche Strategie, um diesem Problem zu begegnen, ist das Rebalancing.

Wie funktioniert Rebalancing?

Rebalancing hat den Zweck, Gleichgewichte innerhalb des Portfolios wiederherzustellen. Die Idee dabei: Du schichtest in regelmäßigen Abständen dein Portfolio um, sodass du das ursprünglich gewählte Rendite-Risiko-Verhältnis deiner Anlagen wieder erreichst. Die Umschichtung wird dabei schlicht und einfach durch Käufe und Verkäufe erreicht. Grundlegend hast du dabei drei verschiedene Möglichkeiten:

  • Überrepräsentierte, risikoreiche Anlagen verkaufen
  • Unterrepräsentierte, risikoarme Anlagen kaufen
  • Eine Kombination aus beidem

Das Rebalancing deines Portfolios stellst du also her, indem du einen Teil der Wertpapiere, die durch hohe Kurszuwächse einen zu großen Anteil deiner Anlage ausmachen, verkaufst. Du kannst es auch genau andersherum machen und zusätzliches Geld in die Anlagen stecken, deren Anteil zu stark geschrumpft ist. Viele Anleger:innen gehen einen Mittelweg und verkaufen einen kleinen Teil der starken Wertpapiere, während sie den Erlös daraus in die Investments stecken, deren Anteil sie erhöhen möchten.

Auf Kosten achten

Welche Variante du nutzt, um das Gleichgewicht in deinem Portfolio herzustellen, solltest du auch davon abhängig machen, wieviel Geld du umschichtest. Insbesondere bei kleineren Anlagesummen steht der Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis zum Kostenaufwand, der durch Transaktions- und andere Depotgebühren entsteht. Schichte also am besten immer so um, dass du mit möglichst geringem finanziellen Aufwand Rebalancing betreiben kannst.

Rebalancing bei ETF-Sparplänen

Auch beim Rebalancing von ETF-Sparplänen versuchst du, dein Portfolio-Gleichgewicht wiederherzustellen. Grundsätzlich funktioniert diese Anpassung wie bei Einzelanlagen auch. Dir stehen bei Sparplänen aber zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung. Viele ETF-Sparer:innen nutzen mehrere Sparpläne, z. B. einen auf einen Aktien-ETF und einen auf einen Renten-ETF. Dein bevorzugtes Rendite-Risiko-Verhältnis ergibt sich durch die monatlichen Sparplanraten, die du für die verschiedenen ETFs festgelegt hast.

Doch auch wenn du jeden Monat gleichbleibende Raten hast, wachsen die Investitionen in Anleihe- und Aktien-ETFs in unterschiedlichem Maße durch Kursgewinne. Deine Anteile am Aktien-ETF dürften daher mit der Zeit stärker wachsen. Nun kannst du also einfach ein paar Aktien-ETF-Anteile verkaufen oder per Einmalanlage deine Anleihe-ETF-Anteile aufstocken.

Kostenschonende Anpassung der Sparrate

Als zusätzliche Möglichkeit steht dir allerdings auch die flexible Sparplananpassung zur Verfügung, die die meisten Online-Broker anbieten. Du kannst also zum Beispiel über einen bestimmten Zeitraum die Sparrate für deinen Aktien-ETF aussetzen oder vermindern; am besten so lange, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist. Auch andersherum funktioniert es: Du kannst alternativ die Sparrate deines Renten-ETFs heraufsetzen, bis sein Anteil wieder auf deinen Wunschwert gestiegen ist. Der Vorteil dieser beiden Anpassungen liegt in der kostenschonenden Umsetzung. Viele Online-Broker verlangen keine oder nur sehr geringe Gebühren bei Sparplananpassungen. Du sparst dir also hohe Ordergebühren für Käufe und Verkäufe.  

Automatisches Rebalancing bei Robo-Advisors

Bei Robo-Advisors, also digitalen Vermögensverwaltern, die per Algorithmus investieren, gehört das automatische Rebalancing zum festen Programm. Wenn du einen Robo-Advisor nutzt, kannst du dir also sicher sein, dass der Algorithmus dein einmal gewähltes Portfolio immer wieder herstellt. In welcher Regelmäßigkeit dies geschieht, hängt dabei vom Anbieter ab. Jedoch passen viele Robo-Advisors zu festen Zeitpunkten und mindestens einmal jährlich an. In dem Fall spricht man auch von einem passiven Robo-Advisor.

Semiaktive und aktive Robos

Semiaktive und aktive Algorithmen nehmen ihr Rebalancing nicht zu festen Zeitpunkten vor, sondern wenn vorher definierte Ereignisse eintreten. So schichten manche Robo-Advisor etwa immer dann um, wenn der Aktienanteil 10 oder 15 Prozent vom angestrebten Anteil abweicht. Andere Anbieter nehmen regelmäßige Überprüfungen der Rendite-Risiko-Erwartungen der einzelnen Anlageklassen und ETFs vor. Erst wenn diese Prüfungen Handlungsbedarf sehen, wird umgeschichtet.

Auf diese Weise investierst du langfristig immer mit dem Mix aus Renditechance und Risiko, der deinen Anlagewünschen, Zielen und deinem Sicherheitsbedürfnis entspricht. Du musst dich bei einem Investment über Robo-Advisor um nichts weiter kümmern. Der Algorithmus nimmt automatisiert das Rebalancing vor. Wenn du deine Rendite-Risiko-Strategie in der Zukunft einmal anpassen solltest, bezieht sich der Robo-Advisor im Nachhinein auf diese neue Aufteilung. Robo-Advisors arbeiten in der Regel mit einer festen jährlichen Service-Gebühr. Die Kosten für das Rebalancing sind in der Regel darin enthalten.  

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.
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