Aktien verkaufen: Gründe dafür, Gründe dagegen und wie es abläuft

Wer Aktien kaufen kann, kann sie auch verkaufen. Doch welche Gründe sprechen eigentlich für einen Verkauf? Wie vermeidest du Panikverkäufe? Und brauchst du unbedingt ein Order-Limit? Alle Antworten im Ratgeber. 

Alle Welt spricht vom Aktienkaufen. Auch Ratgeber zum Thema Aktienhandel konzentrieren sich meistens auf den Aspekt des Kaufens. Aber was ist eigentlich mit dem Verkaufen? Auch dabei gibt es einiges zu beachten, wenn am Ende die Rendite passen soll: Angefangen bei der Frage, aus welchen Gründen du Aktien überhaupt verkaufen solltest.

Diese Gründe sprechen für den Verkauf einer Aktie

Ganz grundlegend kann man sagen, dass der Verkauf einer Aktie aus der eigenen Strategie heraus motiviert sein sollte. Hypes, Crashs oder andere äußere Faktoren sollten nicht zu bestimmenden Antrieben deiner Investments werden. Halte dich, wo möglich, immer an deine Strategie. Das heißt natürlich nicht, dass du diese nicht auch anpassen könntest. Hüte dich jedoch vor undurchdachten Kurzschlüssen.

  • Du willst bessere Performance: Wenn du mit der Performance einer Aktie nicht zufrieden bist, könntest du durch einen Verkauf Kapital abziehen, um es für eine andere, vielversprechendere Aktie frei zu machen.
  • Du brauchst mehr Sicherheit: Auch wenn du dein Portfolio langsam auf eine Auflösung vorbereiten möchtest, kann es sinnvoll sein, einzelne Aktien zu verkaufen und die Gelder etwa in sicherere Zinspapiere umzuschichten.
  • Du willst Gewinne mitnehmen: Manchmal ist es ganz einfach: Wenn du mit der Entwicklung einer Aktie bisher sehr zufrieden bist, für die Zukunft aber ein Abflachen der Kursgewinne erwartest, kannst du durch einen Verkauf der Aktie Gewinne mitnehmen.
  • Du hast Liquiditätsprobleme: Nicht der beste Grund für einen Aktienverkauf, aber unter Umständen unumgänglich. Wenn du dein angelegtes Kapital frei machen musst, um Bargeld verfügbar zu haben, musst du leider auch damit leben, vielleicht nicht den günstigsten Zeitpunkt für einen Verkauf zu erwischen.

Freies Kapital für andere Investments

Nicht immer setzt man auf das richtige Pferd. Manches Aktieninvestment krampft von Anfang an eher vor sich hin, als dass es an den Börsen performt. Bei anderen Aktien ist es vielleicht eher ein schleichender Prozess, der aus einer anfänglich guten Entwicklung irgendwann nur noch eine Seitwärtsbewegung ohne Gewinne macht. In diesen Fällen gehört eine Aktie auf den Prüfstand. Schau dir die wichtigsten Fundamentaldaten des Unternehmens an. Wenn etwa die Umsätze und Gewinne seit Jahren sinken oder die Verschuldung steigt, gibt es wenig Anzeichen auf eine baldige Erholung des Aktienkurses. In so einem Fall könntest du dein Kapital getrost abziehen und anderweitig in Aktien investieren.

Manchmal steht jedoch gar nicht die fehlende Performance der Aktie oder die bessere Performance anderer Aktien im Mittelpunkt der Verkaufsentscheidung. Wenn du seit vielen Jahren dein Portfolio zur Altersvorsorge aufgebaut hast, siehst du vielleicht einer Auflösung des Depots entgegen, weil du das Kapital anderweitig nutzen möchtest. In diesem Fall ist es sinnvoll, den Ausstieg langfristig vorzubereiten, um keine Potentiale zu verschenken. Das erreichst du zum Beispiel, indem du Kapital umschichtest, raus aus riskanteren Aktieninvestments und rein in sicherere Zinsanlagen wie etwa Anleihen oder Rentenfonds.

Regelmäßige oder endgültige Gewinnmitnahme

Viele Aktienverkäufe haben den einfachen Grund, dass sie erzielte Kursgewinne realisieren sollen. Eine Aktie hat sich lange Zeit gut entwickelt, und nun möchtest du den Gewinn einstreichen. Das ist vollkommen legitim. Bedenke dabei jedoch auch andere Gewinneinnahmen. Wirft die betreffende Aktie hohe regelmäßige Dividenden ab, die du noch dazu aufgrund des Sparerfreibetrags nicht versteuern musst? Auch Aspekte wie diesen solltest du in deine Entscheidung einbeziehen.

Don’t Panic

Panik ist ein schlechter Ratgeber – vor allem an den Börsen. Sicher gibt es auch Momente, in denen ein schneller Verkauf angeraten ist. Man denke an das Platzen der Immobilienblase 2007. In kurzer Zeit war Anleger:innen klar, dass sich die betroffenen Unternehmen nicht erholen werden. In einer solchen Situation musst du nicht auf eine Kurserholung warten, sondern solltest aktiv dein Portfolio aufräumen, um größere Verluste zu vermeiden.

Aber prinzipiell solltest du nicht einfach aufgrund von Kursverlusten sofort eine Aktie verkaufen. Es ist gut möglich, dass die Verluste nur vorübergehend sind und zum Beispiel auf einer noch ausstehenden Produktzulassung basieren. Sowas vergeht aber auch wieder – spätestens, wenn die Zulassung da ist. Wichtig ist, dass der Blick in die Geschäftsdaten passt.

Beispiel Wirecard

Auch im Fall Wirecard verkauften viele Menschen ihre Aktien in kurzer Zeit. Starke Kursverluste motivierten weitere Verkäufe. Innerhalb einer Woche sank die Aktie von 100 Euro auf 3 Euro. Wer da nicht schnell verkauft hat, machte hohe Verluste. Eine gute und umsichtige Anlagestrategie, bei der du auch Finanznachrichten verfolgst und Unternehmen analysierst, hätte dich aber vermutlich schon lange vor den großen Kursrutschen zu der Überzeugung gebracht, Wirecard-Aktien lieber zu verkaufen – oder gar nicht erst zu kaufen. 

Aktien verkaufen: So geht’s ganz konkret

Eine Aktie verkaufst du wie beim Kauf auch über deinen Online-Broker. Log dich also in dein Online-Depot ein und wähle die betreffende Aktie aus. Dabei kannst du auch die Stückzahl angeben, die du verkaufen möchtest. Vielleicht möchtest du ja gar nicht alle Anteile verkaufen.

  • Liquide Börse auswählen: Um unnötige Verzögerungen und ungewollte Preisrutsche beim Verkauf zu vermeiden, solltest du dich für einen Handelsplatz entscheiden, der einen möglichst liquiden Markt für die entsprechende Aktie bietet. Je mehr Menschen die Aktie dort handeln, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie schnell und ohne im Preis zu sinken, einen neuen Käufer oder eine Käuferin findet.
  • Ggf. Limit setzen: Kannst du auf einen liquiden Markt zurückgreifen und hattest du über einen sehr langen Zeitraum hinweg dein Geld in der Aktie, ist es vernachlässigbar, ein Limit zu setzen. Eine so große Volatilität, dass dir beim Verkauf böse Überraschungen passieren, ist in dem Fall nicht zu erwarten. Bei illiquiden Märkten hingegen oder wenn du nur kurzfristig (etwa im Rahmen von Daytrading) investiert hast, solltest du deinen Verkauf zum Beispiel mit einer Limit-Order absichern. 
  • Abwicklung des Verkaufs: Passt alles, wird der Verkauf in der Regel innerhalb weniger Sekunden oder Minuten ausgeführt. Den Erlös erhältst du auf dein Verrechnungskonto. Das geschieht meist innerhalb eines Banktages.
  • Gebühren für den Verkauf: Bei vielen Brokern fallen bei einem Verkauf die gleichen Gebühren an wie bei einem Kauf. Jedoch ist es meist nicht nötig, im Vorfeld das Verrechnungskonto zu decken, um die Gebühren zu bezahlen. Broker ziehen die fälligen Gebühren oft automatisch vom Verkaufserlös ab. 

Nach dem Gewinn ist vor der Steuer

Erzielst du mit deinem Aktienverkauf einen Gewinn, ist dieser steuerpflichtig. Hast du bei deinem Broker einen Freistellungsauftrag eingerichtet und übersteigt der Gewinn den Freibetrag nicht, wird keine Steuer abgeführt. Ist der Freibetrag jedoch ausgeschöpft oder kein Freistellungsauftrag eingerichtet, führt dein Broker automatisch die für den Gewinn fällige Kapitalertragsteuer an das Finanzamt ab.

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.
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