Pilotprojekt gestartet: SCHUFA plant Konteneinsicht

Die SCHUFA möchte noch mehr über Verbraucher:innen wissen als bisher. Laut Recherchen von Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR plant die Auskunftei eine umfassende Einsicht in Bankkonten. Datenschützer:innen sind alarmiert.

„SCHUFA Check Now“ heißt das neue Angebot, das die SCHUFA seit 4. November gemeinsam mit Telefónica/O2 testet. Die Idee: Bei einem schlechten SCHUFA-Score können Betroffene der SCHUFA Einsicht in die eigenen Konten gewähren. Die SCHUFA prüft dann, ob die tatsächliche finanzielle Situation nicht doch ausreichend gut ist, um einen Kredit aufzunehmen oder einen Handyvertrag abzuschließen.

Kleines Häkchen mit großem Haken

Alles, was Kund:innen für diesen zweiten Check machen müssen, ist, bei der Beantragung eines Telefónica-Produkts ein Häkchen bei „freiwillige Einwilligung“ zu setzen. Damit geben sie ihr Einverständnis zur Datenverarbeitung. Doch das hat weitreichende Folgen, wie Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR in einer gemeinsamen Recherche berichten. Denn damit erlaubt man der SCHUFA, die eigenen Kontoauszüge zu lesen, zu speichern und auszuwerten.

Transaktionen erfasst die SCHUFA dabei minutiös in 12 Kategorien und 65 Unterkategorien. Gehalt und Unterhaltszahlungen werden ebenso erfasst wie Versicherungsbeiträge, Ausgaben in Apotheken oder Zahlungen an Inkasso-Institute.

Datenschützer:innen warnen vor SCHUFA-Plänen

Datenschützer Peter Schaar befürchtet, dass die SCHUFA mit ihren Plänen die Erstellung umfassender Persönlichkeitsprofile verfolgt. Man mache sich „wirklich nackig“, sagt Schaar. Niemand könne die „tatsächliche Reichweite dieser Einwilligung überschauen“. Befinden sich heikle Positionen in der eigenen Kontohistorie – wie etwa Zahlungen an Online-Casinos oder häufige Disponutzungen – leidet auch der SCHUFA-Score.

Für Kund:innen wird es damit schwer, Handy- oder Versicherungsverträge oder gar einen Kredit abzuschließen. Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht prüft derzeit das neue Angebot der SCHUFA. Die SCHUFA indes erklärte nicht, welchen Vorteil Kunden aus der Speicherung ihrer Datenspende ziehen.

Nach massiver Kritik von Verbraucher:innen und Datenschützer:innen hat Telefónica das Pilotprojekt mit der SCHUFA inzwischen eingestellt.

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.
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