Chartanalyse: Mit System zu mehr Rendite?

Der Traum jeder Traderin und jedes Traders: Wissen, wann man am besten kauft oder verkauft. Mit der Chartanalyse soll das möglich sein. Richtig angewendet, kannst du angeblich die günstigsten Verkaufs- bzw. Kaufzeitpunkte für deine Aktien finden. Doch was ist wirklich dran an der Chartanalyse? Wir erklären dir, wie sie funktioniert, was du wissen musst, um sie anwenden zu können und warum du trotzdem vorsichtig sein solltest.

Erfolgreich handeln mit Chartanalyse: die Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Chartmuster sind nur eine von mehreren Techniken der Chartanalyse. Grundsätzlich geht es bei allen Techniken immer darum herauszufinden, bei welchem Kurswert man am besten kauft oder verkauft.

  • Schulter: Kursrückgang, gefolgt von kurzem Hoch
  • Kopf: Neues Tief nach erneutem Kursrückgang
  • Nackenlinie: Verbindung zwischen zwei Hochs mit annähernd gleichem Kurswert
  • Kaufsignal: Punkt, an dem der Kurs die Nackenlinie durchbricht
  • pullback: kleiner Kursrückgang nach Durchbrechen der Nackenlinie, Bestätigung des Trendwechsels zweites, deutlicheres Kaufsignal

Was ist Chartanalyse?

Chartanalyse wird auch technische Chartanalyse oder einfach nur technische Analyse genannt. Anhand der Darstellung von Börsenkursen in Charts versuchen Chartanalyst:innen, möglichst günstige Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkte für ihre Wertpapiere zu ermitteln. Dazu zeichnen sie so genannte Trendlinien an extreme Kursausschläge ein. So schließen sie auf das Ende eines Auf- oder Abwärtstrends.

Auch mit bestimmten Chartmustern soll es möglich sein, die künftige Kursentwicklung einer Aktie vorherzusagen. Laut den Chartanalyst:innen kann man sie an historischen Kursverläufen ablesen.

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Hintergrundinfos zur Chartanalyse

Als Begründer der Chartanalyse gilt Charles Dow. Heute ist er vor allem durch den Aktienindex Dow Jones bekannt, den er entwickelt hat.

In seiner Dow-Theorie geht er davon aus, dass sich Finanzmärkte, beispielsweise der Kapitalmarkt oder der Geldmarkt, zyklisch verhalten. Das bedeutet, dass sich Kursverläufe nach einem bestimmten Zeitraum wiederholen. Dows Erkenntnisse sollten in erster Linie als Handwerkszeug dienen, mit dem man Markttrends genauer beschreiben kann. Außerdem sollten sie zu einem besseren Verständnis über die Funktionsweise von Finanzmärkten beitragen.

Unter einem Chart versteht man die Darstellung der historischen Kursentwicklung eines Wertpapiers, zum Beispiel einer Aktie. Der Chart stellt die Basis für die Arbeit von Chartanalyst:innen dar.

Dow-Theorie

Als Begründer der Chartanalyse gilt Charles Dow. Die Kernaussage der Dow-Theorie lautet: Alle Faktoren, die Angebot und Nachfrage beeinflussen, werden von den Kursständen der Aktienindizes wie dem DAX widergespiegelt. Alles Relevante ist also bereits im Chart abgebildet; andere Daten brauchen nicht analysiert zu werden.
Mehr Informationen zur Dow-Theorie

Chartmuster

Chartmuster sind Formationen, die in Aktiencharts an signifikanten Kursverläufen abzulesen sind, und mit deren Hilfe man künftige Kursverläufe prognostizieren kann. Gängige Formationen sind zum Beispiel „Schulter-Kopf-Schulter“, „Doppelhoch bzw. -tief“ oder „Wimpel und Flaggen“.
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Trendlinie

Im Sinne von Charles Dow ist ein Trend ein Muster von steigenden oder fallenden Hoch- und Tiefpunkten eines Kurses. Trendlinien werden an mindestens zwei dieser Hochs bzw. Tiefs angezeichnet und in Unterstützungs- und Widerstandslinien unterschieden.
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Technischer Indikator

Mit technischen Indikatoren werden günstige Kauf- bzw. Verkaufssignale mathematisch berechnet, zum Beispiel, indem man den Durchschnittskurs einer Aktie ermittelt, den so genannten gleitenden Durchschnitt.
Häufig verwendete technische Indikatoren:

Mehr Informationen zum technischen Indikator

Handwerkszeug: Kann man Chartanalyse lernen?

Chartanalyse ist leicht und kann von jedem gelernt werden – so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Du brauchst nur den historischen Kursverlauf als Grundlage für deine Aktien-Analysen.
Damit du tatsächlich Rendite erzielen kannst, solltest du dir allerdings ein gewisses Grundwissen aneignen und das basale Handwerkszeug kennen. Nur so kannst du ein Chartanalyse-Tool oder eine Chartanalyse-Software sinnvoll nutzen.

Chartanalyse-Tools

Chartanalyse-Tools werden mittlerweile von jeder größeren Börse online angeboten. Mit ihnen kannst du die Kursverläufe der Aktien aller großen börsennotierten Unternehmen oder die gängigen Aktienindizes wie zum Beispiel der DAX analysieren. Viele Online-Broker stellen außerdem eine Chartanalyse-Software als Freeware zum Download zur Verfügung.

Chartformen

Wenn du Charts analysieren willst, solltest du die verschiedenen Möglichkeiten kennen, mit denen man historische Kursverläufe darstellen kann. Welche Darstellungsweise du bevorzugst, richtet sich üblicherweise danach, welche und wie viele Informationen du erhalten möchtest.

Die drei häufigsten Darstellungsweisen sind Linienchart, Balken- oder Barchart und Candlestickchart.

  • Linienchart: Der Linienchart gilt als die einfachste Form der Kursdarstellung. In ihm werden nur die Schlusskurse der jeweils gewählten Zeitintervalle eingetragen und durch eine Linie verbunden. Dadurch ist der Linienchart sehr übersichtlich, enthält aber auch weniger Informationen als andere Chartformen und ist deshalb für die Chartanalyse weniger gut geeignet.
  • Balken-/Barchart: Der Balken- oder Barchart ist die Weiterentwicklung des Liniencharts. In ihm wird nicht mehr nur der Schlusspunkt eines Zeitintervalls eingezeichnet, sondern jedes Zeitintervall als senkrechte Linie, als Balken, dargestellt. Auf diese Weise kann sowohl der niedrigste als auch der höchste Kurswert innerhalb eines Intervalls, beispielsweise innerhalb eines Handelstags, abgelesen werden.
  • Candlestickchart: Der Candlestickchart oder Kerzenchart ist dem Balkenchart sehr ähnlich. Allerdings sind kleinere Trends innerhalb eines Kursverlaufs leichter zu erkennen als im Balkenchart. Die kleinen Rechtecke zeigen die Spanne zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs. Liegt der Schlusskurs unter dem Eröffnungskurs, ist das Rechteck rot oder dunkel eingefärbt. Rot oder dunkel zeigt also an, dass der Kurs innerhalb eines Intervalls gefallen ist. Liegt der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs, ist das Rechteck grün oder hohl. Grün oder hohl zeigt also an, dass der Kurs innerhalb eines Intervalls gestiegen ist. Der Candlestickchart ist eine der detailliertesten Darstellungsweisen eines Aktien- oder Indexkurses. Entsprechend beliebt ist er bei der Chartanalyse.

Je nachdem, welcher Zeitraum für die Ermittlung eines Kauf- oder Verkaufssignals benötigt wird, kann der Kursverlauf des letzten Tages, der letzten Wochen, Monate oder Jahre angezeigt werden. Dabei gilt in den meisten Fällen: Je länger der gewählte Zeitraum, desto signifikanter der Kursverlauf.

Chartmuster, Trendlinien und technische Indikatoren

Bei der Analyse eines Aktiencharts geht es darum, mithilfe eines trendfolgenden Indikators einen (Auf- oder Abwärts-)Trend zu bestätigen. Das geht zum Beispiel mit dem Chartmuster „Flaggen und Wimpel“. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, eine Trendwende zu ermitteln. Dazu braucht man so genannte Oszillatoren wie das Chartmuster „Schulter-Kopf-Schulter“.

Widerstands- und Unterstützungslinien zeichnest du an zurückliegende Hochs bzw. Tiefs im Kursverlauf an. Sie kennzeichnen Kursregionen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über- bzw. unterschritten werden. Konkret: Kam es in der Vergangenheit mindestens zweimal nach Erreichen einer bestimmten Marke zu einem Kursrückgang, kannst du theoretisch davon ausgehen, dass der Kurs sie auch beim dritten Mal nicht überschreiten wird. Du kannst deine Wertpapiere also rechtzeitig abstoßen.

Du kannst auch technische Indikatoren wie Momentum, MACD oder Ichimoku verwenden, um den perfekten Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt zu ermitteln. Anders als Chartmuster oder Trendlinien werden technische Indikatoren berechnet. Meist glätten sie den Kursverlauf einer Aktie, sodass Auf- oder Abwärtstrends ebenso wie Trendwenden leichter zu erkennen sind als anhand eines unbereinigten Kursverlaufs.

Fundamentalanalyse als Ergänzung der Chartanalyse

Viele Traderinnen und Trader verwenden zusätzlich Techniken der Fundamentalanalyse. Damit kannst du die Kurstrends durch Daten des Unternehmens stützen und so deine Renditechancen optimieren.

Kritik durch die Markteffizienzhypothese

Chartanalyse und Fundamentalanalyse werden auch kritisiert, hauptsächlich durch Vertreter:innen der Markteffizienzhypothese. Die Markteffizienzhypothese besagt vor allem, dass anhand von vergangenen Kursdaten keine Rückschlüsse auf künftige Kursentwicklungen gezogen werden können.

Aktienkurse sind also nicht vorhersagbar. Diese These hängt mit der Annahme zusammen, dass Finanzmärkte vollkommen effizient sind. Aktienkurse reflektieren demnach immer alle verfügbaren Informationen, also historische, öffentliche und private. Diese Informationen stehen dank Computertechnik allerdings jedem jederzeit zur Verfügung. Deshalb ist es nicht möglich, sich durch Chartanalyse oder durch Fundamentalanalyse einen Vorteil zu verschaffen oder seine Gewinnchancen signifikant zu erhöhen.

Wichtige Fragen rund ums Thema Chartanalyse

Die Chartanalyse besagt, dass Kursverläufe und Formationen eines Wertpapiers, zum Beispiel einer Aktie, in regelmäßigen Abständen wiederkehren. Daraus soll man zukünftige Kurse vorwegnehmen können. Sie befasst sich also mit Chartmustern und technischen Indikatoren. Fundamentale Daten der Unternehmen bleiben außen vor.

Wie funktioniert die Chartanalyse?

Die Chartanalyse besagt, dass Kursverläufe und Formationen eines Wertpapiers, zum Beispiel einer Aktie, in regelmäßigen Abständen wiederkehren. Daraus soll man zukünftige Kurse vorwegnehmen können. Sie befasst sich also mit Chartmustern und technischen Indikatoren. Fundamentale Daten der Unternehmen bleiben außen vor.

Welche Software für Chartanalyse?

Mittlerweile gibt es viele und unterschiedliche Software-Anbieter für die Chartanalyse. Welche die richtige ist, findest du durch Vergleiche und Tests im Internet heraus. Bei vielen Brokern steht dir aber auch eine Software als Freeware zum Download bereit.

Wie funktioniert ein Candlestick Chart?

Bei einem Candlestick-Chart werden die Kursveränderungen in Form einer Kerze dargestellt. Diese Darstellungsform ist ein Instrument der technischen Chartanalyse. Der Körper der Kerze zeigt die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs an. Mehr hier

Wie lernt man Aktien zu analysieren?

So viel vorab: Ohne Recherche und umfassendes Informieren geht es nicht. Du solltest dir die verschiedenen Techniken und Analysemöglichkeiten anschauen und dann entscheiden, welche dir am meisten liegt. Dann bringst du dir das nötige Handwerkszeug bei und kannst starten.

Erlernbare Kunst oder Kaffeesatzleserei?

Wissenschaftlich belegbar ist der Erfolg der technischen Chartanalyse nicht. Viele bezeichnen sie deshalb als Kaffeesatzleserei und sind der Meinung, Trendlinien und Chartmuster würden mehr oder weniger willkürlich in die Charts eingezeichnet. Andere nennen die Chartanalyse eine self fulfilling prophecy: Glaubt die Mehrheit der Anleger:innen an ihre Wirksamkeit und verhalten sie sich entsprechend der Voraussage, die mittels der Chartanalyse getroffen wurde, tritt das prognostizierte Ergebnis tatsächlich ein.

Trotz aller Kritik wird die Chartanalyse immer beliebter. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass viele Anleger:innen gezielt nach Kauf- oder Verkaufssignalen für ihre Wertpapiere suchen. In der Chartanalyse finden sie dann eine potenzielle Möglichkeit, sie zu errechnen. Außerdem: Bisher ist es noch niemandem gelungen, den Erfolg der Chartanalyse vollständig zu widerlegen.

Saskia ist promovierte Germanistin und arbeitet seit 2017 im Finanzbereich. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wertpapierdepot sowie bei Unfall- und Sterbegeldversicherung.
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