Fundamentalanalyse: Der wahre Preis einer Aktie

Jede Aktie hat einen inneren, wahren Wert – so die These hinter der Theorie. Mit der Fundamentalanalyse sollst du feststellen können, in welche Richtung sich der Kurs einer Aktie bewegen wird. Bestenfalls optimierst du also deine Rendite, wenn du auf Basis von Fundamentaldaten handelst. Der US-Großunternehmer und Milliardär Warren Buffet macht es vor.

Die 5 wichtigsten Kennzahlen der Fundamentalanalyse im Überblick

Für die fundamentale Aktienanalyse von Unternehmensdaten sind Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis oder die Eigenkapitalquote besonders relevant.

KennzahlFormel/Berechnung
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)KGV = aktueller Kurs einer Aktie / Gewinn je Aktie
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) KVV = aktueller Kurs einer Aktie / Umsatz je Aktie
Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) KCV = aktueller Umsatz einer Aktie / Cashflow je Aktie
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) KCV = aktueller Umsatz einer Aktie / Cashflow je Aktie
Eigenkapitalquote (EKQ) EKQ = (Eigenkapital / Gesamtkapital) x 100
Gesamtkapitalrendite (GKR)GKR = [(Gewinn + Zinsaufwand) / Gesamtkapital] x 100

Thesen und Grundlagen der Fundamentalanalyse

Die Aktien-Fundamentalanalyse ist eine Methode, mit der du Aktienkurse an der Börse untersuchen kannst. Sie geht von zwei Thesen aus.

Die zwei Thesen der Fundamentalanalyse

  • Alle börsennotierten Unternehmen haben einen inneren oder wahren Wert.
  • Die Börsenkurse der Unternehmensaktien passen sich diesem Wert langfristig an.

Ziel der Fundamentalanalyse ist es, den inneren Unternehmenswert zu ermitteln. Damit bildet die Methode die Basis für das Value Investing. Bei dieser Anlagestrategie geht es vereinfacht gesagt darum, Aktien zu finden, die – verglichen mit ihrem wahren Wert – an der Börse zu niedrig bewertet sind. In diese wird dann investiert.

Wenn der Marktwert des Unternehmens beispielsweise unter dem errechneten, inneren Wert liegt, ist es wahrscheinlich, dass der Kurswert der Unternehmensaktie langfristig steigen wird. Liegt der Marktwert dagegen über dem errechneten Wert, ist das Unternehmen zu hoch bewertet. Entsprechend kannst du davon ausgehen, dass der Aktienkurs in naher Zukunft fallen wird.

In beiden Fällen nähert sich der Marktwert des Unternehmens dem inneren Wert an. Grund: Immer mehr Marktteilnehmer erkennen die Unter- bzw. Überbewertung und kaufen bzw. verkaufen entsprechend Aktien. Stimmen die beiden Werte überein, wird von einem fair bewerteten Unternehmen gesprochen.

Die zwei Hauptziele der Fundamentalanalyse

  • Herausfinden, wie gut oder schlecht das jeweilige Unternehmen insgesamt da steht.
  • Mithilfe der Aktienkennzahlen verschiedene Unternehmen miteinander vergleichen.

Fundamentaldaten als Berechnungsgrundlage

Unternehmen sind unterschiedlich groß und haben damit auch einen unterschiedlich hohen Wert. Um den jeweiligen Wert zu errechnen und um die Unternehmen miteinander vergleichbar zu machen, nutzen Analyst:innen so genannte Fundamentaldaten. Dazu gehören Daten der globalen Wirtschaft, der jeweiligen Branche und des Unternehmens selbst. Sie bilden die Grundlage für die Berechnung.

Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Indikatoren

Bei der Analyse eines Unternehmens gehen Fundamentalanalyst:innen üblicherweise in drei Schritten vor.

  • Globalanalyse: Volkswirtschaftliche Daten wie die Zinspolitik der Zentralbanken werden untersucht.
  • Branchenanalyse: Branchenspezifika wie der Abhängigkeitsgrad der Branche vom Konjunkturverlauf werden untersucht.
  • Unternehmensanalyse: Ziel ist es, ein umfassendes Bild des Unternehmens zu ermitteln.

In den ersten beiden Schritten geht es um den so genannten Makrokosmos des Unternehmens und um die Frage, ob das volkswirtschaftliche Umfeld dafür spricht, in das Unternehmen zu investieren. Beim dritten Schritt stehen betriebswirtschaftliche Daten im Fokus, also der Mikrokosmos des Unternehmens selbst. Konkret geht es um die Frage: Sprechen die betriebswirtschaftlichen Daten des Unternehmens für eine Investition?

Erhebung von quantitativen und qualitativen Daten

Bei der betriebswirtschaftlichen Analyse wird zwischen qualitativen und quantitativen Daten unterschieden. Qualitative Daten wie die Effizienz des Produktionsverfahrens oder die Kompetenz des Firmenmanagements können nur schwer erfasst werden. Deswegen werden sie um quantitative Daten ergänzt. Hierfür stehen konkrete Firmendaten, die Aktienkennzahlen, im Mittelpunkt.

Wichtige Fundamentalanalyse-Kennzahlen

Tipp

Um sicherzugehen, dass du das Unternehmen richtig einschätzst, solltest du immer mehrere Kennzahlen bestimmen. Eine Kennzahl allein hat in der Regel nicht genug Aussagekraft.

1. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die bekannteste Kennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Um das KGV zu erhalten, musst du den derzeitigen Aktienkurs durch den Unternehmensgewinn je Aktie dividieren, der in den letzten Jahren erzielt wurde. Alternativ kann dir auch der künftig zu erwartende Unternehmensgewinn als Richtwert dienen. Da der allerdings nur geschätzt werden kann, empfiehlt sich dieser Weg weniger. Anschließend vergleichst du den Wert mit dem durchschnittlichen KGV, das Unternehmen in der entsprechenden Branche vorweisen.

Für Unternehmen, die (noch) Verluste machen, wendest du in der Regel das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) an. Dafür setzt du den Gesamtwert der Anteile eines börsennotierten Unternehmens (= Marktkapitalisierung) ins Verhältnis zu seinem Umsatz.

Fundamentalanalyse: Beispiel für die Berechnung des KGV

Die Formel für das Kurs-Gewinn-Verhältnis lautet: KGV = Kurs einer Aktie / Gewinn je Aktie.

Beträgt der aktuelle Kurs einer Aktie 100 Euro und wurde im vergangenen Geschäftsjahr ein Gewinn pro Aktie von 20 Euro gemacht, ergibt sich folgende Rechnung: KGV = 100 Euro / 20 Euro = 5.

Analyse: Das KGV gibt unter anderem Auskunft darüber, wie lange es dauert, bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat. Im Beispielfall wären das 5 Jahre. Je kleiner das KGV eines Unternehmens also ist, desto höher waren die Renditen der letzten Jahre. Entsprechend könntest du von einer weiterhin guten Rendite ausgehen.

2. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis

Unter Cashflow ist vereinfacht ausgedrückt der Umsatzüberschuss aus den geschäftlichen Aktivitäten des Unternehmens zu verstehen. Entsprechend wird das KCV üblicherweise genutzt, um die Ertragskraft des Unternehmens zu bestimmen. Du erhälst die Kennzahl, wenn du den aktuellen Kurs einer Aktie durch den Cashflow je Aktie teilt.

3. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis

Für das KBV teilst du den aktuellen Kurswert einer Aktie durch den Buchwert (= Differenz aus Vermögens- und Schuldanteilen eines Unternehmens) je Aktie. Liegt das KBV annähernd beim Wert 1 oder sogar darunter, kannst du davon ausgehen, dass der aktuelle Marktwert des Unternehmens zu niedrig, das Unternehmen also unterbewertet ist.

4. Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote stellt das Verhältnis des Eigenkapitals eines Unternehmens im Verhältnis zu seinem Gesamtkapital dar. Um die EKQ zu erhalten, teilst du das Eigenkapital durch das Gesamtkapital und multiplizierst das Ergebnis mit 100. Mit der EKQ kannst du die finanzielle Stabilität und Krisenfestigkeit eines Unternehmens bestimmen. Dabei gilt: Je höher die Eigenkapitalquote, desto höher stehen die Chancen, dass das Unternehmen seine Schulden in Krisenzeiten zurückzahlen kann.

5. Gesamtkapitalrendite

Mit der GKR sollst du die Qualität des Managements eines Unternehmens besser einschätzen können. Wie profitabel und effizient ist Firma X also eigentlich? Für die Berechnung addierst du Gewinn und Zinsaufwand. Auf diese Weise erhälst du den tatsächlich erwirtschafteten Gewinn. Diese Summe teilst du durch das Gesamtkapital; den Quotienten multiplizierst du mit 100.

Kritik: Gibt es den inneren Wert eines Unternehmens überhaupt?

Laut der Markteffizienzhypothese kannst du mithilfe von Fundamentaldaten nicht systematisch mehr Gewinn erzielen als der jeweilige Markt. Hintergrund ist die Annahme, dass die Märkte effizient sind. Das bedeutet, dass die Preise, die in einem Markt erzielt werden, sämtliche vorhandene Informationen bereits reflektieren. Einen wahren oder inneren Unternehmenswert gibt es danach also nicht.

Kein 100-prozentiger Erfolg durch Fundamentaldaten

Trotzdem steht die Fundamentalanalyse im Vergleich zur Chartanalyse, die in Expertenkreisen zum Teil heftig kritisiert wird, auf weniger wackligen Beinen, denn: Du kannst Fundamentalanalyse lernen. Sie basiert auf konkreten Zahlen und Fakten und funktioniert mit mathematischen Berechnungen des Werts von Aktien. Trotz allem verschafft dir die Methode keine Erfolgssicherheit. Das Problem ist, dass viele Faktoren, die den Aktienpreis mitbestimmen, mit Zahlen und Formeln nicht gefasst werden können.

Auch wenn Warren Buffet damit angeblich seine Milliarden gemacht hat –bei der Investition in Aktien solltest du dich am besten nicht ausschließlich auf fundamentale Kennzahlen verlassen. Am besten setzt du außerdem nicht nur auf die Aktien eines Unternehmens, sondern streust die eigenen Anlagen breit. Dazu empfiehlt sich ein Depot ohne Depotführungsgebühr. Achte bei deiner Auswahl außerdem darauf, dass der Broker Fonds ohne Ausgabeaufschlag anbietet. So sparst du unnötige Kosten, die deine Rendite schmälern.

Saskia arbeitet seit 2017 im Finanzbereich und hat dort auch ihr Volontariat absolviert. Ihre Schwerpunkte liegen vor allem bei den Themen Wertpapierdepot sowie Unfall- und Sterbegeldversicherung.
>