Hilfe für Betrugsopfer: So gehst du gegen Scammer vor

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Verweigert dein Broker, Gewinne oder Einlagen auszuzahlen? Oder belästigt er dich mit ständigen Anrufen und E-Mails? Gut möglich, dass du einem Betrüger aufgesessen bist. Wir zeigen dir, wie du jetzt handeln solltest.

Die meisten Menschen handeln ihre Wertpapiere heutzutage online über einen Broker. Auch betrügerische Broker, sogenannte Scammer, nutzen daher in erster Linie das Internet für ihre Abzocken. Anleger:innen werden dazu angehalten, immer mehr Geld auf das Konto einzuzahlen; Auszahlungen werden unter fadenscheinigen Gründen verschleppt oder gar ganz verweigert. Der Broker ist nicht mehr zu erreichen und manchmal ist die gesamte Website plötzlich offline. Und dein Geld ist futsch.

In etwa so sieht der typische Verlauf eines Onlinebetrugs durch einen Broker-Scam aus. Wenn dir das bekannt vorkommt, solltest du weiterlesen. Vielleicht bist du bereits Opfer eines Scammers geworden. Um auf Nummer sicher zu gehen, listen wir dir hier typische Maschen auf, mit denen Scammer Menschen betrügen.

Betrug erkennen

Vorsicht ist besser als Nachsicht. Im besten Fall prüfst du Online-Broker, noch bevor du ein Konto bei ihnen eröffnest. Hier haben wir zehn Warnzeichen gesammelt, an denen du Scammer erkennst.

Drohungen und falsche Versprechungen: die Betrugsmasche der Scammer

Im Falle von Scammern überhaupt von Online-Brokern zu sprechen, ist bereits zu viel der Ehre. Tatsächlich bieten solche Betrüger gar keine Finanzdienstleistungen an. Die Website eines Scammers dient lediglich der Fassade. Verbraucher:innen wird damit vorgegaukelt, hier handele es sich um einen seriösen Broker.

Die meisten Websites sind gerade so gut ausgearbeitet, dass sie dazu animieren, ein Konto zu eröffnen, Einzahlungen zu tätigen und – per persönlicher Beratung – Anlagen zu tätigen. Dabei findet nicht wirklich eine Anlage statt. Vielmehr wird diese nur vorgegaukelt. Und auch erste vermeintliche Gewinne sind nicht real, sondern dienen lediglich dazu, die Betrugsopfer bei der Stange zu halten.

So erkennst du, ob dein Broker ein Scammer ist

Die folgenden Methoden gehören zum Standardrepertoire der Betrüger. Sie dienen einzig dem Zweck, Betrugsopfern mehr Geld abzunehmen. Ist das Geld einmal auf den Konten der Scammer, haben Anleger:innen wenig Chancen, es zurückzubekommen.    

  • Scammer schaffen Anreize dafür, weitere Personen zu dem vermeintlichen Broker einzuladen.
  • Sie bieten Geschenke für weitere Einzahlungen auf das Verrechnungskonto.
  • Scammer versprechen Gewinne.
  • Sie fordern Dokumente von dir, etwa Fotos oder beidseitige Scans deiner Kreditkarte.
  • Manche möchten Fernwartungs-Software wie AnyDesk oder Teamviewer auf deinem Computer installieren. Damit versuchen sie, deinen Computer zu manipulieren, Transaktionen auszulösen und sich Zugang zu deinem Bankkonto zu verschaffen.
  • Scammer rufen ständig an und schreiben viele E-Mails.
  • Angebliche persönliche Berater:innen helfen dir bei einer – anfangs vermeintlich erfolgreichen – Anlagestrategie. Ein einsehbares und voll funktionsfähiges Online-Depot gibt es hingegen in der Regel nicht. Der finanzielle Aufwand der Technik wäre für die Scammer zu groß.
  • Der Berater oder die Beraterin gibt vor, für dich Tradinggeschäfte abzuschließen.  
  • Anschließend verlierst du mehr und mehr. Der Scammer drängt dich zu weiteren Investitionen, um die Verluste wettzumachen.
  • Du kannst dir dein Geld nicht auszahlen lassen. Übliche Ausreden geben dafür technische, administrative oder rechtliche Gründe an.
  • Du kannst dir dein Geld angeblich nur dann auszahlen lassen, wenn du offene Rechnungen begleichst, z. B. für ausstehende Provisionen, erfundene – meist britische – Steuern oder zur Kredittilgung. Aber auch danach erhältst du dein Geld nicht zurück.
  • Möchtest du dein Konto schließen, bietet dir der Scammer einen Bonus an, der höher ausfällt, wenn du ihn auf dein Verrechnungskonto einzahlst.      
  • Sobald du dich entschließt, zu kündigen und dein Geld abzuheben, ist der Broker nicht mehr oder nur sehr schwer per Telefon oder E-Mail zu erreichen.
  • Angebliche Anwaltskanzleien und Agenturen melden sich bei dir, um dir zu helfen, dein Geld zurück zu bekommen. Diese sind jedoch sehr wahrscheinlich Teil der Betrugsmasche.
  • Der Broker verschwindet und seine Website ist nicht mehr zu erreichen.

Anbieter in der Scammer-Liste suchen

Wir haben eine Liste mit über 500 Scammern und unseriösen Brokern zusammengestellt. Ist dein Broker hier gelistet, ist auch das ein starker Hinweis darauf, dass es sich um einen Betrüger handelt.

Wie gehe ich gegen einen Betrug vor?

Wenn du ähnliche Erfahrungen gemacht hast wie die, die wir beschrieben haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass du einem betrügerischen Broker aufgesessen bist. Was kannst du nun tun, um gegen den Betrug vorzugehen? Die schlechte Nachricht vorweg: Dein Geld wirst du wohl nicht mehr wiedersehen. Umso wichtiger ist es, dass du – egal, was der Scammer sagt – keine weiteren Einzahlungen vornimmst.

Wichtigste To-Dos im Betrugsfall

  • Sehr wichtig: Bewahre Ruhe und hole Expert:innen ins Boot.
  • Versuche nicht, das Problem auf eigene Faust zu lösen. Das könnte die Situation erschweren.
  • Melde den Betrug deiner Hausbank. Diese kann verdächtige Zahlungen auf deinem Konto blockieren.
  • Melde den Schaden deiner Versicherung, z. B. der Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung.
  • Melde den Betrug der BaFin.
  • Melde den Betrug der Polizei; auch dann, wenn du keinen großen finanziellen Schaden erlitten hast, denn die Betrüger:innen verfügen über deine persönlichen Daten. Für den Fall, dass mit deinen Daten Dritte betrogen werden, hast du einen Nachweis darüber, am Betrug nicht beteiligt zu sein.
  • Melde die Website bei ihrem Domainhoster. Über https://www.united-domains.de/whois-suche/ kannst du u.a. den Hoster recherchieren.
  • Melde die Website auch verschiedenen Browserbetreibern: Bei Google Chrome melden, bei Microsoft Edge melden, bei Mozilla Firefox melden
  • Sammle Beweise für den Betrug: E-Mails, Screenshots, WhatsApp-Nachrichten speichern und ein Gedächtnisprotokoll anlegen.
  • Brich den Kontakt mit dem Scammer ab.
  • Hast du eine Kreditkarte für die Zahlungen verwendet, lass sie sperren und fordere lieber eine neue Kreditkarte an.
  • Teile die Details des Betrugs mit anderen Menschen, z. B. in einem Finanzforum. So warnst du andere und findest womöglich Menschen, die ebenfalls Opfer der Scammer geworden sind.
  • Vernetze dich mit anderen Opfern, um ggf. eine Sammelklage anzustreben.
  • Schäm dich nicht und fühl dich nicht dumm: Scammer sind Profis.

Meldung an die Behörden

Wie in unserer To-Do-Liste bereits erwähnt, ist es wichtig, dass du den Betrug meldest. Auf diese Weise können Polizei und Behörden gegen die Scammer vorgehen. Wieviel die Behörden ausrichten können, hängt jedoch auch davon ab, wo der Scammer seinen Sitz hat.

Betrug bei der Polizei melden

Um den Scammer polizeilich zu melden, hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst einerseits eine Anzeige gegen die Betreiber erstatten. Andererseits ist es jedoch auch möglich, dem Bundeskriminalamt (BKA) einen Hinweis zu geben. Für die Anzeige könntest du in das nächstgelegene Polizeirevier gehen. Du hast aber auch die Möglichkeit, online eine Anzeige zu erstatten.

Online Anzeige erstatten: https://www.bka.de/DE/KontaktAufnehmen/Strafanzeigen/strafanzeigen_node.html

Online BKA Hinweis auf den Betrug geben: https://www.bka.de/DE/KontaktAufnehmen/HinweisGeben/Hinweisportal/hinweisportal_node.html

Kontakt mit Finanzbehörden aufnehmen

Bevor du dich an ausländische Behörden wendest, solltest du Kontakt zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz: BaFin, aufnehmen.

Unter folgendem Link kannst du eine Beschwerde einreichen: https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/BeschwerdenStreitschlichtung/BeiBaFinbeschweren/BeiBaFinbeschweren_node.html;jsessionid=669B048F11D510F6C6DA295D5896F19A.1_cid394

Solltest du an dieser Stelle nicht weiterkommen, etwa weil der Scammer im Ausland sitzt, kannst du dich an die Behörden des Landes wenden, in dem der Scammer (vermeintlich) reguliert ist. Viele Scammer geben an, in Großbritannien registriert zu sein. In dem Fall wäre die britische Financial Conduct Authority (FCA) eine wichtige Anlaufstelle.

Unter folgendem Link kannst du einen Betrug melden: https://www.fca.org.uk/consumers/report-scam-us

Weitere wichtige Behörden sind die European Security and Markets Authority (ESMA), die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA und die Cyprus Securities and Exchange Commission (CySec).

Hat der Scammer seinen Sitz in der Schweiz, kannst du ihn direkt bei der FINMA melden: https://www.finma.ch/de/finma-public/meldung-erstatten/

Viele unseriöse Broker sind in Zypern registriert. Die Grenze hin zu Scammern ist fließend. Möchtest du einen Broker melden, kannst du dem zypriotischen Finanzombudsmann eine E-Mail schreiben oder ein entsprechendes Formular verwenden:

[email protected]

http://www.financialombudsman.gov.cy/forc/forc.nsf/page16_en/page16_en?OpenDocument

Saskia ist promovierte Germanistin und arbeitet seit 2017 im Finanzbereich. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wertpapierdepot sowie bei Unfall- und Sterbegeldversicherung.

Hilfe bei Betrug

Du bist Opfer von Betrügern geworden? Oder hast Fragen zum Thema? Gern kannst du dich mit uns und der Community austauschen.

Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
  • Guten Morgen. Ich heiße Alex. Ich bin Opfer von cryptocco.com und cco8899.com geworden. Ich habe ca. 68000€ in Kryptowärung investiert und von Binance aus auf das Konto den Betrügern eingezahlt. Als ich etwas auszahlen wollte, dann ging es nicht. Ich musste erstmal 10 % Steuer bezahlen. Habe ich bezahlt. Danach musste ich 20% Sicherheitsgebüren gegen Geldwäsche bezahlen. Da wurde ich wach, habe im Internet gleiche Masche entdeckt.Am 25.06.2021 habe ich bei der Polizei Anzeige erstatten. Ob da sich etwas tut? Keine Ahnung. Der Betrüger bleibt mit mir immer noch in WhatsApp Kontakt, der will natürlich mich überzeugen, die 20% zu bezahlen, um an das gesamte Gelg kommen zu können. Das blöde ist, dass ich keine Privat Rechtschutzversicherung habe. Ich muss jetzt trotzdem einen Anwalt suchen und selber bezahlen. Kann mir jemand eine Kanzlei empfehlen, die darauf spezialisiert ist und positive Ergebnisse erzielt hat. Vielen herzlichen Dank in voraus.

    • Hallo liebe:r User:in,

      vielen Dank für deinen Hinweis, wir haben beide Seiten in unsere Scammerliste aufgenommen, um zur Aufklärung und Information anderer Anleger:innen beitragen zu können. cryptocco.com ist aktuell schon nicht mehr erreichbar. cco8899.com verwendet kein http, auf der Seite ist kein Impressum zu finden und es gibt keine deutsche Version des Webauftritts – alles Zeichen, die auf einen Scammer hinweisen können.
      Tut uns leid, dass du Opfer geworden bist.
      Vielleicht schaust du dich mal bei https://www.resch-rechtsanwaelte.de/ um.

      Viel Erfolg und viele Grüße,
      Saskia (Redaktion)

  • Hallo, ich möchte gerne Florian Steiner Trading melden in Verbindung mit dem Broker Libertex. Florian Steiner hat mehrere Internet Auftritte manche absolut banal einige wirken erstmal seriös ( Wirtschaftsanzeiger). Er macht es besonders schlau was ich so perfide finde. Es wird kein Druck oder ähnliches gemacht man handelt auch selbst und erhält nur seine Signale die natürlich zu 70% schlecht sind. Ich hatte Glück und bin ohne große Verluste ausgestiegen. Zum Broker Libertex ist es mir unerklärlich das der Broker eine Lizenz hat. Die ständigen Serverausfälle unübersichtlichen Spreads und Falsche Börsenkurse dürften meiner Meinung nicht sein. Nach 2 Jahren „Erfahrung“ würde ich gerne andere warnen.

    • Hallo Sebastian!

      Vielen Dank für deinen Hinweis! Florian Steiner scheint zu den YouTubern zu gehören, die den Leuten weismachen, dass man ihnen nur nachtraden muss und schon ist man in 10 Tagen Millionär. Tja, schön wärs… Zu Libertex: Betrugsmeldungen zu dem Broker gibt es nicht. Allerdings ist er nicht in der Unternehmensdatenbank der BaFin zu finden, obwohl er seine Dienste in Deutschland anbietet. Der Firmensitz liegt außerdem in der Steueroase Zypern – es ist definitiv Vorsicht geboten.

      Viele Grüße,
      Saskia (Redaktion)

    • Hallo Sebastian!

      Vielen Dank für deinen Hinweis! Florian Steiner scheint tatsächlich zu den YouTubern zu gehören, die mit der Masche á là: Trade mir nach und du bist in zehn Tagen Millionär“ versuchen, Leute dazu zu bringen, in Hochrisikoprodukte zu investieren. Das ist natürlich höchst unseriös! Zu Libertex liegen aktuell keine Betrugswarnungen vor. Allerdings ist der Broker nicht bei der BaFin gelistet, obwohl er seine Dienste explizit in Deutschland anbietet. Außerdem sitzt er in der Steueroase Zypern. Wir können nur raten, sehr vorsichtig zu sein und lieber kein Geld zu investieren.

      Viele Grüße,
      Saskia (Redaktion)

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