So erkennst du unseriöse Angebote von vermeintlichen Finanzberater:innen

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Sich in Geldfragen Rat einzuholen, ist erst einmal gut. Aber bevor du den ersten Euro in eine Geldanlage investierst, die dir jemand empfohlen hat, solltest du Recherche betreiben. Hinter manchen Angeboten verbergen sich unseriöse Berater:innen, deren Ziel es ist, dir mit obskuren Anlagen Geld abzuknöpfen. Wir zeigen dir, worauf du achten solltest.

Viele trauen sich nicht zu, selbst Geld anzulegen und legen ihr Erspartes in die Hände von Expert:innen. Daran ist absolut nichts Verwerfliches. Doch einige von ihnen versprechen Dinge, die zu schön sind, um wahr zu sein: Horrende Renditen bei gleichzeitig hoher Sicherheit, finanzielle Unabhängigkeit, den Geheimtipp schlechthin und so weiter. Geschmückt wird das Ganze oft noch mit ein bisschen Emotion. Wir zeigen dir, mit welchen Maschen dir diese Leute das Geld aus der Tasche ziehen wollen und was du dagegen tun kannst.

Was macht seriöse Finanzberatung aus?

Das Wichtigste vorweg: Was unterscheidet seriöse von unseriösen Vermittler:innen? Hier einige Merkmale seriöser Beratungsangebote:

  • Sie informieren dich in mindestens einem ausführlichen persönlichen Gespräch über die Geldanlage, mögliche Renditechancen, Risiken, Kosten und den Ablauf.
  • Die Person kann Referenzen vorweisen und hat im Idealfall ein Zertifikat einer seriösen Prüfstelle, beispielsweise der IHK.
  • In der Beratung wird auf deine individuelle finanzielle Situation und deine Wünsche eingegangen und abgefragt, wie viel Risiko du eingehen willst.
  • Du kannst jederzeit Fragen stellen und erhältst ausführliche und kompetente Antworten.
  • Du kannst jederzeit eine weitere Person als Zeugin ins Gespräch mitnehmen.
  • Bevor du etwas unterschreibst, erhältst du alle nötigen Informationen schriftlich, damit du in Ruhe alles durchgehen kannst.
  • Dir wird genug Bedenkzeit eingeräumt und es wird kein Druck aufgebaut.
  • Die Berater:innen erstellen ein Beratungsprotokoll.
  • Bevor du den Vertrag unterzeichnest, wirst du über die Widerrufsmöglichkeiten aufgeklärt.
  • Die Berater:innen klären dich transparent darüber auf, welche Provision sie erhalten.

Mehr Infos zu seriöser Finanzberatung hier im Ratgeber.

Unseriöse Angebote erkennen

Doch woran erkennt man nun, dass ein Beratungsangebot nicht vertrauenswürdig ist? Wir haben dir einige Anzeichen zusammengestellt, bei denen du stutzig werden solltest.

Anzeichen 1: Ungefragte Kontaktaufnahme

Schon bei der Kontaktaufnahme kannst du erkennen, ob du es mit einem seriösen Angebot zu tun hast oder nicht. Im Normallfall kontaktieren dich die vermeintlichen Vermögensberater:innen ungefragt per Telefon oder E-Mail. Deine Kontaktdaten haben sie entweder irgendwo gekauft oder sie versuchen wahllos ihr Glück.

Rechtslage: Cold Calls sind verboten

Cold Calls, also unerwünschte Werbeanrufe, sind nicht erlaubt. Die Kaltakquise von Privatpersonen ist schon seit 2009 verboten. Seit 2013 wird bei Verstößen bis zu 300.000 Euro Strafe fällig. Hast du einer Vermögensberatung also vorab nicht ausdrücklich eine Erlaubnis erteilt, dürfen sie dich nicht einfach anrufen. Du kannst daher mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Anrufer:innen betrügerische Absichten haben. Seriöse Finanzberater:innen würden ihr Geschäft nicht aufs Spiel setzen, um dich ohne vorheriges Einverständnis zu kontaktieren.

Anzeichen 2: Versprechungen und Deadlines

Lässt du dich am Telefon auf ein Gespräch ein oder besuchst du gar Geschäftsräume, kommen meist folgende Aussagen:

  • Die Berater:innen versprechen eine Geldanlage, die garantiert hohe Renditen bringt (oft im zweistelligen Prozentbereich), aber zeitgleich auch risikoarm ist
  • Die Anlage kostet dich praktisch nichts und wird exklusiv nur für dich bereitgestellt
  • Deine bisherigen Produkte bei herkömmlichen Banken seien unrentabel und teuer und sollten gekündigt werden
  • Das Angebot ist zeitlich begrenzt, so dass du schnell handeln musst
  • Du erfährst nicht im Detail, wie die Anlage genau funktioniert bzw. bekommst keine schriftlichen Informationen ausgehändigt (Verkaufsprospekt, Beratungsprotokoll, AGB oder Vertragsinformationen)
  • Haben die Berater:innen einen Internetauftritt, findest du hier nur unzureichende Informationen zum Geschäftsmodell

Achtung, Schneeballsystem!

Auch, wenn Freund:innen oder Bekannte dir eine Vermögensberatung empfehlen, musst du skeptisch bleiben. Oft steckt hier ein Schneeballsystem dahinter: Das Geld von neueren Kund:innen wird genutzt, um frühere auszuzahlen und diesen so eine vielversprechende Geldanlage vorzugaukeln. Es kann also gut sein, dass deine Bekannten sogar eine gute Rendite erhalten haben. Finden sich jedoch nicht genug weitere Anleger:innen, gehst du womöglich leer aus.

Anzeichen 3: Emotionale Aussagen

Die Anrufer:innen sind meist psychologisch geschult. Geschickt können sie dir im Gespräch das Gefühl vermitteln, du wärst bescheuert, wenn du das Angebot nicht annimmst. Sie üben unterschwellig Druck aus, dass du dich schnell entscheiden musst, am besten sofort. Oft wird mit emotionalen Aussagen gearbeitet („Möchten Sie nicht finanziell für Ihre Kinder vorsorgen?“) oder ein Gefühl von freundschaftlicher Verbundenheit vorgegaukelt.

Anzeichen 4: Keine oder wenige schriftliche Informationen

Einen Vertrag, Konditionen und ein Informationsblatt zur Anlage erhältst du erst nach mündlicher Vertragszusage oder gar nicht. Wichtige Informationen wie AGB, Widerrufsbelehrung, Preisblätter oder Prognosen fehlen.

Anzeichen 5: Sie fordern immer mehr Geld

Arglose Kund:innen überweisen meist erst kleine, später oft immer größere Geldbeträge an die Berater:innen. Entweder wird dein Geld gar nicht oder in fragwürdige bzw. hochspekulative Geldanlagen investiert. Die erste Anlage ist laut Aussage der Berater:innen natürlich erfolgreich, um dich zu riskanteren Geschäften zu verleiten. Von der angeblich hohen Rendite siehst du dann aber nichts mehr.

Anzeichen 6: Du erreichst niemandem mehr

Irgendwann fällt dir auf, dass du nur zahlst und nie etwas bekommst. Dann sind die Vermögensberater:innen aber oft schon über alle Berge. Per Telefon erreichst du niemanden und die Geschäftsstelle ist leer – wenn es sie je gab.

Unseriöse Broker erkennen

Handelt es sich nicht um eine persönliche Beratung, sondern um das Angebot, dich bei einem Broker zu registrieren? Dann bist du möglicherweise bei einem Scammer gelandet. An diesen zehn Warnsignalen erkennst du, ob dein Broker ein Betrüger ist.

Das kannst du tun

Die schlechte Nachricht vorweg: Ist dein Geld erst einmal investiert, ist es leider so gut wie unmöglich, noch viel zu unternehmen. Besonders gilt das für ausländische Konten. Du solltest dennoch eine Strafanzeige stellen und den Vorgang an die Behörden melden.

Es ist also umso wichtiger, dass du vorab recherchierst und gar nicht erst auf das Angebot der Finanzberater:innen hereinfällst. Am einfachsten ist es, aufzulegen und die Nummer zu blockieren. Folgende weitere Optionen hast du außerdem:

  • Notiere dir den Namen des Anrufers oder der Anruferin, Zeit und Datum des Anrufs sowie ggf. weitere Kontaktdaten. Dein Gegenüber ist verpflichtet, dir diese Daten auszuhändigen. Lass dich nicht abwimmeln. Gibt er oder sie diese Info nicht heraus, hast du den endgültigen Beweis, dass es sich um Betrug handelt. Hast du Kontaktinfos bekommen, recherchiere sie ggf. online nach. Es könnte sich auch einfach um eine falsche Adresse handeln.
  • Sprich mündlich ein Werbeverbot aus und schicke zusätzlich per Brief oder E-Mail ein schriftliches Werbeverbot, das die Empfänger:innen schriftlich bestätigen sollen. Erstelle Kopien vom Schriftverkehr.
  • Melde die Kontaktaufnahme der Bundesnetzagentur und informiere sie über die unseriösen Praktiken. Das geht auch per Online-Formular. Mehr Informationen findest du bei der Bundesnetzagentur selbst.
  • Hast du am Telefon schon mündlich einem Vertrag zugestimmt, widerrufe diesen schriftlich innerhalb der nächsten 14 Tage.
  • Falls du deine Kontodaten bereits herausgegeben hast, beobachte in den kommenden Wochen deine Kontobewegungen und informiere deine Bank über den Vorgang, damit sie ggf. Zahlungen stoppen kann.
  • Hast du bereits Geld investiert, solltest du auch eine Strafanzeige bei deiner örtlichen Polizeibehörde stellen.
  • In unserem Ratgeber Vorgehen gegen Scammer findest du noch weitere Infos dazu, was du tun kannst.
Wichtig:

Ruft dein Gesprächspartner mit unterdrückter Nummer an, ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 10.000 Euro Bußgeld bestraft werden kann. Auch Ping-Anrufe, also Anklingeln lassen, ist nicht gestattet. Mehr Infos zu diesen Betrugsformen und welche Möglichkeiten du hier hast, erfährst du ebenfalls bei der Bundesnetzagentur im Ratgeber zu Ärger mit Anrufen.

Unerwünschte Briefe und E-Mails

Bekommst du Beratungsangebote per Post oder E-Mail, kommt es darauf an, ob das Angebot persönlich an dich adressiert ist oder nicht. Ist ein Brief mit deinem Namen und Adresse versehen, hat das Unternehmen deine Daten aus dem Internet, einem öffentlichen Verzeichnis oder von einer anderen Firma erhalten, bei der du Kund:in bist und bei der du der Kontaktaufnahme zu Werbezwecken zugestimmt hast.

Du kannst hier Kontakt per Mail oder Post aufnehmen und der Finanzberatung verbieten, dich noch einmal zu kontaktieren. Die Verbraucherzentrale hat dazu auch einen Musterbrief als pdf. Dort kannst du den Kontakt auch melden. Zusätzlich solltest du dich in die sogenannte Robinson-Liste eintragen lassen. Deine Adresse wird dann auf eine Blacklist gesetzt, damit du keine unerwünschte Werbung erhältst. Gerade unseriöse Berater:innen hält dies aber leider meist nicht ab.

Tipp:

Schließt du bei seriösen Firmen Verträge oder eröffnest Accounts, achte ganz genau darauf, wo du dein Häkchen setzt. Oft sind auch sie sehr geschickt darin, dir Werbung über Drittfirmen aufzuzwängen. Du kannst jederzeit schriftlich dein Einverständnis widerrufen und darum bitten, deine Adresse für Werbezwecke zu löschen – sogar bei Drittanbietern. Seriöse Firmen werden deine Adresse zwar nicht an Betrüger:innen weitergeben; dennoch kannst du unerwünschte Werbung so stoppen.

„Keine Werbung“ hilft nicht immer

Erhältst du ein Beratungsangebot als Postwurfsendung ohne persönliche Daten, hilft oft schon der Hinweis „Keine Werbung“ an deinem Briefkasten. Viele Zusteller:innen ignorieren diese Aufforderung jedoch gerne. Auch in diesen Fällen kontaktierst du die betreffende Firma und verbietest es ihnen. Zusätzlich meldest du den Vorfall am besten bei der Verbraucherzentrale. Kommen genug Beschwerden über einen Anbieter zusammen, kann diese möglicherweise rechtliche Schritte einleiten.

Fazit: Erst prüfen, dann abschließen

Vor allem Neulinge tun sich schwer, seriöse Angebote von unseriösen zu unterscheiden und Betrug bei Brokern und Co. zu erkennen. Dass du hier bei diesem Ratgeber gelandet bist und den Text bis hierher gelesen hast, kann dich aber schon einmal positiv stimmen: Du bist dir im Klaren, dass Information das A und O ist. Du kennst nun die Anzeichen für unseriöse oder gar betrügerische Berater:innen. Ist dir in deinem konkreten Fall auch jetzt nicht klar, ob das Angebot, das dir vorliegt, glaubwürdig ist, solltest du dich an offizielle Beratungsstellen wie die Verbraucherzentrale wenden.

Gerade als Neuling bist du bei einer echten Bank bzw. bei einem zertifizierten Beratungsangebot besser aufgehoben. Auch da will man dir etwas verkaufen, keine Frage. Doch hier wirst du transparent darüber informiert, was du abschließt. Außerdem gilt: Je mehr Wissen du über Finanzprodukte hast, desto unabhängiger kannst du Entscheidungen darüber treffen, welche Strategie für dich richtig ist.

Lesetipps:
  • Bist du auf Betrüger hereingefallen? Hier findest du unsere Scammer-Liste. Fallen dir weitere schwarze Schafe auf, kannst du sie dort jederzeit melden.
  • Auch im Internet tummeln sich selbsternannte Expert:innen, die dir mit einer sicheren Anlagestrategie helfen wollen. Doch bei vielen ist das nichts als heiße Luft. Wir zeigen dir, woran du erkennst, dass du beim Angebot von unseriösen Finanzblogger:innen gelandet bist.
Julia bewegt sich seit 2011 im Umfeld Finanzen. Als Expertin für Verbraucherthemen wie Girokonto, Kreditkarte und Depot hat die studierte Germanistin und Amerikanistin immer einen Tipp auf Lager.
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