Passiv investieren – bequemer Vermögensaufbau mit Buy-and-Hold

Passiv zu investieren, heißt vor allem, mit Geduld abzuwarten und dem Markt zu vertrauen. Welche Vorteile dieser Investmentansatz bietet und wo  die Fallstricke liegen, erfährst du im Ratgeber.

Wer erfolgreich mit Aktien handeln möchte, muss ständig informiert sein, täglich das Portfolio checken und weltweit die wichtigsten Wirtschafts- und Börsennachrichten verfolgen, so das Vorurteil. Für viele Anlagestrategien stimmt dies auch. Wer zu langsam auf dem Börsenparkett agiert, kann schnell Verluste erleiden oder verpasst gute Chancen. Doch es gibt auch einfachere, um nicht zu sagen gemütlichere Methoden, Geld in Wertpapiere zu investieren. Eine davon ist das sogenannte passive Investieren.

Aktives und passives Investieren: Wo liegt der Unterschied?

Eine Anlage kann grundsätzlich aktiv oder passiv sein. Verfolgst du eine aktive Anlagestrategie, versuchst du in erster Linie, den Markt zu schlagen. Das tust du, indem du dein Portfolio ständig an aktuelle Entwicklungen und Trends anpasst, Fundamentaldaten von Unternehmen auswertest und darauf basierend geeignete Anlageobjekte identifizierst. Die meisten Privatanleger:innen überlassen dieses Prozedere Fachleuten, indem sie in aktiv gemanagte Fonds investieren. In dem Fall versucht das Fondsmanagement, durch geschicktes Kaufen und Verkaufen besser als der Markt zu performen. Aktives Investieren ist also geprägt durch eine ständige und konsequente Arbeit am Portfolio.

Passives Investieren hingegen zeichnet sich vor allem durch einen strikten Buy-and-Hold-Ansatz aus. Du kaufst und verkaufst nicht ständig Wertpapiere und baust dein Portfolio um. Vielmehr behältst du das einmal Gekaufte über einen sehr langen Zeitraum hinweg, über 10, 15 oder 20 Jahre. Dahinter steht die Idee, dem Markt in seinem Verlauf einfach zu folgen. Nun bilden einzelne Aktien jedoch nicht den gesamten Markt ab. Um ihm zu folgen, benötigst du stattdessen ein großes Portfolio. Das ist der Grund, wieso man passives Investieren meist mit ETFs verbindet. Denn diese Indexfonds bilden immer größere Märkte ab und verfügen daher in etwa über die Renditen, die dieser – bzw. sein Index – erzielt.

Anlagestrategie Kosten Kapitalverwendung Rendite-Kosten-Quote
Aktiv gemanagte FondsRenditeoptimierung,
Hohes Handelsaufkommen
Ausgabeaufschlag,
Managementgebühren,
Teilweise Performance Fee
Nicht investierte Kapitalreserven für Auszahlung von Fondsaussteigern85%
Passive IndexfondsBuy and Hold,
Geringes Handelsaufkommen
Niedrige jährliche Gesamtkosten von ca. 0,2 bis 0,4 ProzentSämtliches Kapital wird investiert97%

Kosten oder Aufwand bei aktiven Anlagen

Eine aktive Anlage erfordert also ein ständiges Portfolio-Management. Und das gibt es nicht kostenlos. Aktive Investmentfonds sind daher relativ teuer, da sie über verschiedene Gebühren die Arbeit der Fondsmanager:innen einerseits, aber auch die Kosten der Wertpapierkäufe und -verkäufe andererseits weitergeben. Die Alternative: Du managst dein Portfolio selbst aktiv. Das bedeutet jedoch auch relativ hohe Transaktionskosten, da du sehr viel über deinen Online-Broker handeln musst. Hinzu kommt der Zeitaufwand. Eine aktive Anlagestrategie bedeutet ständige Aufmerksamkeit und eine intensive Analyse der Fundamentaldaten von Unternehmen. 

Vorteile des passiven Investierens

Da überzeugt das passive Investieren immer mehr Anleger:innen. Die Kosten- und Zeitnachteile des aktiven Ansatzes fallen hier weitestgehend weg. Hinzu kommen weitere Vorteile, die passive Anlagen mit ETFs für viele Menschen interessant machen.

  • Du sparst Zeit: Aktives Trading erfordert viel Zeit! Die Investition in ETFs hingegen ist relativ schnell erledigt. Lediglich zu Beginn der Investition musst du dir Informationen einholen und Entscheidungen treffen. Wie viel Geld willst du investieren? Welche ETFs willst du kaufen? Sollen es Aktien-ETFs oder Renten-ETFs sein, oder vielleicht beide? Reicht dir eine kleine Marktabdeckung, wie sie DAX-ETFs bieten? Oder möchtest du z. B. mit einem ETF auf den MSCI World global investieren? Diese Fragen musst du vor einem passiven Investment für dich beantworten. Danach kannst du dich aber zurücklehnen. Einmal gekauft, kannst du den Markt in Form des ETFs für dich arbeiten lassen. Es genügt in den meisten Fällen einmal jährlich Inventur zu machen, und per Rebalancing das Portfolio an die aktuelle Marktsituation anzupassen.
  • Du streust Risiken: Eine der Grundregeln des Aktienhandels besagt, dass Anleger:innen immer auf eine möglichst breite Streuung in ihrem Portfolio achten sollten. Diese Anforderung erfüllen ETFs sehr gut. Da jeder Index immer aus zahlreichen Unternehmen besteht, ist jeder Indexfonds ebenso gestreut. Verteilst du dann deine Investition noch auf mehrere ETFs, die verschiedene Branchen, Länder und Anlageklassen umfassen, so hast du ohne viel Aufwand eine breite Diversifikation erreicht. Die Gefahr, dass deine Kapitalanlage als Ganzes Verluste einfährt, ist damit sehr gering.
  • Du zahlst niedrige Gebühren: Verglichen mit der aktiven Anlage ist das passive Investieren kostengünstiger. Zum einen fallen seltener Ordergebühren an, da du nicht ständig das Portfolio neu anpassen musst. Zum anderen schneiden ETFs auch im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds besser ab, da die Verwaltungsgebühren deutlich geringer sind. So sparst du dir etwa hohe Ausgabeaufschläge. Und auch die jährliche Gesamtkostenquote liegt bei ETFs sehr niedrig: etwa bei 0,2 bis 0,4 Prozent der Anlagesumme.
  • Du hast eine gute Grundlage: Einsteiger:innen haben mit ETFs die Möglichkeit, sich langsam an die Welt der Wertpapiere heranzutasten. Ihre breite Aufstellung sorgt für eine gute Basis in deinem Portfolio. Auf diese Weise kannst du mit etwas niedrigerem Gesamtrisiko einzelne zusätzliche Wertpapiere, die dir besonders lohnend erscheinen, beimischen. Langfristige passive Investments sind also auch eine Möglichkeit, aktive Investments mit kürzerem Anlagehorizont in einem kleineren Maßstab zu verfolgen.

Im Podcast: Warum aktives und passives Investieren kein Widerspruch ist

Wieso aktives und passives Investieren auch Hand in Hand gehen können, erklärt Kolja Barghoorn in seinem Finanz-Podcast.

Nachteile des passiven Investierens

Keine Anlagestrategie ohne Nachteile: Das ist auch beim passiven Investieren so. Der wichtigste Nachteil für Anleger:innen ist die fehlende Chance auf eine Überrendite. Da sich passives Investieren am Markt orientiert und ETFs eben an den entsprechenden Markt-Indizes, ist es so gut wie unmöglich, den Markt zu schlagen.

Auch Trends kannst du allein mit einer passiven Anlagemethode nicht so gut nutzen. Natürlich hast du die Möglichkeit, mittels spezialisierter ETFs auch von Branchentrends zu profitieren, aber die ganz großen Hypes bleiben dir mit passiven Anlagen versagt. Jedoch muss das angesichts des Risikos, das bei Hypes besteht, auch kein Nachteil sein.

Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit von der weltwirtschaftlichen Konjunktur. In Bullenmärkten sind ETFs ein relativ sicherer Renditegarant. Schlägt die Konjunktur hingegen in eine Rezession um, machen natürlich auch ETFs Verluste. Denn in Bärenmärkten folgen passive Anlagen leider zwangsläufig dem Abschwung der Weltwirtschaft. In diesen Phasen können punktuelle aktive Anlagen als Absicherung der langfristigen Investments größere Verluste eindämmen.

Aktiv heißt nicht besser in der Krise

Ein aktives Fondsmanagement bietet zwar die Chance, eine Krise besser zu händeln als der Gesamtmarkt, aber sicher ist auch das nicht. Viele aktive gemanagte Fonds schaffen es auch in Krisenzeiten nicht, den Markt zu schlagen, d. h. weniger Verlust zu machen.

So investierst du passiv mit ETFs

Ein passives Investment mit ETFs ist denkbar einfach. Grundvoraussetzung ist ein Wertpapierdepot. Hast du noch keines, kannst du ohne Probleme ein Depot online eröffnen. Auf diesem speziellen Konto werden alle Wertpapiere, die du kaufst, gelagert.

Um einen bestimmten ETF zu kaufen, gibst du zunächst Name oder WKN bzw. ISIN (eindeutige Identifizierungsnummern für Wertpapiere) des gewünschten ETFs im Onlinebanking deines Brokers ein. Anschließend bekommst du angezeigt, an welchen Börsen der ETF handelbar ist. Hier kannst du dich entscheiden und den ETF dort kaufen, wo es dir am meisten zusagt. Dabei gibst du auch an, wieviele Anteile des ETFs du haben möchtest. Sobald der Kauf getätigt ist, landet der ETF in deinem Depotkonto, wo er – wenn du eine passive Buy-and-Hold-Strategie verfolgst – lange Zeit liegen bleiben wird.

Beim Depot auf gute Konditionen achten

Für passive Investments eignen sich Depots, die ohne hohe laufende Depotkosten auskommen. Denn eine langfristige Anlage bedeutet sonst, dass dein Depot zusätzliche jährliche Kosten verursacht. Ordergebühren hingegen können dir relativ egal sein angesichts der eher seltenen Transaktionen bei einer rein passiven Strategie.

Auch wichtig in dem Zusammenhang: die Konditionen für ETF-Sparpläne. Passives Investieren im Allgemeinen und ETFs im Speziellen eignen sich sehr gut für Sparpläne, bei denen du regelmäßig kleinere Summen investierst. Achte also darauf, dass dein neuer Broker erstens ein großes Angebot an ETFs im Sparplan bietet, damit auch deine Favoriten dabei sind, und zweitens die Gebühren für Sparplanausführungen möglichst gering sind. Manche Online-Broker bieten Sparpläne sogar kostenlos an.

Matthias arbeitete von 2015 bis 2021 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte lagen hier in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.
Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
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