Jahresrückblick: Wie Baumkäfer und Container unsere Finanzen beeinflussen

Raketen-Verbot und Corona-Beschränkungen – das Jahr 2021 endet, wie es begonnen hat. Die Pandemie hat unser Leben und die Wirtschaft weiter im Griff. Die Aktienmärkte zeigten sich im vergangenen Jahr davon weitestgehend unbeeindruckt. Der Deutsche Aktien Index (DAX) überschritt im März erstmalig die 15.000-Punkte-Marke und kletterte im November kurzzeitig sogar über 16.000 Punkte. Die Redaktion von testsieger-konto.de blickt zurück auf ein Jahr mit Negativzinsen, Gebührenerhöhungen, Lieferengpässen und einer anhaltenden Inflation.

Aber zurück zum Anfang: In Amerika wird Joe Biden (Demokratische Partei) als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und übernimmt das Amt von Donald Trump (Republikanische Partei). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ruft die Bürgerinnen und Bürger in ihrer 16. und letzten Neujahrsansprache zum Durchhalten in der Corona-Krise auf. Die Corona-Soforthilfen schützen zahlreiche Unternehmen vor drohender Insolvenz. Allein das Rettungspaket für die Lufthansa hat einen Gesamtumfang von neun Milliarden Euro.

Das Aussterben der bedingungslos kostenlosen Girokonten

Minigewinne, hohe Kosten und mangelnde Ideen für die Zukunft: Auch die Finanzinstitute werden in den Krisenmodus gezwungen. Ursache war jedoch weniger die Pandemie als strukturelle Schwächen und die schleppende Digitalisierung. Zahlreiche Institute greifen zur Gebührenerhöhung, einem erprobten und altbekannten Instrument. Während zunächst vor allem die Filialbanken an der Gebührenschraube drehen, machen nach und nach auch die Direktbanken mit – und läuten damit das Ende der kostenlosen Girokonten ein. Ein kostenloses Girokonto nach dem anderen verschwindet von der Bildfläche – oder die Bedingungen für eine kostenlose Kontoführung werden verschärft.

Tipp der Redaktion: Kostenloses Konto der Consorsbank

Auch wenn die Gebühren steigen und immer weniger Banken kostenlose Girokonten anbieten, es gibt sie noch: Unser Testsieger, das Girokonto der Consorsbank, kommt mit kostenlosem Girokonto und kostenloser Kreditkarte (Visa Card) daher. Bedingung für das Konto ist ein monatlicher Geldeingang von mindestens 700 Euro. Bedingungslos kostenlose Girokonten bieten noch Nuri, Vivid und Openbank.

Paukenschlag für die Branche: AGB-Urteil des BGH

Schweigen ist keine Zustimmung. Das ist die Kernaussage des Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH), das Ende April die Finanzbranche erschüttert. Gängige Praxis vieler Sparkassen und Banken war bis dahin: Den Kundinnen und Kunden wurde eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) mitgeteilt und Schweigen wurde als Zustimmung gewertet. Dazu enthielten die AGB Klauseln wie diese: „Die Zustimmung des Kunden gilt als erteilt, wenn er seine Ablehnung nicht vor dem vorgeschlagenen Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderungen angezeigt hat.“ Unzulässig, urteilte der BGH.

Kaum ein Finanzinstitut, das in den vergangenen Jahren nicht an der Gebührenschraube gedreht hat und die Zustimmung nun nachträglich einholen muss. Außerdem sieht die Branche Rückforderungen in Milliardenhöhe auf sich zukommen. Die Geldhäuser setzen alles daran, dass alle Kundinnen und Kunden die aktuellen AGB akzeptieren. Ihnen geht es vor allem darum, auf Dauer nicht mit unterschiedlichen Preismodellen zu arbeiten. Einige drohen gar mit Kündigung.

Negativzinsen: Wie man beim Sparen Geld verliert

Und noch eine weitere Gebühr sorgt für Aufregung: Lange Zeit konnten die meisten privaten Sparerinnen und Sparer Negativzinsen einfach ignorieren. Sie galten entweder nur für Geschäftskonten oder erst bei sehr hohen Guthaben. 100.000 oder 250.000 Euro waren ein gängiger Wert, bei dem Banken begonnen haben, das Verwahrentgelt zu erheben. Doch in den vergangenen Monaten sanken die Freibeträge immer weiter. Bei manchen Banken zahlen Kundinnen und Kunden inzwischen bereits ab 5.000 Euro auf dem Girokonto einen Strafzins. Als Grund für die Negativzinsen verweisen die Finanzinstitute in der Regel auf die Geldmarktpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Geldinstitute zahlen selbst Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB. Diese Gebühren geben sie wiederum als Negativzinsen an ihre Kunden weiter.

Tipp der Redaktion: Negativzinsen vermeiden

Es sind wenige, doch es gibt sie: Banken noch ganz ohne Negativzinsen! Bei manchen Banken fallen zwar Negativzinsen an, allerdings erst ab einer hohen Einlagesumme. Wir stellen dir zwei Banken vor, bei denen du noch um die Negativzinsen herumkommen kannst.

Containerschiffe auf dem Suezkanal und Baumkäfer in Kanada sorgen für Lieferengpässe

Lieferprobleme bei Fahrrädern, Waschmaschinen, Druckern, Laptops, Schuhen, Kleidern, WLAN-Routern, Kühlschränken, Rasenmäher – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Wer in diesem Jahr ein Auto bestellt hat, muss nicht selten über ein Jahr bis zur Auslieferung warten. Los ging es bereits im März: Die Suezkanal-Sperrung und die coronabedingte Schließung eines Hafens in China haben die internationalen Lieferketten empfindlich gestört. Zudem stieg die Holznachfrage auf ein unerreichtes Niveau. Gleichzeitig wüteten in Kalifornien enorme Brände – und der Bergkiefernkäfer in Kanadas Wäldern.

Weltweite Lieferengpässe befeuern die Inflation

Die Probleme in den Lieferketten führen zur Güterknappheit – was schließlich die Inflation antreibt: Lieferengpässe, die durch die Corona-Pandemie verursacht werden, trüben inzwischen fast weltweit die Konjunkturaussichten. In Deutschland legen die Verbraucherpreise laut Statistischem Bundesamt im November 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um über fünf Prozent zu. Ähnlich hoch war die Inflation in Deutschland zuletzt vor fast 30 Jahren. Der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat unlängst vor einer Verstetigung der hohen Inflationsrate gewarnt. Die Notenbank geht davon aus, dass die Preissteigerung in Deutschland im nächsten Jahr im Schnitt noch höher ausfällt als in diesem Jahr.

Aus Mangel an Alternativen: Aktienboom hält an

Und so schließt sich der Kreis: Der vierten Corona-Welle und allen Einschränkungen zum Trotz zeigen sich die meisten Aktienkurse zum Jahresende unbeeindruckt. Auch wenn die neue Corona-Variante Omicron kurz nach dem Allzeithoch des DAX im November für einen Dämpfer sorgt, für eine weltweite Krise, die inzwischen fast zwei Jahre andauert, sind die Aktienindizes überraschend stabil. Dies dürfte auch daran liegen, dass viele Anlegerinnen und Anleger in den vergangenen Monaten an der Börse eingestiegen sind und konservative Anlageformen durch Negativzins und Inflation unattraktiv geworden sind.

Frohe Weihnachten & ein gesundes neues Jahr

Die weiteren Entwicklungen werden wir als Redaktion von testsieger-konto.de auch im kommenden Jahr für euch im Auge behalten. Bis dahin wünschen wir euch ein frohes Weihnachtsfest, Gesundheit und viel Kraft und Erfolg im neuen Jahr.

Redakteur aus Leidenschaft. ETFs, Online-Banking oder Sterbegeldversicherung: Komplexe Themen hinterfragt Tim so lange, bis er sie verstanden hat – und schreibt dann einen Service-Artikel.
Stilisierte Sprechblasen in Schwarzweiß Diskussionsforum
>