Gold kaufen: Was du vor dem Investieren wissen musst

Wenn die Aktien in den Keller sausen, steigt der Goldpreis – diese Beobachtung brachte Gold den Ruf eines krisensicheren Investments ein. Eine renditestarke Investition ist Gold 2020 deshalb aber noch lange nicht. Wir erklären dir in diesem Artikel worauf du achten solltest, wenn du in Gold investieren möchtest und geben Tipps für das passende Depot.

Gold als Zuflucht in der Not

Ein Blick auf die Finanzkrise 2008 scheint die Rolle des Goldes als Krisenwährung zu untermauern. Während nahezu alle Anlageklassen in den Keller rauschten, stieg der Goldpreis innerhalb von zwei Jahren von gut 900 US-Dollar auf 1900 US-Dollar. In den darauffolgenden Jahren fiel der Preis wieder auf 1.048 US-Dollar im Jahr 2015. Zu Beginn der Coronakrise erwarteten viele Anleger:innen einen rasanten Anstieg des Goldpreises, der jedoch zunächst ausblieb. Erst im August kletterte der Wert dann auf einen neuen Höchststand von 2048 US-Dollar.

Doch nicht alle Krisen trieben den Goldpreis in die Höhe. So fiel der Goldpreis im Zuge des „Schwarzen Montags“ – der ersten Finanzkrise nach dem zweiten Weltkrieg – und auch 1989/1990 während der Immobilienkrise in Japan. Die Wertbeständigkeit oder gar positive Entwicklung des Goldpreises während einer Krise ist also keinesfalls garantiert. Auf der anderen Seite ist Gold eines der ältesten Zahlungsmittel. Wer massive Geldentwertung oder ein Totalversagen unserer Zahlungssysteme befürchtet, dem könnte physisches Gold als Sicherheit dienen. 

In Gold investieren: Kosten, Risiken und Tipps

Dennoch bleibt der größte Vorteil von Gold seine niedrige oder sogar negative Korrelation mit anderen Anlageklassen wie Aktien und dem US-Dollar. Sein größter Nachteil: Gold liefert keine laufenden Erträge wie Zinsen, Dividenden oder Mieten. Ertrag kann also nur über einen steigenden Goldkurs nach dem Kauf erzielt werden. In den vergangenen Jahren hat ein Investment in einen ETF auf den MSCI World ein Investment in Gold deutlich geschlagen.

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Die Kurse sind auf die Wertentwicklung seit dem 1. Januar 2011 normiert.

Zudem hat Gold nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung. Anders als etwa Silber oder Kupfer wird Gold kaum in der Industrie verarbeitet. Die Schmuckindustrie benötigt nur einen Teil der verfügbaren Ressourcen. Große Mengen lagern in den Tresoren der Notenbanken.

In der Beschaffung, Lagerung und Sicherung des Goldes liegt ein weiteres Problem. Wenn du Gold kaufst, solltest du dies in größeren Gewichtseinheiten tun, da die Herstellungskosten für kleinere Goldstücke prozentual höher sind. Außerdem solltest du aus dem gleichen Grund nur in Standard-Münzen – etwa Krugerrand – oder Barren investieren. Sammlermünzen sind in der Regel überteuert, und eine Wertsteigerung über den Goldpreis hinaus reine Spekulation.

Bei der Lagerung kommen zwei Optionen in Frage: Wenn du das Gold zuhause lagern willst, können Kosten für Lieferung, Sicherung und Versicherung entstehen. Diese schmälern deine Rendite. Du kannst Gold auch in einem Bankschließfach oder in einem zentralen Golddepot lagern – aber auch dabei entstehen Kosten, die den Gewinn schmälern.TipBox Advance Block

Die Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold sind nach einer Haltedauer von 12 Monaten steuerfrei. Auf Gold musst du darüber hinaus in der Regel keine Mehrwertsteuer zahlen.

Clevere Alternativen zum physischen Barren: ETC oder ETF auf Edelmetalle

Einfacher und in der Regel auch günstiger kannst du am Goldpreis partizipieren, wenn du in börsengehandelte Produkte wie ETFs oder ETCs investierst. Der Vorteil: ETFs und ETCs haben im Vergleich zum klassischen Barrenkauf eine geringere An- und Verkauf-Spanne. Es werden auch keine Aufgelder fällig, da vorwiegend mit 12,5 Kilo-Barren gehandelt wird.

Du kannst Gold in Form von börsengehandelten Rohstoffen, sogenannten Exchange Traded Commodities (ETCs), erwerben. Ein Gold-ETC ist eine Inhaberschuldverschreibung, die meist mit physischen Goldbeständen besichert ist. Gold-ETCs ähneln ETFs, allerdings fehlt die bei ETFs übliche Diversifizierung.

In Deutschland gibt es aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen durch die UCITS-Richtlinien keine Gold-ETFs. Der rechtliche Rahmen erlaubt nicht, Indexfonds mit nur einem Bestandteil aufzulegen. Wenn du dennoch in einen Gold-ETF investieren willst, musst du in einen breiter gestreuten Rohstoff-ETF investieren; oder in einen ETF, der auf Unter­neh­mens­aktien aus der Goldbranche spezialisiert ist. Dazu gehören neben Aktien von Unternehmen, die das Metall direkt aus den Minen gewinnen (Goldminenaktien) auch Aktien von Unternehmen, die Goldminenfirmen finanzieren (Gold-Streaming-Aktien).

Mit dem passenden Depot zum Goldbesitzer

Um in ETCs oder ETFs investieren zu können, benötigst du ein passendes Depotkonto. Am besten schaust du dazu in unseren Depotkonten-Vergleich. Bei den Top-Anbietern wie Smartbroker, Consorsbank und ING findest du zum Beispiel die folgenden ETCs bzw. ETFs:

ETCs:

  • Invesco Physical Gold ETC (WKN: A1AA5X)
  • Xtrackers Physical Gold EUR Hedged ETC (WKN: A1EK0G)

ETFS:

  • iShares Gold Producers UCITS ETF USD (WKN: A1JKQJ)
  • VanEck Vectors™ Gold Miners UCITS ETF (WKN: A12CCL)
  • ComStage NYSE Arca Gold BUGS UCITS ETF (WKN:  ETF091)
Tipp: Unterschiede bei der Besteuerung von ETFs und ETCs

Anders als beim physischen Gold zahlst du bei Gold-Wertpapieren Abgeltungssteuer auf einen Gewinn. Wertpapiere mit Anspruch auf tatsächliche Goldlieferung (wie Xetra-Gold) sind nach einem Jahr Haltedauer bislang steuerfrei. Allerdings wollte die Bundesregierung diese Börsen-Gold besteuern, das geht aus einem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 hervor. Bundesfinanzminister Olaf Scholz machte allerdings einen Rückzieher: Gewinne aus Edelmetall-Zertifikaten bleiben somit vorerst steuerfrei.

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Wie so oft bei Investitionen kommt es auch beim Gold-Kauf auf den richtigen Zeitpunkt an. Das heißt: Du solltest antizyklisch kaufen und verkaufen. Einkaufen, wenn der Preis niedrig ist: Das ist in der Regel, wenn keine Krise in Sicht ist und niemand über Gold spricht. Und verkaufen, wenn alle über Gold reden, weil der Preis wieder so hoch ist. Wenn du noch kein Wertpapierdepot besitzt, solltest du dir jetzt eins zulegen. Du kannst dein Geld zum Beispiel in weniger spekulative Wertpapiere anlegen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist, in Gold zu investieren. Ohnehin sollte Gold immer nur eine Beimischung im Wertpapierdepot sein.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.
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