Spac-Boom: Droht eine neue Blase an den Börsen?

Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPACs, sind der Mega-Börsentrend in den USA. Im vergangenen Jahr wurden über Spacs Investitionen in Höhe von 83 Milliarden US-Dollar eingesammelt. In den ersten drei Monaten dieses Jahrs wurden laut dem Analysehaus Spac Research bereits 97,3 Milliarden Dollar eingeworben. Die US-Finanzaufsicht SEC ist alarmiert.

Wie mehrere Medien berichten, sammelt die Behörde gerade Informationen zu Gebühren, Transaktionsvolumina und Risiken der Blankoscheck-Unternehmen. Es handele sich nicht um formelle Untersuchungen. Den angeschriebenen Wall Street-Banken stehe es frei, auf den Fragekatalog zu antworten. Dennoch ist die Maßnahme ein deutliches Indiz, dass der Marktaufsicht der Spac-Boom nicht ganz geheuer ist.

Was sind Spacs?

Bei den Special Purpose Acquisition Companies (Spacs) handelt es sich um Mantelgesellschaften ohne eigenen Geschäftsbetrieb. Sie werden nur an die Börse gebracht, um ein anderes, real existierendes und operierendes Unternehmen aufzukaufen. Jene leeren Unternehmenshüllen sollen den Börsengang für Unternehmen in den USA im Schnelldurchgang ermöglichen. Anleger:innen müssen ein großes Vertrauen in die Spac-Initiatoren mitbringen, denn sie kennen das Übernahmeziel vorher nicht.

Der Spac kauft dabei ein anderes Unternehmen und wird mit ihm sogleich verschmolzen – die Aktien des Zielunternehmens werden somit unmittelbar an der Börse handelbar. Lästige Berichtspflichten zu Unternehmenszahlen an die Börsenaufsicht entfallen. Ein klassischer Börsengang (IPO) dauert deutlich länger.

In der Vergangenheit wurden Unternehmenshüllen oft von Finanzbetrüger:innen gegründet, die Privatanleger mit der Hoffnung auf lukrative Transaktionen lockten und übers Ohr hauen wollten. Mittlerweile sind diese Vehikel aber eines der attraktivsten Finanzierungsmittel an der Wall Street geworden.

Nach dem Boom in den USA erreichen die erste Mantelgesellschaften auch den europäischen Markt. Mit der Gesellschaft Lakestar Spac I SE ist in diesem Jahr der erste deutsche Börsenmantel seit mehr als einem Jahrzehnt an den Start gegangen. Der Star-Investor Klaus Hommels hat seine Firmenhülle im Februar an der Frankfurter Börse platziert. Und auch der zweite Spac steht offenbar in den Startlöchern: Die 468 SPAC I SE plant für das zweite Halbjahr 2021 den Börsengang in Frankfurt.

Das Problem an den leeren Mantelgesellschaften: Die übernommenen Unternehmen kommen auf kurzem Wege durch die Hintertür an die Börse und unterwandern so die Prüfung der Börsenaufsicht. Das wohl bekannteste Negativ-Beispiel ist der auf Hybrid- und Elektroantriebe spezialisierte Autobauer Nikola. Drei Monate nach dem Börsengang im Juni vergangenen Jahres durch die Verschmelzung mit einer SPAC wurde das Start-up des Betrugs bezichtigt, was zum Rücktritt des Gründers und einer Flut von Aktionärsklagen führte.

Attraktiver scheinen die Finanzvehikel für die Gründer:innen der Spacs, auch Sponsoren genannt, zu sein. Eine aktuelle Analyse der Investmentbank J.P. Morgan beziffert die durchschnittliche Rendite des SPAC-Sponsors auf 648 Prozent. Börsen-Expert:innen warnen: Wenn die Masse der Spac-Aktionär:innen versteht, wie sehr sie durch die Struktur der Finanzvehikel benachteiligt wird, wird die Spac-Blase platzen.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.

Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
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