Betrug bei Online-Brokern: 10 Warnsignale für unseriöse Depotanbieter

Das Internet ist vieles, auch ein Marktplatz für betrügerische Angebote. Nicht jeder Broker, der eine eigene Website hat, arbeitet zwangsläufig seriös. Damit du nicht in die Falle tappst und durch Betrug Geld verlierst, haben wir an dieser Stelle die wichtigsten Anzeichen für betrügerische Scammer gesammelt. Bist du am Ende der Lektüre immer noch unsicher, kontaktiere uns einfach über das Kommentarfeld.

Geld einzahlen und immer wieder Geld einzahlen: Letztlich läuft jede betrügerische Masche von unseriösen Online-Brokern darauf hinaus. Mit verschiedenen Methoden sollen Kund:innen dazu gebracht werden, immer mehr Geld auf das Verrechnungskonto zu überweisen. Wenn man sich das Geld jedoch wieder auszahlen lassen möchte, gehen die Anbieter auf Tauchstation.

Die Maschen der Scammer

Kund:innen werden mit niedrigen Einstiegssummen geködert, schnelle Gewinne sorgen für ein gutes erstes Gefühl, was die Renditeerwartungen betrifft. Drängende Anrufe von „persönlichen Brokern“ des Anbieters tun ihr Übriges dazu, dass Anleger:innen mehr Geld einzahlen, als sie sollten. Immerhin, so die Callcenter-Broker, habe man ja mit den ersten Investments gute Gewinne erzielt. Nach der folgenden Einzahlung läuft es dann aber plötzlich nicht mehr so gut an der Börse. Beim nächsten Anruf heißt es, man könne die Verluste nur ausgleichen, wenn man jetzt noch mehr investiere. Diese und ähnliche Maschen werden oft über lange Zeit hinweg verfolgt. Das eingezahlte Geld sehen die meisten Betrugsopfer nicht mehr wieder.

Kampf gegen Brokerbetrug in Spanien

Unser Partnerportal brokeronline.es ist die wichtigste Plattform für Aufklärung über unseriöse Broker in Spanien und Lateinamerika. Unsere Kolleg:innen haben eine Liste mit über 500 betrügerischen Broker erstellt und unterstützen uns bei der Recherche zu ähnlich kriminellen Angeboten im deutschsprachigen Raum. Viele der identifizierten Broker sind auch hierzulande tätig. Die Scammer-Liste ist mittlerweile auch auf Deutsch verfügbar.

10 Warnsignale für unseriöse Broker

Die folgenden Kriterien solltest du überprüfen, wenn du dir das Angebot eines dir unbekannten Brokers genauer ansiehst und erwägst, dort ein Depotkonto zu eröffnen. Nicht jedes der Warnsignale bedeutet für sich genommen, dass der Broker unseriös ist und nur an dein Geld will. Aber die Masse macht’s: Je mehr der Kriterien bei einem Anbieter auftauchen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich tatsächlich um einen betrügerischen Scammer handelt. 

Warnsignal 1: Fehlendes oder unvollständiges Impressum

Ein fehlendes Impressum sollte dir ein absolutes Warnzeichen sein. Das Impressum auf der Website des Online-Brokers fehlt nicht einfach aus Versehen oder aus technischen Gründen. Es ist ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt mit dem Broker. Das Impressum sollte außerdem vollständig sein und über Folgendes informieren:

  • Name / Unternehmen des Webseitenbetreibers
  • Postanschrift inkl. Straße, Hausnummer, Ort und Land
  • Telefonnummer oder E-Mail: Beides sollte auch tatsächlich funktionieren
  • Angaben zum Unternehmen: Rechtsform, Vertretungsberechtigte(r), ggf. Handelsregistereintrag und Angaben zur regulierenden Behörde

Warnsignal 2: Firmensitz im Ausland

Befindet sich der Firmensitz des Brokers im Ausland, ist das nicht zwangsläufig ein schlechtes Signal. Immerhin dürfen Finanzdienstleister wie Online-Broker in der gesamten EU tätig sein, sofern Sie bei der Regulierungsbehörde eines EU-Staates registriert sind. Nichtsdestotrotz ist es schwieriger, im Falle eines Betrugs das eigene Recht durchzusetzen, wenn sich der Firmensitz im Ausland befindet – selbst, wenn es sich um einen EU-Staat handelt. Noch schwieriger wird es, wenn der Broker im außereuropäischen Ausland sitzt. Dann haben geprellte Kund:innen sehr geringe Erfolgsaussichten, überhaupt eine Klage anzustrengen.

Screenshot einer Adressangabe eines Scammers
Adressangabe eines Scammers mit Sitz in Dominica (Karibik)

Ein Postfach in der Steueroase

Ein Firmensitz im Ausland sollte dir insbesondere dann zu denken geben, wenn es sich dabei um ein bekanntes Steuerparadies handelt. Wer Steuern am Fiskus vorbei schleust, sollte sich dein Vertrauen bereits verspielt haben. Noch fragwürdiger ist, wenn es sich bei dem Sitz lediglich um ein Postfach handelt bzw. dutzende oder hunderte Unternehmen unter der gleichen Adresse gemeldet sind.

Warnsignal 3: http statt https

Moderne Webseiten haben mittlerweile das Sicherheitsprotokoll https. Alte Webadressen, die lediglich ein „http://“ am Anfang stehen haben, sind nicht verschlüsselt. Für ein Finanzunternehmen ist das aus Sicherheitssicht mindestens fahrlässig. Achte also auf das „https://“ am Anfang der Webadresse. Aktuelle Browser stellen den Anfang einer verschlüsselten Webadresse auch mit „Sicher“ oder einem Schlosssymbol dar. Dabei handelt es sich um ein verschlüsseltes Protokoll. Bedenke jedoch, dass eine Website nicht zwangsläufig seriös ist, nur weil sie verschlüsselt ist.

Warnsignal 4: Ungewöhnliche Top Level Domains

Deine Alarmglocken sollten auch am anderen Ende der URL schrillen, wenn es sich um eine ungewöhnliche Top Level Domain (TLD) handelt. Du kennst sicher „.de“, „.com“ oder auch „.net“. Es gibt aber viele andere wie „.io“, „.cc“ oder „.tk“. Insbesondere Letztere ist bei Scammern beliebt, da sie kostenlos verwendet werden kann. Scammer nutzen ungewöhnliche TLDs oft, um bekannte Webadressen zu kopieren, u.a. mit der Endung „.co“. Aus „www.dein-broker.com“ wird dann schnell mal „www.dein-broker.co“. Der kleine Unterschied wird im Eifer des Gefechts schnell mal überlesen.

Screenshot einer Webadresse eines Scammers
Webadresse ohne Verschlüsselungs-Protokoll und mit unüblicher TLD

Warnsignal 5: Kein Eintrag in der Unternehmensdatenbank der Bafin

Über das Webportal der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kannst du europäische Finanzunternehmen recherchieren, die in Deutschland tätig sind. In der Unternehmensdatenbank findest du auch Einträge von Unternehmen, die bei anderen europäischen Regulierungsbehörden registriert sind. Taucht ein Broker, der seine Dienste in Deutschland anbietet, dort nicht auf, ist das ein schlechtes Zeichen.  

Screenshot der Unternehmensdatenbank der BaFin
Die Unternehmensdatenbank der BaFin

Scammer bei der FCA recherchieren

Auch bei der britischen Finanzaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) kannst du nach betrügerischen Brokern recherchieren. Der Vorteil gegenüber der BaFin: Die Datenbank der FCA listet explizit Unternehmen, die sie nicht autorisiert hat. Wer dort auftaucht, ist also mindestens fragwürdig.

Warnsignal 6: Einschlägige Einträge in Foren

Nicht nur bei der BaFin und der FCA kannst du dich über (vermeintliche) Broker informieren, sondern auch in Finanzforen. Ist ein Scammer am Werk, sind ihm vermutlich auch andere schon auf den Leim gegangen. Viele erkundigen sich dann in Foren, ob andere Anleger:innen bereits Erfahrungen mit einem bestimmten Broker sammeln konnten.    

Warnsignal 7: Unzureichende Dokumente

Ein untrügliches Anzeichen, dass es sich bei einem Broker um einen Betrüger handelt, ist das Fehlen wichtiger juristischer Dokumente. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), spezielle produktbezogene Geschäftsbedingungen, Hinweise zu Datenschutz und Vertragsbedingungen, ein Preis-Leistungs-Verzeichnis, eine Rechtsbelehrung: Das sind alles Dokumente, die in Form eines PDFs zum Download bereitstehen sollten. Bei der Prüfung dieser Dokumente solltest du auch darauf achten, dass diese in orthografisch und grammatisch korrekter deutscher Sprache formuliert sind und über keine offensichtlich unwirksamen Klauseln verfügen. Gegebenenfalls solltest du die Dokumente von einem Profi checken lassen. 

Warnsignal 8: Schlechte Übersetzung der Website-Inhalte

Viele Scammer möchten mit möglichst wenig Aufwand die größtmögliche Gruppe von Anleger:innen ansprechen. Die Websites der Scammer sind daher meist in mehrere Sprachen übersetzt. Lies dir die angebotenen Texte in Ruhe durch. Bei Scammern wirst du Texte finden, die automatisch per Translator übersetzt wurden und genauso klingen.

Schlechter Werbetext eines Scammers

Warnsignal 9: Bankverbindung und Zahlungsarten

Auch die Bankverbindung oder die akzeptierten Zahlungsarten können Hinweise darauf geben, ob ein Broker kriminell arbeitet. Der Broker hat seinen Sitz angeblich in Großbritannien, gibt allerdings Bankverbindungen in ganz anderen Ländern zum Beispiel in Ost- oder Südosteuropa an? Das ist ein schlechtes Zeichen.

In den vergangenen Jahren haben außerdem Kryptowährungen einen Siegeszug angetreten. Zahlungsströme in Kryptowährungen können nicht nachvollzogen werden. Gestohlenes Geld verschwindet damit also auf Nimmerwiedersehen. Akzeptiert ein Broker ausschließlich Zahlungen an eine Kryptowallet, solltest du Abstand nehmen.   

Warnsignal 10: Unerwünschte Anrufe von Mitarbeiter:innen

Ein fester Bestandteil vieler betrügerischer Maschen sind unerwünschte und regelmäßige Anrufe durch angebliche Berater:innen. Im Gegensatz zu den anderen Warnsignalen kannst du das erst prüfen, wenn du bereits bei dem Broker Kunde oder Kundin bist und es gewissermaßen „zu spät“ ist. Oft sitzen die Berater:innen in Call-Centern im Ausland und drängen Kund:innen dazu, mehr Geld auf das Konto einzuzahlen – etwa um mit neuen Investments Verluste auszugleichen oder um bereits erzielte Gewinne noch zu vergrößern. Dieses Verhalten ist hochgradig unseriös. Spätestens wenn du solche Anrufe erhältst, solltest du eingehend prüfen, ob dein Broker ein Scammer ist und dich informieren, wie du gegen den Betrug vorgehen kannst. Oft kommen solche Anrufe auch von unseriösen Vermögensberater:innen, mit denen du zuvor noch keinen Kontakt hattest. Bei solchen sogenannten Cold Calls sollten deine Alarmglocken ebenfalls klingeln.

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.

Unseriöse Broker: Erfahrungen, Fragen, Austausch

Du bist im Netz bereits auf unseriöse oder betrügerische Broker gestoßen? Oder du bist dir bei einem Anbieter nicht sicher? Gern kannst du uns Verdachtsfälle melden und dich mit uns und der Community austauschen.

Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
  • Hi,
    Deine Seite ist echt Hilfreich. Vielen Dank. Hat mir bereits viele Fragen beantwortet.
    Dennoch komme ich in einem Punkt nicht weiter.
    Ich interessier mich für folgende Broker:
    El Faro Fund Limited
    werde aber nicht so ganz fündig wie weit die Seriös sind. Mein Englisch ist leider nur für den Hausgebrauch, und um so schwerer ist für mich die recherche. Kannst Du mir hier bitte weiterhelfen?
    Der Broker hat mir Unterlagen nur in Englisch als Vertrag zukommen lassen muss ich hier Hellhörig werden?

    Vielen Dank.
    Liebe Grüße Anna

    • Hallo Anna,
      soweit ich das sehe, handelt es sich bei El Faro Fund Limited nicht um einen Broker, sondern um eine in Gibraltar registrierte Fondsgesellschaft. Inwieweit das Unternehmen betrügerisch handelt, können wir auf die Schnelle nicht sagen. Jedoch sollte man nichts abschließen, das man nicht auch vollumfänglich versteht. Außerdem ist El Faro Fund in Gibraltar lediglich für das Geschäft mit „Experienced Investor Funds“ zugelassen. Man sollte sich also sehr gut auskennen mit Finanzprodukten, um dort zu investieren. Wenn deine Finanzkenntnisse und -erfahrungen bisher nicht abgefragt wurden, ist das eher ein negatives Zeichen.
      Folgende Warnsignale sind uns außerdem aufgefallen:
      1.) Unverschlüsselte Website
      2.) Kein vollständiges Impressum
      3.) Wichtige Dokumente nicht vorhanden oder nur in englischer Sprache verfügbar
      4.) In ihrem Disclaimer (Haftungsausschluss) wird fälschlicherweise nicht auf die El Faro Fund Limited Bezug genommen, sondern auf eine frühere Firma der Inhaber, El Mago Asset Management, die im Steuerparadies Cayman Islands registriert war
      5.) Die zuständige Regulierungsbehörde in Gibraltar verlinkt nicht auf die Website von El Faro Fund Limited. Man kann also nicht ausschließen, dass sich ein möglicher Betrüger nur des Namens einer anderen regulierten Firma bedient hat.
      6.) Google-Nutzer bringen die Adresse des Fonds in Gibraltar mit betrügerischen Online-Casinos in Verbindung. Hier muss nicht zwingend ein Zusammenhang zu El Faro Fund bestehen, aber ein gutes Signal ist es nicht.

      Ich hoffe, wir konnten dir weiterhelfen. Wenn du weitere Fragen hast, melde dich gern.

      Viele Grüße,
      Matthias (Redaktion)

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