Spac: Börsengang ganz ohne IPO

Spacs als Alternative zum IPO gibt es zwar schon lange, so richtig bekannt wurden sie hierzulande aber erst vor einem Jahr. Seitdem vergeht kaum eine Woche, in der kein neuer Spac startet. Grund genug, einen Blick darauf zu werfen, welche Risiken und Chancen mit den Börsenmänteln verbunden sind.

Shaquille O’Neal tut es und Serena Williams, Jay-Z und Robert Lewandowski neuerdings auch: Sie alle werben für sogenannte Spacs, Special Purpose Acquisition Companies. Das sind leere Unternehmenshüllen, die an der Börse gelistet sind. Man spricht deshalb oft auch von „Börsenmantel“ oder „Mantelgesellschaft“. Spacs dienen lediglich dem Zweck, irgendwann mit anderen Unternehmen, die bis dahin noch nicht an der Börse gelistet waren, zu fusionieren.

Wie funktioniert ein Spac?

Der grundlegende Gedanke bei einem Spac ist, dass ein Unternehmen ohne operatives Geschäft (der Spac selbst) mit einem Unternehmen fusioniert, das einem realen Geschäft nachgeht. Auf diese Weise möchte sich letzteres Unternehmen den Aufwand sparen, den ein regulärer Börsengang per IPO bedeutet. Denn bei einer Fusion mit einem Spac – der ja dann bereits an der Börse gelistet ist – fällt ein Großteil von Vorschriften, Prüfungen und Prozessen, die ein regulärer Börsengang erfordert, weg.

Im Rahmen des Börsengangs sammelt der Spac Geld von Anleger:innen ein. Dieses dient dazu, später ein Unternehmen (oder mehrere) zu kaufen. Welches Unternehmen das sein wird, steht anfangs noch nicht fest. Bis das Geld für die Übernahme verwendet wird, wird es auf einem Treuhandkonto deponiert. Für die Suche nach einem geeigneten Unternehmen haben die Sponsor:innen zwei Jahre Zeit.

Ein Börsenmantel wird immer von einem oder mehreren Sponsor:innen geleitet. Der oder die Sponsor:in legt den Spac auf, investiert selbst und übernimmt die Unternehmensführung. Üblicherweise stammen Sponsor:innen aus dem Private-Equity oder auch aus anderen Teilen der Wirtschaft.

Wie geht es an die Börse?

Hat der Spac ein Unternehmen gefunden, das für geeignet gehalten wird, dürfen die Anleger:innen darüber abstimmen, ob das Unternehmen gekauft werden soll. Stimmt die Mehrheit zu, geht es an die Börse. Ist die Mehrheit gegen eine Übernahme, kommt diese auch nicht zustande. Dann können die Sponsoren – falls noch genügend Zeit ist – weiter auf Kandidatensuche gehen oder den Spac auflösen. 

Nun kann es natürlich sein, dass du mit dem gewählten Übernahmeunternehmen nicht einverstanden bist. Für den Fall kannst du deine Anteile einfach zurückgeben. Du erhältst dein eingezahltes Kapital ohne Abschläge zurück (zwischenzeitlich war es ja auf einem Treuhandkonto verwahrt). Ein besonders hohes Risiko besteht also nicht. Auch wenn dir die Arbeit der Sponsor:innen während der Spac-Phase nicht gefällt, kannst du auf diese Weise deine Anteile zurück geben. Auch wenn der Spac innerhalb von zwei Jahren kein passendes Unternehmen finden konnte, bekommen alle Anleger:innen ihr Geld zurück.

Was bringt ein Börsengang per Spac?

Das Unternehmen, das an die Börse will, erspart sich mit einem Spac vor allem einen Haufen Arbeit und Zeit. Klassische IPOs sind sehr aufwändig, zeitraubend und auch teuer. Damit ein Unternehmen per IPO an die Börse gehen kann, muss es die Börsenreife erlangen. Diese wird durch umfangreiche Prüfungen und Analysen der Unternehmenszahlen vorbereitet. Außerdem muss sich das Unternehmen eine Konsortialbank suchen, die den Börsengang begleitet – und natürlich dafür bezahlt wird. Und dann geht es auf Roadshow, bei der institutionelle Investoren vom Unternehmen überzeugt werden sollen. Insgesamt dauert ein Börsengang in dieser Form bis zu 18 Monate.

All das erspart sich das Unternehmen, wenn es über einen Spac an die Börse geht. Die Verhandlungen finden lediglich zwischen Sponsor:in und Unternehmen statt. So kann der Börsengang nicht nur schnell, sondern auch günstig von statten gehen. Auch an publizierte Unternehmenszahlen wird ein niedrigerer Maßstab angesetzt. So können Börsenmäntel auch für kleinere Unternehmen geeignet sein.

Transparenter Preis und Know-how der Sponsor:innen

Außerdem profitiert das Unternehmen von einer transparenten Preisausgestaltung. Der Ausgabepreis der Aktie wird lediglich zwischen Unternehmen und Spac verhandelt. Nach der Übernahme durch den Spac spielen die Sponsor:innen eine wichtige Rolle im Unternehmen und entscheiden mit. Das kann vielen Unternehmen helfen, die sich weiter professionalisieren möchten.

Wie kommt der Spac selbst an die Börse?

Bevor der Spac ein Unternehmen kaufen kann, muss er natürlich selbst an die Börse. Dennoch muss er dabei nicht denselben Aufwand leisten. Da der Spac kein eigenes operatives Geschäft hat, kommt er leichter an die Börse. Viele Offenlegungspflichten, die bei einem IPO eigentlich bestehen, gelten dann nicht. Auch eine lange Roadshow ist nicht nötig.

Was bringen Spacs für Anleger:innen?

Sobald ein Spac an der Börse gelistet ist, geht es darum, Kapital einzusammeln. Dabei weißt du als Anleger:in nicht, welches Unternehmen der Spac kaufen möchte. In den meisten Fällen kann man jedoch zumindest einige Rückschlüsse ziehen. So werden Sponsor:innen, die bisher vorrangig in der Windkraft-Industrie tätig gewesen sind, vermutlich auch weiterhin auf Nachhaltigkeit setzen und in diesem Bereich geeignete Börsen-Kandidaten suchen. Das eingesammelte Kapital wiederum bietet einen Hinweis darauf, wie groß das anvisierte Unternehmen sein wird.

Wenn du in einen Spac anlegen möchtest, kannst du die Aktien ganz einfach an der Börse kaufen. Einen besonderen Broker brauchst du dafür nicht. Achte einfach darauf, dass dein Depot Zugang zu einer Börse bietet, an der die Aktien des Spacs gehandelt werden. Zu Beginn sind die Aktien meist zu einem Preis von ca. 10 US-Dollar bzw. 10 Euro zu bekommen. Erst wenn die Sponsor:innen den Übernahmekandidaten bekannt geben, sind größere Kursveränderungen zu erwarten. Im Grunde besteht die Hoffnung für Spac-Anlegerinnen darin, dass sie frühzeitig in ein wachstumsstarkes Unternehmen investiert sind.

Wo liegen die Risiken bei Börsenmänteln?

Das Risiko besteht für Anleger:innen vor allem darin, dass sie in den ersten beiden Jahren des Spacs nicht wissen, in welches Unternehmen investiert wird. Das Vertrauen in die Sponsor:innen, einen geeigneten Übernahmekandidaten zu finden, muss also dementsprechend hoch sein. Nach der Übernahme zeigt sich dann erst, ob der Spac eine gute Wahl getroffen hat.

In der Vergangenheit war der Erfolg von Spacs zumindest eher durchwachsen. Und selbst bei guten Bewertungen dürften viele Anleger:innen nach der Übernahme Gewinne mitnehmen wollen – was allzu große Renditen für mittelfristige Investitionen verhindern dürfte.

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.

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