Passiv investieren – bequemer und einfacher Vermögensaufbau

Aktienanlagen sind lukrativ, das wird vielen Deutschen immer mehr bewusst. Viele lassen dieses Potential aber ungenutzt, zum Teil weil sie das erhöhte Risiko scheuen. Anderen ist dagegen der Aufwand zu groß. Wer erfolgreich mit Aktien handeln möchte, muss ständig informiert sein, täglich das Portfolio checken und weltweit die wichtigsten Wirtschafts- und Börsennachrichten verfolgen, so das Vorurteil. Für viele Anlagestrategien stimmt dies auch. Wer zu langsam auf dem Börsenparkett agiert, kann schnell Verluste erleiden oder verpasst gute Chancen. Doch es gibt auch einfachere, um nicht zu sagen gemütlichere Methoden, Geld in Wertpapiere zu investieren. Eine davon ist das sogenannte passive Investieren. Eine Anlagemethode, die sich zwar auf den Wertpapierhandel stützt, aber keine dauerhafte tägliche Betreuung erfordert.

Anlagestrategie Kosten Kapitalverwendung Rendite-Kosten-Quote
Aktiv gemanagte FondsRenditeoptimierung,
Reger Wertpapierhandel
Ausgabeaufschlag,
Managementgebühren,
Teilweise Performance Free
Nicht investierte Kapitalreserven zur Auszahlung von Fondsaussteigern85%
Passive IndexfondsBuy and Hold,
Kaum Wertpapierhandel
VerwaltungsgebührenSämtliches Kapital wird investiert97%

Aktiv oder passiv investieren, wo liegt der Unterschied?

Wer die Begriffe aktives oder passives investieren hört, hat bereits eine gewisse Vorstellung davon, was diese im Detail bedeuten können. Der eine Anleger agiert aktiv am Markt, der andere passiv. Im Großen und Ganzen ist dies auch richtig. Im Detail bedeutet dies aber: Ein aktiver Investor versucht, wie es im Fachjargon heißt, den Markt zu schlagen. Dies tut er, indem er sein Portfolio ständig an aktuelle Entwicklungen und Trends anpasst. Die meisten Privatanleger überlassen dieses Procedere Fachleuten, indem sie in aktiv gemanagte Fonds investieren. Der entsprechende Fondsmanager versucht durch geschicktes Kaufen und Verkaufen besser als ein vergleichbarer Index zu performen. Also zum Beispiel eine bessere Rendite zu erwirtschaften als der DAX.

Beim passiven Anlegen wird auf den Fondsmanager quasi verzichtet und man orientiert sich direkt an dem gewünschten Index. Ermöglicht wird dies durch die relativ junge Anlageart der ETFs. Diese Fondsart bildet einen zugrundeliegenden Index möglichst genau nach. Anleger partizipieren dann an den Entwicklungen des Indizes. Steigt der Index, steigt auch die der Gewinn. Da der Index die Wertpapiere, die in dem ETF enthalten sein sollen, vorgibt, ist ein aktives Hin- und Herschieben von Aktien und Auswerten von chancenreichen Neuinvestitionen unnötig.

Warum sollte man passiv investieren?

Es gibt zwei Varianten des aktiven Investierens. Zum einen die, in der Anleger ihr Geld in gemanagte Fonds investieren, zum anderen die, bei der der Anleger selbst aktiv handelt und sein eigenes Portfolio – ob mit Einmalanlagen oder im Aktiensparplan – zusammenstellt. Die letzte Variante erfordert ein hohes Maß an Zeit und Aufmerksamkeit und nicht zuletzt auch ein großes wirtschaftliches Know-How. Dies sind zwei Faktoren (Zeit und Wissen), die nicht alle Menschen ohne weiteres aufbringen können. Die Investition in aktiv gemanagte Fonds hingegen kann von jedem sehr einfach betrieben werden. Warum also sollte man sich dennoch für passives investieren entscheiden?

Thesaurierend oder ausschüttend?

ETFs gibt es in zwei Varianten. Bei aussschüttenden Fonds werden Kursgewinne an den Anleger regelmäßig ausgezahlt. Bei thesaurierenden werden Gewinne direkt wieder in den Fonds investiert. Beide Varianten haben ihre Vorzüge. Vor Kauf sollte man sich versichern, ob der ETF die gewünschte Gewinnverwertung hat.

Studien haben gezeigt, dass es nur den wenigsten Fondsmanagern gelingt, den Markt zu schlagen. Vor allem wenn man einen längeren Zeitraum betrachtet wird deutlich, dass die wenigsten eine dauerhaft positive Bilanz aufweisen können. Im schlimmsten Fall führen Fehlentscheidungen des Fondsmanagers nicht nur dazu, dass man nicht besser als der Markt performt, sondern auch noch deutliche Verluste macht. Wertpapiere unterliegen Schwankungen, der Manager versucht diese zu nutzen, dies kann aber eben auch schief gehen.

Hinzu kommen die hohen Kosten, die ein aktives Management verursacht. Schließlich muss auch der Fondsmanager bezahlt werden, und je besser er seinen Job macht, desto teurer wird es mitunter. Passiv gemanagte Fonds hingegen sind deutlich günstiger. Und sie haben einen weiteren Vorteil: Da sie den Markt abbilden, können sie ihn gar nicht schlagen. Das Risiko einer Fehlinvestition seitens des Fondsmanagers ist gänzlich ausgeschlossen, denn der Index selbst gibt die Auswahl der Wertpapiere vor.

Vorteile des passiven Investierens

Das passive Investieren überzeugt immer mehr Anleger. Nicht zuletzt weil die Anlagemöglichkeiten in anderen Finanzsegmenten dank Dauer-Niedrigzins eher übersichtlich sind. Die passive Investition ermöglicht ein relativ risikofreies und bequemes investieren. Darüber hinaus gibt es weitere Vorteile:

1. Zeitersparnis

Jeder kennt es, jeder jammert, kaum jemand hat heute noch Zeit. Aktives Trading erfordert aber genau das: Zeit! Die Investition in ETFs hingegen ist relativ schnell erledigt. Lediglich zu Beginn der Investition müssen Informationen eingeholt und Entscheidungen getroffen werden. Dazu gehören so wichtige Dinge wie: Wie viel Geld soll investiert werden? Von welchen ETFs sollen Anteile gekauft werden? Welche Anlageklassen sollen diese jeweils enthalten? Diese Hausaufgaben müssen gemacht werden, daran führt kein Weg vorbei. Danach können Anleger sich aber zurücklehnen. Es genügt in den meisten Fällen einmal jährlich Inventur zu machen, und das Portfolio an die aktuelle Marktsituation anzupassen.

2. Hohe Risikostreuung

Eine der Grundregeln des Aktienhandels besagt, dass Anleger immer auf eine möglichst breite Streuung in ihrem Portfolio achten sollten. Dies erfüllen ETFs sehr gut. Da jeder Index immer aus zahlreichen Unternehmensanteilen besteht, ist jeder Indexfonds in sich schon gestreut. Verteilt man dann seine Investition noch auf mehrere ETFs und variiert bei den Anlageklassen, so hat man ohne viel Aufwand eine breite Diversifikation erreicht.

3. Niedrige Kosten

Verglichen mit der aktiven Anlage ist das passive Investieren in der Regel kostengünstiger. Zum einen fallen seltener Ordergebühren an, da nicht ständig das Portfolio neu angepasst wird. Zum anderen schneiden ETFs auch im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds besser ab, da die Verwaltungsgebühren deutlich geringer sind.

4. Einsteigerfreundlich

Auch wenn man sich vor dem Kauf von ETF-Anteilen informieren sollte, so ist dies dennoch sehr viel einfacher, als wenn man sich ein komplettes eigenes Portfolio zusammen stellen müsste. Einsteiger haben mit einem ETF die Möglichkeit sich langsam an die Welt der Aktien und Börsen heranzutasten. Hinzu kommt, dass viele ETFs auch als Sparplan erhältlich sind. Das bedeutet, dass man in regelmäßigen Abständen einen bestimmten Betrag in einen Sparplan einzahlt und davon automatisch Fondsanteile gekauft werden. Häufig sind diese Sparpläne bereits ab 25 Euro monatlich erhältlich und somit auch für Einsteiger mit kleinem Geldbeutel geeignet.

Nachteile des passiven Investierens

Keine Anlagestrategie ohne Nachteile, das ist auch beim passiven Investieren so. Auch diese Methode ist nicht makellos. Dennoch lassen sich diese Nachteile tatsächlich beinahe vernachlässigen. Der wichtigste dürfte für den Anleger die fehlende Chance auf eine Überrendite sein. Da sich das passive Investieren am Markt orientiert und die ETFs eben an den entsprechenden Indizes, ist es praktisch nicht möglich den Markt zu schlagen. Eine überdurchschnittliche Rendite ist also nicht zu erwarten. Auch Trends können mit der passiven Anlagemethode nicht mit verfolgt und ausgenutzt werden. Eine Chance auf große Gewinne weniger. Im Gegenzug ist aber auch das Risiko beträchtlich geringer, so dass es letztlich auch eine Frage des Typs ist, ob man die fehlenden Chancen bedauert oder das geringere Risiko begrüßt.

Wie kann man mit einem ETF passiv investieren?

Die Investition in ETFs ist denkbar einfach. Grundvoraussetzung ist ein Depot. Wer über noch keines verfügt, kann ohne Probleme ein Depot online eröffnen. Auf diesem speziellen Konto werden alle Wertpapiere, oder eben ETF-Anteile, gelagert. Jedes Depot verfügt auch über eine eigene Handelssoftware, so dass direkt online die gewünschten Aktien gekauft werden können. Da ETFs börsengehandelt sind, kann man diese auch ganz einfach mit der vom Onlinebroker zur Verfügung gestellten Software kaufen. Dazu sucht man zunächst via Name oder WKN (eindeutige Identifizierungsnummer für Wertpapiere) den gewünschten ETF und kauft dann entsprechend die Anteile. Diese werden dann innerhalb von Sekunden dem eigenen Depot gutgeschrieben und fertig ist der ETF-Kauf.

Bei Depot auf gute Konditionen achten

Für das passive Investieren eignen sich am besten Depots ohne Depotkosten, zum Beispiel von Consorsbank oder der Onvista Bank.

Sparpläne hingegen werden direkt beim Broker abgeschlossen. Wer also Wert auf bestimmte ETF-Sparpläne legt, sollte vorab überprüfen, ob der gewählte Broker diese anbietet. Möchte man sich ganz auf Sparpläne konzentrieren, ist es sinnvoll seinen Broker entsprechend der Konditionen, insbesondere der Kosten für diese, zu wählen.

Bequem aber nicht ohne Aufwand

Das passive Investieren ist verglichen mit der aktiven Methode mit sehr wenig Aufwand verbunden. Dennoch kommen Anleger nicht umhin, sich mit ihrer Investition auseinanderzusetzen. Die Wahl der passenden ETFs steht dabei an erster Stelle. Auch sollte man die Kosten der einzelnen Angebote genau vergleichen. Wenn die Gebühren für einen Fonds die Rendite auffressen, ist das immer schlecht.

Mindestens einmal jährlich sollte das Portfolio überprüft werden, ob alle Anlagen sich noch wie geplant entwickeln. Diese Pflege des Depots ist notwendig, um Fehlentscheidungen bei der ETF-Wahl zu entlarven. Grundsätzlich ist das passive Investieren aber eine langfristige Anlagemethode, die nicht durch ständiges Kaufen und Verkaufen geprägt ist, sondern seinen Erfolg durch das lange Halten der einzelnen Anteile generiert. Deshalb sollte die Kaufentscheidung wohlüberlegt sein, denn das häufige Ändern von Strategien kostet auch bei der passiven Investition am Ende mehr Geld als durch den Wechsel gewonnen werden kann.

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