Neobroker: Die Preisbrecher im Vergleich

Börsenhandel zum Nulltarif, eine schlanke Produktpalette, moderne Apps: Neobroker bringen das Feld der etablierten Depotanbieter ordentlich durcheinander. Die neuen Broker haben einen Nerv getroffen. Wir haben uns vier von ihnen genauer angeschaut und zeigen, was sie können – und was nicht.

Seit 2019 bringen Neobroker ordentlich Schwung in den Markt für Depotkonten und fordern ältere Anbieter wie flatex und onvista heraus. Dabei setzen Neobroker auch auf innovative Geschäftsmodelle. Vorreiter und Vorbild ist der US-amerikanische Broker Robinhood. Der Broker ist seit 2013 am Start – mit einem Konzept, das seitdem in den USA häufig kopiert wurde. Und nun auch in Deutschland.

Was sind Neobroker?

Unter Neobrokern versteht man Depotanbieter, die einen unkomplizierten Handel meist per Smartphone-App zu besonders günstigen Gebühren ermöglichen. Das heißt, als Anleger:in zahlst du in der Regel keine Depotführungsgebühren. Aber auch Orderprovisionen werden von den Anbietern – manchmal nur unter bestimmten Bedingungen – nicht erhoben. Selbst Börsengebühren fallen oft weg. So ist es tatsächlich möglich, dass du kostenlos an der Börse handelst.   

Zu den Neobrokern gehören unter anderem Smartbroker und Trade Republic. Die beiden Broker sind seit 2019 in Deutschland tätig und konnten in kurzer Zeit viele Neukund:innen gewinnen. 2020 kamen noch justTRADE und Scalable Capital hinzu. Letzterer war bis dahin lediglich für seine digitale Vermögensverwaltung per Robo-Advisor bekannt.

Die wichtigsten Neobroker im Vergleich*

Depot

Handelsplätze:

35

ETF-Sparpläne:

ca. 600

Besonderheit:

ETC-Sparpläne

Depot

Handelsplätze:

1

ETF-Sparpläne:

ca. 300

Besonderheit:

Sparrate ab 10 €

Depot

Handelsplätze:

2

ETF-Sparpläne:

0

Besonderheit:

0 € Fremdkosten

Depot

Handelsplätze:

1

ETF-Sparpläne:

ca. 1.300

Besonderheit:

Flatrate-Modell

* Alle vier Broker verlangen keine Depotführungsgebühren und – sofern der Handel an den Börsen gettex oder Lang & Schwarz stattfindet – keine Ordergebühren. Trade Republic verlangt lediglich eine Fremdkostenpauschale von 1 Euro pro Order. Scalable Capital erhebt jedoch bei seinen Kontomodellen Prime Broker und Prime Broker flex eine Flatrate, eine Art Depotgebühr, die kostenlose Transaktionen ermöglicht.

Das besondere Konzept der Neobroker

Was ist nun der große Unterschied zu anderen Online-Brokern und Depotbanken? Neobroker punkten zwar bei den Kosten, haben aber ihre Einschränkungen bei der Produktauswahl und den zur Verfügung stehenden Börsenplätzen. Sie vermitteln alle Orders ihrer Kund:innen in der Regel immer nur an einen oder zwei ausgewählte Börsenplätze; derzeit vor allem die Münchener gettex oder die Hamburger Lang & Schwarz.

Als Anleger:in bist du also daran gebunden, welche Wertpapiere an der jeweiligen Börse deines Neobrokers vorhanden sind. Dadurch ergeben sich theoretisch schon Einschränkungen. Praktisch dürften diese aber für die wenigsten Menschen ins Gewicht fallen. Alle gängigen und wichtigen Titel sind an diesen Börsen handelbar.

Neobroker in Depotvergleichen

Die Einschränkungen beim Handelsangebot sind übrigens der Hauptgrund, wieso Neobroker in klassischen Depotvergleichen meist etwas schlechter abschneiden als Broker mit einer großen Handelsplatz- und Wertpapierauswahl. Dennoch ist das jeweilige Handelsangebot groß genug, damit du ein breit aufgestelltes und abgesichertes Portfolio aufstellen kannst. Du findest alle gängigen Aktien und ETFs; es kann jedoch sein, dass du seltenere Wertpapiere zum Beispiel von Unternehmen aus Schwellen- oder Entwicklungsländern an den Börsen nicht kaufen kannst.

Die Vermittlung von Orders an jeweils nur einen Handelsplatz lohnt sich sowohl für die Börse als auch für den Broker als auch für die Kund:innen. An einer Börse wie gettex, die bisher einen schweren Stand gegenüber z. B. der Frankfurter Börse oder XETRA hatte, werden mehr und mehr Orders platziert. Der Broker bekommt dafür in der Regel eine Rückvergütung von der Börse. Und die ist dann meistens so hoch, dass der Broker seinen Kund:innen die Ordergebühren erstatten kann. Und geringe oder gar keine Gebühren sorgen dafür, dass sich weitere Interessenten bei den Brokern anmelden.

Ausbau des Handels

Geht die Idee von gettex und Lang & Schwarz auf, Broker als Ordervermittler einzuspannen, dürfte in den kommenden Jahren das Wertpapierangebot an den beiden Handelsplätzen immer weiter ausgebaut werden. Denn immer mehr Anleger:innen bringen dann weitere Wertpapiere ein, die bald auch in ausreichenden Mengen an den Börsen vorhanden sind, sodass stets ein liquider Handel mit niedrigen Spreads möglich ist.

Die wichtigsten deutschen Neobroker

Seit 2019 gibt es eine Reihe neuer Depotanbieter, die als Neobroker betrachtet werden können. Es vergeht kaum ein Monat, in dem kein neues Start-up mit einem Depot an den Start geht. Wir haben vier Anbieter, die in den zurückliegenden Monaten überzeugen konnten, genauer unter die Lupe genommen.

Smartbroker: der etwas andere Neobroker

Ein astreiner Neobroker ist Smartbroker eigentlich nicht. Denn der zur wallstreet:online Capital AG gehörende Depotanbieter hat eine sehr große Produktauswahl über mehrere Börsen hinweg. Anleger:innen stehen alle deutschen und viele internationale Börsenplätze zur Verfügung. Darüber hinaus kannst du auch an verschiedenen außerbörslichen Handelsplätzen anlegen. Vier Euro pro Order fallen dabei an.

„Was macht Smartbroker dann zu einem Neobroker?“ fragst du dich vielleicht. Ganz einfach: Du kannst über Smartbroker Aktien, ETFs usw. auch bei Lang & Schwarz und gettex handeln. In dem Fall zahlst du – wie bei Neobrokern üblich – noch niedrigere Gebühren: 1 Euro bei Lang & Schwarz und sogar 0 Euro bei gettex. Dafür musst du aber ein Mindestordervolumen von 500 Euro erreichen. Hinzu kommen jedoch die Fremdspesen der jeweiligen Börse. Auch der Kauf und Verkauf von Derivaten ist über den außerbörslichen Direkthandel der Premiumpartner kostenfrei. Hier fallen zudem keine Fremdspesen an.

Breit aufgestellt ist Smartbroker auch bei den Sparplänen. Du kannst in ETF-, Fonds-, Aktien- und sogar ETC-Sparpläne investieren. Für Sparpläne auf Fonds zahlst du keine Ausführungsgebühren; und auch ein Großteil der ETF-Sparpläne ist kostenfrei. Für ETCs und Aktien zahlst du hingegen pro Sparplanausführung eine Gebühr von 0,2 Prozent der Anlagesumme.

Depot

Handelsplätze:

35

ETF-Sparpläne:

ca. 600

Besonderheit:

ETC-Sparpläne

Trade Republic: der Revolutionär

„Einfach revolutionär“, so beschreibt sich Trade Republic selbst. Und tatsächlich war Trade Republic 2019 der erste Neobroker, der in Deutschland auf den Markt kam und damit zumindest eine Preisrevolution gestartet hat. Jenseits einer Fremdkostenpauschale von 1 Euro pro Order für den Handel bei Lang & Schwarz zahlst du nichts. Auch im Derivatehandel über HSBC fällt nur diese Pauschale an. Ein Mindestanlagevolumen musst du nicht erreichen. Insgesamt stehen dir an den beiden Handelsplätzen mehr als 7.300 Aktien, 500 ETFs und 40.000 Derivate zur Verfügung.

Das Sparplanangebot ist zwar etwas eingeschränkter als bei Smartbroker – zum Beispiel gibt es keine Fonds- und ETC-Sparpläne –, doch ebenso günstig. Konkret heißt das, die Ausführung von ETF- und Aktiensparplänen ist kostenfrei. Die Mindestsparrate beträgt dabei lediglich 10 Euro.

Nur mobiler Handel

Der Handel bei Trade Republic ist nur mobil per App möglich. Du benötigst ein Smartphone mit iOS oder Android, um die Trade-Republic-App nutzen zu können. Deine gesamte Depotverwaltung erledigst du über diese App.  

Depot

Handelsplätze:

1

ETF-Sparpläne:

ca. 300

Besonderheit:

Sparrate ab 10 €

justTRADE: der Konsequente

Die konsequenteste 0-Euro-Poltik verfolgt vielleicht justTRADE: Du kannst über die beiden Handelsplätze Lang & Schwarz und Quotrix für jeweils 0 Euro handeln. Es fallen weder Ordergebühren noch Fremdkosten an. Für alle Orders gilt jedoch eine Mindestanlagesumme von 500 Euro. Die beiden Handelsplätze und die angeschlossenen Handelspartner erschließen dir ein sehr großes Produktangebot: Insgesamt kannst du über 500.000 Wertpapiere handeln.

Kleiner Wermutstropfen für Anleger:innen: Sparpläne bietet justTRADE nicht an. Du kannst zwar ETFs und auch ETCs handeln, aber jeweils nur im Rahmen von Einzelanlagen. Automatisch investierende ETF-Sparpläne gibt es nicht. Wer vorrangig mit wenig monatlichem Kapitalaufwand sparen möchte, wird bei justTRADE nicht fündig.

Depot

Handelsplätze:

2

ETF-Sparpläne:

0

Besonderheit:

0 € Fremdkosten

Scalable Capital: der mit der Flatrate

Scalable Capital ist vor allem für seine digitale Vermögensverwaltung per Robo-Advisor bekannt. Seit 2020 hat das Münchener Unternehmen aber auch klassisches Brokerage im Programm. Hier bietet Scalable Capital drei verschiedene Kontomodelle an: Free Broker, Prime Broker und Prime Broker flex. Gänzlich kostenlos könntest du eigentlich nur handeln, wenn du dich für das Free-Modell entscheidest und da in den einzigen kostenlosen ETF-Sparplan investierst.

Alles andere ist mit Kosten verbunden – allerdings sehr überschaubaren. Dabei bieten die Modelle Prime Broker und Prime Broker flex eine echte Flatrate. Du zahlst 2,99 Euro bzw. 4,99 im Monat (die niedrigere Gebühr gibt es, wenn du eine Jahresmitgliedschaft abschließt). Dann fallen keine weiteren Kosten an und du kannst so viel handeln und Sparpläne anlegen, wie du möchtest: Interessant für Vieltrader. Gleichzeitig ist die Mindestanlage pro Trade etwas niedriger als bei der Neobroker-Konkurrenz: Bei Scalable Capital musst du lediglich auf 250 Euro kommen.  

Das besondere Plus bei Scalable Capital ist das riesige Angebot an sparplanfähigen ETFs. Du kannst in über 1.300 ETF-Sparpläne investieren. Das ist ein Spitzenwert unter deutschen Brokern.

Depot

Handelsplätze:

1

ETF-Sparpläne:

ca. 1.300

Besonderheit:

Flatrate-Modell

Matthias arbeitet seit 2015 für verschiedene Vergleichsportale. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Wertpapierdepot, Kranken- und Rentenversicherung sowie Baufinanzierung.

Deine Meinung zu Neobrokern

Was hältst du von den neuen Neobrokern? Konntest du schon Erfahrungen bei dem einen oder anderen sammeln?

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