Girokonto: Mögliche Kosten im Überblick

Gänzlich kostenlos ist wohl kein Girokonto. Irgendwo verstecken sich immer ein paar Gebühren in den AGB der Banken. Das heißt aber nicht, dass dich dein Girokonto tatsächlich auch was kosten muss. Denn viele Gebühren sind leicht vermeidbar, wenn du dein Konto richtig nutzt. Wir zeigen dir, was anfallen kann und welche Alternativen du hast.

In den vergangenen Jahren hat sich ein Trend abgezeichnet: Kostenlose Girokonten sterben aus. Das „kostenlos“ bezieht sich dabei vor allem auf die Jahresgebühr. Immer mehr Banken erheben diese Gebühr, um die Kontoführung zu decken. In anderen Bereichen waren hingegen Gebühren eh schon länger an der Tagesordnung, etwa für zusätzliche Kreditkarten oder bei Bezahlungen in Fremdwährung.

Gebühren für Konto und Überweisung

Die Kontoführungsgebühr ist einer der wichtigsten Kostenpunkte bei Girokonten. Lange Zeit boten viele Banken ihre Konten ohne diese Gebühr an. Der Kostendruck durch einen hohen Verwaltungsaufwand einerseits und niedrige Zinsen andererseits hat jedoch dazu geführt, dass sich viele Banken die Kontoführung wieder bezahlen lassen. Üblich sind jährliche Kosten von ca. 60 Euro. Im Einzelfall können die Gebühren aber auch deutlich höher liegen.

Doch auch den umgekehrten Fall – nämlich 0 Euro Kontoführungsgebühr – gibt es noch. Insbesondere Direktbanken wie die norisbank oder comdirect können auf die Gebühr noch verzichten. Andere gehen einen Mittelweg: Es gibt eine Kontoführungsgebühr, die aber unter bestimmten Bedingungen erstattet wird. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn du einen regelmäßigen monatlichen Gehaltseingang hast oder noch sehr jung bist. Das Konto der ING etwa ist kostenlos, wenn du unter 28 Jahre bist oder einen Gehaltseingang von monatlich 700 Euro mitbringst.

Überweisungen: Nicht immer kostenlos

Überweisungen sind ebenfalls ein Thema, bei dem es sein kann, dass du Kosten produzierst. In der Regel keine Kosten fallen an, wenn du

  • eine normale Zahlung,
  • über dein Online-Banking
  • in der Euro-Währung

tätigst. In allen anderen Fällen können Gebühren anfallen. Sofortüberweisungen, mit denen Geld innerhalb weniger Minuten oder gar Sekunden auf dem Empfängerkonto ist, kosten meist extra. Auch wenn du für Zahlungen nicht das Online-Banking nutzt, sondern beleghaft, also auf Papier, ausführst, wird oft eine Gebühr fällig. Ein weiterer möglicher Kostenpunkt: Überweisungen in Fremdwährung. Überweist du nicht in Euro, sondern zum Beispiel bei deinem Lieblingsshop aus den USA in Dollar, kostet das eine Gebühr. Diese hängt meist von der Umsatzhöhe ab.

Telebanking auch kostenpflichtig

Nicht nur Überweisungen auf Papier kosten zusätzlich. In Zeiten des Online-Bankings bedeuten auch Überweisungen per Telefon einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Daher verlangen Banken auch hierfür meistens eine Gebühr.

Gebühren für Giro- und Kreditkarte

Für Girokarten und Kreditkarten können prinzipiell die gleichen Gebühren anfallen. Meist hast du es hier mit einer Jahresgebühr zu tun. Verwendest du die Kreditkarte häufig zum Bezahlen oder Geldabheben, erstatten manche Banken die Gebühr. Bei Girokarten gibt es die Jahresgebühr zwar auch, aber hier kommt sie deutlich seltener vor.

Hast du bereits dein Set aus Giro- und Kreditkarte und möchtest noch eine weitere Kreditkarte, zum Beispiel für deine:n Partner:in, erheben viele Banken eine Ausgabegebühr für die zusätzliche Karte. Anschließend kann auch für die Partnerkarte eine Jahresgebühr fällig sein.    

Gebühren hängen von der Nutzung ab

Mit deinen Karten kannst du Geld abheben, Einkäufe und in Restaurants bezahlen, Hotels buchen und vieles mehr. Gebühren können vor allem für das Bezahlen und für Abhebungen anfallen. Bei Letzteren sind die Automaten der eigenen Bank und die des Bankenverbundes (z. B. Cash Group) zumeist kostenlos. Um unnötige Kosten zu sparen, solltest du daher fremde Automaten meiden. Aufgepasst: Manche Bank gestattet nur eine begrenzte Anzahl kostenloser Abhebungen pro Monat. Danach wird es teuer. Gleiches gilt übrigens mittlerweile auch für Einzahlungen: Auch die sind oft mit Gebühren verbunden.

Das Bezahlen – egal, ob im Restaurant, Geschäft oder Online-Shop – ist meistens kostenlos. Nur beim kontaktlosen Bezahlen solltest du aufpassen. Manche Banken lassen sich diese Dienste extra bezahlen. Wieso sie das tun? Wer weiß, denn eigentlich trägt der Händler die Kosten dafür. Und auch der reicht diese in Form höherer Preise bereits an die Kund:innen weiter.

Aufgepasst bei Fremdwährungen

Wie Überweisungen sind auch Abhebungen und Bezahlungen meistens kostenpflichtig, wenn es sich um Fremdwährungen handelt. Dennoch solltest du in Ländern mit einer fremden Währung auch in dieser bezahlen und abheben. Die Gebührenbelastung bewegt sich zwischen 0 und 3 Prozent. Die Umrechnung in Euro ist dagegen noch viel teurer: Zehn Prozent und mehr sind keine Seltenheit.

Sollzinsen für Dispo und geduldete Überziehung

Wenn du stabile Finanzen hast, wirst du wahrscheinlich weder deinen Dispokredit nutzen, noch dein Konto überziehen. Die damit verbundenen Gebühren, die Sollzinsen, sind irrelevant für dich. Bereits der Dispozins ist bei den meisten Banken mit durchschnittlich knapp 10 Prozent pro Jahr sehr hoch (mit einem normalen Ratenkredit würdest du sehr viel besser fahren). Vor einer geduldeten Überziehung deines Kontos solltest du dich aber auf jeden Fall hüten. Hier sind Zinssätze von 15 Prozent jährlich und mehr möglich. Wenn es geht, vermeide diese Kostenpunkte des Girokontos.  

Exotisches aus den Untiefen der Preisverzeichnisse

Die Preisverzeichnisse der Banken können ganz schön umfangreich sein – auch bei kostenlosen Girokonten. Und neben den in unserem Artikel genannten Gebühren können dort auch sehr viel ausgefallenere Posten auftauchen. „Es gibt keine Service-Leistung, die man sich nicht bezahlen lassen könnte“, scheint die Devise mancher Bank zu sein.

  • Gebühr für mobileTan: Manche Banken lassen sich das Versenden von mobileTANs per SMS bezahlen. Das sind meist nur wenige Cent, aber mit der Zeit summieren sich die Kosten.
  • Glücksspiel-Gebühr: Bei Kreditkarten kann es vorkommen, dass du bei der Nutzung in Casinos oder Wettbüros eine umsatzabhängige Transaktionsgebühr zahlen musst.
  • Adressänderung per Telefon: Direktbanken mögen es lieber online. Wenn du deine Adresse per Anruf oder Fax änderst, kann dich das bei dem einen oder anderen Institut bis zu 5 Euro kosten.
  • Neue Geheimzahl: Du möchtest deine PIN ändern? Bei manchen Banken kostet das zusätzlich.
  • Kleingeld-Gebühr: Banken prüfen Münzen auf ihre Echtheit. Wenn du also Kleingeld am Schalter einzahlst, kann es sein, dass dich das etwas kostet.

FAQ: Die häufigsten Fragen zu Girokonto-Gebühren

Wenn du ein Girokonto eröffnen möchtest, kann der Gebühren-Dschungel ziemlich undurchsichtig werden. Wir haben für dich die wichtigsten Fragen gesammelt und geben die Antworten.

Warum kosten Girokonten Geld?

Der Betrieb von Girokonten verursacht einer Bank Kosten: Mitarbeiter:innen, die sich um die IT kümmern, Servicepersonal, Menschen, die prüfen, ob alle Transaktionen reibungslos ablaufen. Hinzu kommt die technische Ausstattung der Banken, deren Zahlungssysteme miteinander kompatibel sein müssen. Das alles kostet. In Form von Gebühren müssen die Kund:innen dafür zahlen.

Kann ich die Girokonto-Kosten absetzen?

Ja, tatsächlich kannst du Kontoführungsgebühren von der Einkommenssteuer absetzen. Die Finanzämter setzen hier einen jährlichen Pauschbetrag von 16 Euro an. Besser als nichts.

Fallen bei einer Kontokündigung Gebühren an?

Nein, denn Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, für Kündigungen keine Gebühren zu erheben. Auch bereits im Vorfeld geleistete Kartengebühren für das laufende Jahr kannst du dir anteilig von der Bank zurückholen.

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.
Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
>